Bloggerfreie Zone

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Auf der Frankfurter Buchmesse konnte man den Wandel hin zu einem neuen Bedeutungshoch deutlich spüren. Die geballte Wertschätzungsoffensive der Verlage – Einladungen zu Pizza und Partys, exklusive Treffen und Lesungen mit Autoren sowie jede Menge Goodie-Bags. Überall zustimmendes Nicken zur wachsenden Bedeutung digitaler Literaturvermittlung und allenthalben Einigkeit, dass die Zukunft den Blogs gehört.

Wirklich allenthalben und überall auf der Messe? Nein, ein von scheinbar unbeugsamen Offlinern bewirtschafteter Stand in Halle 3.1 hört nicht auf, den digitalen Eindringlingen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Literaturblogger, die als Besatzung in den befestigten Lagern ihrer Blogs leben und immer wieder versuchen, diese letzte Bastion zu erobern. Auch ich habe es in Frankfurt noch einmal versucht, bin zum Messestand und habe mich an eine nette Dame am Info-Counter gewendet.

Ich: „Guten Tag, können Sie mir sagen, wer bei Ihnen im Verlag für Blogger zuständig ist?“

Die nette Dame am Info-Counter: „Das ist die Presseabteilung“.

Ich: „Ich bin Blogger. Ich hätte gerne mal mit jemandem aus der Abteilung gesprochen“.

Dame am Info-Counter: „Das ist grad schlecht, die sind alle im Gespräch“.

Ich: „Kein Problem, dann komme ich später noch mal wieder. An wen kann ich mich dann wenden?“

Am Info-Counter: „Das kann ich Ihnen nicht sagen“.

Ich: „Warum nicht?“

Info-Counter: „Schauen sie doch bitte auf unserer Webseite nach. Da stehen alle Ansprechpartner“.

Ich: „Da habe ich schon geguckt und keinen Namen gefunden. Nur eine allgemeine Mailadresse, um Rezensionsexemplare zu bestellen“.

Counter: „Ja, genau. Schreiben sie da einfach eine Mail hin, wir melden uns dann“.

Ich: „Aber ich bin doch jetzt hier, es dauert auch wirklich nicht lang“.

Sie: „Tut mir wirklich leid“.

Sagt es, schenkt mir ein bittersüßes Lächeln und wendet sich dem Nächsten zu. Ok, das war jetzt deutlich, die wollen anscheinend keinen direkten Blogger-Kontakt. Muss ja auch nicht sein, ist schließlich auch eine Art, sich vom Wettbewerb abzugrenzen. Der Messestand als bloggerfreie Zone. Wenn dort nicht einige meiner Lieblingsautoren unter Vertrag wären, wäre es mir das ja egal. Aber so?

Kopfschüttelnd schaue ich mich noch ein wenig auf dem Stand um, erblicke den smarten Shortlist-Autor aus Österreich und mehrere Regale mit einem einzigen, auffallend roten Buch, anscheinend der Top Neuerscheinung des Verlages in diesem Herbst. Und als ich den reißerischen Titel „Ich hasse dieses Internet“ lese, wird mir auf einmal alles klar.

Foto: Gabriele Luger