Moritz von Uslar – Nochmal Deutschboden (Hörbuch)

Der erste Teil aus dem Jahr 2009 hat mich schon nicht interessiert. Tendenziös und vorhersehbar, so mein Vorurteil. Was soll da schon anderes als das übliche Dunkeldeutschland-Bashing rauskommen, wenn sich ein westdeutscher Linksintellektueller unters Volk im Brandenburger Hinterland mischt? Und so war auch meine Haltung zum jüngst erschienenen Nachfolgeband ‚Nochmal Deutschboden – Meine Rückkehr in die Brandenburgische Provinz‘. Trotzdem habe ich mal ins Hörbuch reingehört, weil ich von Moritz von Uslar zwar schon viel gehört, aber außer ein paar Zeitungsartikeln noch nichts gelesen habe.

Es hat etwas gedauert, bis ich mich an den kehligen Bariton des Autors, der sein Buch selber liest und dabei immer wieder zwischen Ich- und Reporter-Perspektive wechselt, gewöhnt hatte. Aber schon nach zehn Minuten war ich drin und unendlich froh, dass meine Neugier mal wieder stärker war, als alle Vorurteile. Denn was von Uslar da abliefert, ist mehr als nur eine Reportage aus einer ostdeutschen Kleinstadt. Es ist eine Liebeserklärung an das normale, einfache Leben, an Menschen, die nicht perfekt sind und alles andere als pc, an einen Landstrich, der nicht viel mehr zu bieten hat, als weite Landschaft und beigefarbene Kratzputzfassaden. Nach acht Stunden Hörbuch bin ich nicht nur neuer Fan des Autors, der für mein Empfinden genau das richtige Maß an kritischer Distanz und Empathie zu seinen Protagonisten gefunden hat, sondern einmal mehr auch des Lebens in der Brandenburgischen Provinz.

Ich bin so alt, ich kenne noch die DDR, und zwar in echt und nicht nur aus Romanen. BRD und DDR, West und Ost, das war so grundverschieden – dass das jemals wieder eins wird, hätte ich bis zur Wende kaum für möglich gehalten. Und auch wenn die Staatsgrenze seit 30 Jahren verschwunden ist, die Unterschiede zwischen Ost und West sind immer noch da. In den Familiengeschichten, den Akten der Behörden und vor allem in den Köpfen der Menschen. Egal, ob man das nun gut findet oder nicht: in Castrop Rauxel ist man westdeutsch und in Zehdenick ist man ostdeutsch – es gibt viele Gemeinsamkeiten, aber trotzdem liegen dazwischen Welten. Und wie es ist, zu 100 Prozent ostdeutsch zu sein, das kann man hier nachlesen und hören.

Bei Moritz von Uslar ist die Brandenburger Provinz vor allen Dingen eins: überwiegend männlich. 85 Prozent der handelnden Figuren sind Männer, trink- und schlagfest, und die meisten von ihnen haben grundsätzlich nichts gegen Ausländer, aber…! Die wenigen Frauen, die uns hier begegnen, sind entweder besorgte Mütter, hübsche Bäckereiverkäuferinnen oder alleinerziehende Barfrauen  – aber allesamt nicht mehr als dekorative Nebendarstellerinnen im Deutschboden-Setting. Was in Zehdenick gemacht und gedacht wird, das bestimmen größtenteils die Männer und das ist leider nicht immer klug und durchdacht.

Mich hat verwundert, dass der Reporter nach dem ersten Teil seiner teilnehmenden Beobachtung immer noch so gut gelitten ist. Dass er zehn Jahre danach wieder in Schröders Kneipe ein- und ausgehen kann, ohne angefeindet zu werden. Ganz im Gegenteil, er wurde von der Gemeinde begrüßt wie ein verlorener Sohn, einer der Ihrigen. Kaum einer trägt ihm etwas nach, ist sauer, weil er sich im Buch falsch dargestellt fühlte und nach der Veröffentlichung Probleme bekommen hat. Erst dachte ich, es könnte daran liegen, dass nicht alle das Buch gelesen haben. Aber die Verfilmung werden sich die Zehdenicker mit Sicherheit angeschaut haben, und genau das habe ich im Anschluss an das Hörbuch auch gemacht. Bei YouTube findet man einen Mitschnitt des Films in drei Teilen.

Und wenn man Moritz von Uslar da so betrachtet, wie er breitbeinig durch die trostlosen Straßen geht, mit Raoul und Eric und den anderen Kleinstadtfiguren im Ratskeller rumhängt, dann versteht man, warum er so gemocht wird. Der Reporter ist einfach ein netter Kerl, lustig und unterhaltsam, hat keine Hybris und lässt den Intellektuellen nicht raushängen, ganz im Gegenteil. Er verfügt über eine authentisch anmutende Proll-Credibility, vergleichbar mit Ben Becker, wodurch er sich nahezu unbeschadet in diesen Kreisen bewegen kann. Man spürt seine ehrliche Sympathie und das Interesse an den Menschen in der Kleinstadt, und auch wenn er immer wieder auf Rassismus und Rechtsradikalität trifft, sich viel dummes Geschwätz anhören muss, verliert er nie seine Zugewandtheit.

Seine Rolle ist weniger die eines Reporters, als viel mehr die eines Therapeuten. Jemand, der offen und ohne Vorurteil ist, sich interessiert, die Leute reden lässt und zur richtigen Zeit die richtigen Fragen stellt. Von Uslar wird vorgeworfen, dass er mit seiner Art der freundlich teilnehmenden Beobachtung, das Problem von Ausländerhass und Rechtsradikalismus zu sehr verharmlost. Aber ich bin mir sicher, dass er dadurch viel mehr erreicht, als diejenigen, die sich lautstark empören, anklagen und Menschen, deren Meinung ihnen nicht passt, an den Gesinnungs-Pranger stellen. Denn das verändert gar nichts, das verhärtet nur die Fronten und ist im Grunde auch nicht viel anders, geschweige denn besser, als das Verhalten, das man eigentlich verändern möchte.

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Foto:
Screenshot aus dem Film: Deutschboden

Hörbuch:
Verlag: tacheles! /ROOF Music GmbH
Sprecher: Moritz von Uslar
Dauer: 8h, 12 min
Hörprobe

Print:
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
336 Seiten, 22,00 €

Hans Fallada – Der Trinker (Hörbuch)

2

Halt, stopp, genug! Meinetwegen, dann gebe ich es halt zu. Ja, ja, ja … es ist wahr. Ich bin süchtig. Und zwar schon seit mehr als sechs Jahren. Seit damals kann ich nicht mehr davon lassen, habe mir sogar einen kleinen Vorrat angelegt, damit ich immer was von ihm im Haus habe. Aber das wird auch nicht mehr lange halten, und was mache ich dann?

Doch genug von diesem allzu offensichtlichen Analogie-Verwirrspiel. In Anbetracht der oben stehenden Headline wird ein Jeder längst erraten haben, dass ich natürlich kein Trinker bin, nicht süchtig nach Alkohol oder anderen Drogen, sondern einfach nur süchtig nach Fallada. Seit seinem von den Amerikanern wiederentdeckten Bestseller ‚Jeder stirbt für sich allein‘ bin ich diesem Ausnahmeschriftsteller verfallen, habe mir alles besorgt, dessen ich antiquarisch oder als Neuauflage beim Aufbau-Verlag habhaft werden konnte. Seitdem lese oder höre ich jedes Jahr maximal zwei seiner Werke, nicht mehr, denn der Vorrat soll, ja muss, noch einige Jahre halten. Und noch kein einziges Mal war ich enttäuscht, ganz im Gegenteil: Ich werde mit jedem gelesenen Werk immer mehr zum Fan, verneige mich ehrfürchtig vor dieser literarischen Lebensleistung.

‚Der Trinker‘ ist ein postum erschienenes Spätwerk Falladas und weitestgehend autobiografisch, denn das, was seinem Protagonisten Erwin Sommer widerfährt, ist ziemlich deckungsgleich mit Falladas Leben im Jahr 1944, was dieser Auszug aus Falladas Wikipedia-Kurzbiografie belegt: Nach dem Scheitern der Ehe Falladas wurde diese am 5. Juli 1944 geschieden. Im Streit mit seiner geschiedenen Frau schoss er am 28. August 1944 schwer angetrunken mit einer Terzerol-Pistole in einen Tisch. Daraufhin wurde er wegen versuchten Totschlags angeklagt und am 4. September 1944 in den Maßregelvollzug – im 2. Obergeschoss der „Abteilung Heil- und Pflegeanstalt“ (Hafthaus I) der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz – zur Beobachtung eingewiesen.“ 

In groben Zügen entspricht das dem Handlungsverlauf dieses Romans. Jetzt mag man vielleicht einwenden, lediglich das niederzuschreiben, was man selbst erlebt hat, sei keine große Kunst. Was als Aussage generell und bei diesem Autor erst recht nicht zutrifft. Klar, eigenes Erleben ist immer authentischer als irgendetwas gut Ausgedachtes. Aber hier wird das Wort ‚authentisch‘ noch mal neu definiert. Fallada ist seinem Protagonisten Erwin nicht nur nah, er durchdringt ihn geradezu, ist mehr nur als nur die Figur. Ist gleichzeitig auch alles, was sie umgibt, antreibt und lähmt: Es, Ich und Über-Ich.

Wie oft sehe ich Obdachlose in irgendwelchen Hauseingängen liegen und frage mich: was hat sie so aus der Bahn geworfen? Jetzt weiß ich es oder zumindest glaube ich, eine Ahnung davon zu haben. Jetzt kann ich mir in etwa vorstellen, was für Stimmen im Inneren dieser Menschen wüten. Diese ganz spezielle Trinker-Logik, das Gedanken-Karussell, die eigenen Wahrheiten, der eingeschränkte Blickwinkel und das sich immer mehr verzerrende Selbstbild. Hier bekommt man all das aufs  Schmerzlichste vorgeführt.

Ja, es hat stellenweise richtig weh getan, diesen Worten zu lauschen. Zu hören, wie Erwin Sommer immer mehr im Elend versinkt, er das aber gar nicht mehr wahrzunehmen scheint. Alles verloren, aber die Flasche Korn in der Hosentasche ist heil geblieben – was für ein Glück. Ich musste beim Hören manchmal Pause machen, konnte den Absturz des Helden kaum ertragen, so stark hat mich die Geschichte berührt.

Nicht, dass ich nicht wüsste, was passiert, wenn man süchtig ist. Aber hier geht es nicht um Faktenwissen und Verständnis, hier schlüpft man als Leser oder Zuhörer in die Haut des Betroffenen und erlebt das alles mit, ist für den Moment selber süchtig und dem Elend geweiht. Identifikationslevel = 100 Prozent. Literaturgenuss auch.

Dabei hatte ich bei diesem Hörbuch vom Anfang bis zum Ende ein ganz großes Problem mit dem Sprecher, einem gewissen André Grotta. Seine düster getragene Vortragsweise und die kehlig klingende, immer wieder brechende Stimme hat mich sehr gestört. Der Text braucht solch eine Unterstützung nicht. Ich wollte wissen, wie alt der Sprecher ist und wie er aussieht. Bei Google findet man nichts über diesen Mann. Kein Foto, keine Information über Alter und Profession, nur ein weiteres Hörbuch, das er eingesprochen hat.

Egal, letztlich spricht es nur für die hohe literarische Qualität der Romanvorlage, wenn selbst ein komplett fehlbesetzter Sprecher es nicht schafft, einem den Spaß am Hörbuch zu vergällen.

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Foto: Gabriele Luger

Hörbuch: Hierax Medien (erschienen 24.01.2020)
Gesprochen von André Grotta
11 h, 37 min
Hörprobe

Artur Dziuk – Das Ting

Mein erster Gedanke nach ca. fünfzig Seiten: Ich will auch so ein Ting! Etwas, das mein Leben besser macht. Was nicht heißt, dass es aktuell schlecht ist. Aber besser geht doch immer. Muss ja gar nicht perfekt sein, aber etwas gesünder, erfolgreicher, unbeschwerter wäre nicht verkehrt. Ich glaub, mir würde sowas gefallen. So ein kleiner Mann im Ohr; einer, der auf mich aufpasst, den Überblick über mein mitunter etwas sprunghaftes Wesen hätte – mein ganz persönlicher Coach, vielleicht sogar so etwas wie ein Freund.

Und jetzt weiß man schon so in etwa, worum es in diesem Buch geht: eine innovative Tech-Idee, vier Young Professionals, ein StartUp, ein Elevator Pitch, jede Menge Geld und die Chance, mit einem Produkt die Welt zu verändern. Die einmalige Gelegenheit, zu einer Business-Ikone zu werden. Ein neuer Steve Jobs, Jeff  Bezos oder Mark Zuckerberg. Klingt wie ein John Grisham- Setting, bietet aber in diesem Fall mehr als nur spannende Unterhaltung. Denn Artur Dziuk hat einen anderen Anspruch – zumindest glaube ich das. Aber so ganz sicher bin ich mir nicht. Selten so unschlüssig gewesen, ob das hier tatsächlich mehr ist, als nur ein gut aufbereitetes Zeitgeist-Thema mit Bestseller-Potenzial.

Fakt ist, ich habe das Buch sehr gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Und es hat etwas in mir in angestoßen. Auch zwei Wochen nach der Lektüre bewege ich mich gedanklich immer noch im Setting, lassen mich zahlreiche Fragen nicht los. Zum Beispiel, was überhaupt ein perfektes Leben ist? Und wer letztlich besser beurteilen kann, was gut für einen ist: man selbst oder eine Maschine, die Millionen Daten von dir hat und Zugriff auf das gesamte gespeicherte Wissen der Menschheit? Ist Mensch nicht erst Mensch, weil er so unperfekt ist? Und natürlich stellt man beim Lesen dieses Romans wieder einmal fest, dass Geld allein nicht glücklich macht, genauso wenig wie Erfolg und Anerkennung. Aber das ist ja nun wirklich eine simple Erkenntnis und ziemlich profaner Mainstream.

Hmm… bin ich etwa auf der falschen Fährte? Täuscht mich mein Gefühl? Interpretiere ich in dieses Buch viel zu viel hinein? Für einen literarischen Anspruch spricht die Langatmigkeit, mit der Dziuk seine Hauptcharaktere einführt. Man muss schon etwas Sitzfleisch, respektive Leselangmut und Ausdauer mitbringen, um sich den vier Protagonisten zu nähern. Hier noch ein Persönlichkeits-Detail, da noch ein erzählerischer Seitenschwenk. Es ist vielschichtig, aber trotzdem bleiben die Figuren das, was sie von Anfang an waren. Ziemlich eindimensional und ohne Entwicklung: Linus ein bemitleidenswerter Lappen, Kasper der ewige Sohn, Adam ein Blender und Softwareentwicklerin Niu der autistische Nerd.

Aber warum mache ich es mir überhaupt so schwer? Wen interessiert eigentlich, ob das jetzt große Literatur oder ein profaner Unterhaltungsroman ist? Vielleicht kann man sich ja darauf einigen, dass ‚Das Ting‘ das Beste aus beiden Welten vereint. Und es ist ohne Zweifel ein sehr lesenswertes Buch, das noch lange nachklingt. Belassen wir es doch einfach dabei.

Und dann gucke ich zufällig noch, was das überhaupt für ein merkwürdiger Verlag ist: bold. Es stellt sich heraus, dass das ein neues  Imprint von dtv ist und auf der Webseite readbold.de steht dann auch schwarz auf weiß: „bold bietet ein junges, trendiges Buch-Programm zwischen Unterhaltung und Literatur, von Autoren, die wie ihre Leser im Internet zu Hause sind.

Na, bitte. Meine Rede.

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Foto: Gabriele Luger

Verlag: bold (dtv)
464 Seiten, 18,00 €

Das Hörbuch ist auch sehr empfehlenswert:
Verlag: Audible Studios
Gelesen von Sascha Tschorn
14 h, 35 min
Hörprobe

Regina Scheer – Gott wohnt im Wedding

2

Da bildet man sich ein, man würde sich im Literaturbetrieb ein wenig auskennen, wüsste was gerade angesagt ist, welche Autorin, welcher Autor eine gewisse Relevanz hat, welche man zumindest vom Namen her kennen sollte und von wem man unbedingt noch etwas lesen muss. Und dann fällt einem zufällig dieser Roman in die Hände und man fragt sich: warum habe ich bisher eigentlich noch nie etwas von Regina Scheer gehört?

Wer dieses Gefühl kennt und ebenfalls von der 1950 in Ost-Berlin geborenen Historikerin und Publizistin noch nichts gehört hat, obwohl ihr in 2014 erschienener Debütroman  ‚Machandel‘ mehrfach ausgezeichnet wurde und sie seitdem von ihrem Verlag als Bestsellerautorin geführt wird, sollte das schnellstens nachholen und jetzt unbedingt „Gott wohnt im Wedding“ lesen.

Eine dringende Leseempfehlung auch für all diejenigen, die wie ich der Meinung sind, schon genug Berlin-Romane gelesen zu haben, in denen die wechselvolle Geschichte der Stadt vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geschildert wird. Denn Scheers Idee, ein Wohnhaus im Berliner Arbeiterbezirk Wedding zum Protagonisten ihres neuesten Romans zu machen, ist nicht nur auf eine charmante Art anders und überaus unterhaltsam, sondern angesichts einer beeindruckenden Detailkenntnis historischer Fakten auch unglaublich lehrreich.

Ein Thema, das mich literarisch beispielsweise bisher überhaupt noch nicht erreicht hat, ist die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland. Ich muss zugegeben, es hat mich auch noch nie besonders interessiert, denn wie ich beim Lesen selbstkritisch festgestellt habe, war auch ich nicht vorurteilsfrei. Doch hier habe ich mal was anderes als die gängigen Klischees über diese Volksgruppe erfahren, denn im Haus in der Utrechter Straße sind sie alle ein- und ausgegangen: Kommunisten, die dem „Roten Wedding“ seinen Namen gaben, Juden, Nazis, Russen und eben auch Sinti und Roma. Menschen in Zwei- und Dreiraumwohnungen mit Ofenheizung und Außenklo. Nachbarn, denen man im Hausflur begegnet, die man in der Wohnung über einem streiten, lachen und weinen hört. Und auf einmal erweitert sich der Horizont, man lernt dazu und versteht.

Der Roman ist sehr vielschichtig aufgebaut. Zahlreiche Personen, häufige Zeitsprünge und wechselnde Erzählperspektiven lassen den unkonzentrierten Leser leicht den Überblick verlieren. Aber durch den episodenhaften Aufbau dieses Romans findet man schnell wieder rein. Und wenn ich mit einigen der zahlreichen Erzählstränge auch weniger anfangen konnte, so freute ich mich doch umso mehr, wenn meine Lieblingsfiguren wieder ins Spiel kamen. Allen voran Gertrud Rhomberg, weit über 90 Jahre alt und seit Ihrer Geburt Mieterin in der Utrechter Straße.

Sie und das Haus haben viel erlebt: wie ein SA-Mann direkt vor der Tür ermordet und zum Märtyrer stilisiert wurde, wie sich zwei jüdische Jungs in ihrer Wohnung versteckten, wie der, den sie liebte, von den Nazis entdeckt und in ein Vernichtungslager verschleppt wurde, wie ein SS-Mann sie vergewaltigte, wie die Russen kamen und wieder gingen, die schwere Zeit des Wiederaufbaus, wie irgendwann die ersten Türken, Jugoslawen und danach auch Sinti einzogen und ganz am Ende, siebzig Jahre später, der andere der beiden jüdischen Jungs wieder unten im Hof steht und zu ihrer Wohnung hochschaut.

Ein Leben, ein Schicksal, das sich oberflächlich betrachtet nicht besonders von all denen unterscheidet, die zur selben Zeit am gleichen Ort gelebt haben. Unzählige Geschichten, die es auch wert gewesen wären, erzählt, aufgeschrieben und nicht vergessen zu werden. Große Häuser, kleine Häuser, die irgendwann entstanden sind und wieder wieder verschwanden. So wie wir alle, irgendwann.

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Foto: Gabriele Luger

Verlag: Penguin Hardover
416 Seiten, 24,00 €

Sehr empfehlenswert ist auch das Hörbuch:
Verlag: Der Hörverlag
Gesprochen von: Johann von Bülow
Länge: 14 h, 21 min
Hörprobe

Norbert Scheuer – Winterbienen (Hörbuch)

2

Nobert Scheuer – Scheuer, Scheuer… da war doch was. Ganz dunkel meine ich, mich zu erinnern. Hat er sich nicht im Rahmen der Bloggerpatenaktion der Leipziger Buchmesse im Jahr 2015 ziemlich arrogant und abschätzig gegenüber Buchblogs geäußert? Das tue ich zwar hin und wieder auch, aber wenn ich das mache, ist das etwas anderes. Egal – ich erwähne das, um zu verdeutlichen, wie meine Erwartungshaltung bei diesem Hörbuch war. Ich wollte eigentlich nur kurz reinhören, Winterbienen schlecht finden und ebenfalls abschätzig und arrogant darüber urteilen. Doch dann gefiel mir das, was ich da hörte, ausgesprochen gut. Also keine Chance für eine Retourkutsche.

Bemerkenswert ist vor allem der Sprecher Stefan Kaminsky mit seiner sehr speziellen Intonation. Er liest das Buch beinahe wie einen Nachrichtentext. Daraus ergibt sich beim Zuhörer ein gewisser Abstand zu dem Erzählten, den ich in diesem Fall als sehr angenehm empfunden habe. Winterbienen stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und hätte einen respektablen Gewinner abgegeben, wenn da nicht Saša Stanišić einen etwas zeitgemäßeren, persönlicheren aber in meinen Augen keinesfalls besseren Roman geschrieben hätte. Ich weiß nicht, wie ich mich als Buchpreisjuror entschieden hätte. Wahrscheinlich auch für Stanišić, weil er einfach der Schriftsteller mit der größeren Reichweite ist und auch bei einer jungen Lesergruppe große Sympathien hat. Scheuer wirkt dagegen fast schon langweilig, ist mehr so der Typ verschrobener Eremit, ohne Twitter Account und gesellschaftspolitisches Sendungsbewusstsein. Aber eigentlich geht es beim Deutschen Buchpreis ja darum, den besten Roman des Jahres auszuzeichnen und nicht den angesagtesten Autor – eigentlich. Doch lassen wir das.

Wie der Titel schon andeutet, geht es in diesem Roman um Bienen. Sie schwärmen herum und verbinden zwei Zeitebenen miteinander: die Tagebuch-Aufzeichnungen von Egidius Arimond, dem Ich-Erzähler, die vom Januar 1944 bis zum Ende des zweiten Weltkriegs reichen. Er ist Imker in der Eifel und übersetzt als ehemaliger Lateinlehrer die Aufzeichnungen des Benediktinermönches Ambrosius, der im 15. Jahrhundert bereits am gleichen Ort Bienen züchtete – das ist der zweite Erzählstrang, der aber nur eine eher auflockernde Aufgabe hat. Wenn man beim Zuhören für ein paar Augenblicke anderen Gedanken nachhängt, kann es leicht passieren, dass man sich in den Ebenen verirrt. Das habe ich aber gar nicht als störend empfunden, denn durch das Episodenhafte der Erzählung findet man schnell wieder rein.

Es sind viele Aspekte, die dieses Hörbuch sehr hörenswert machen. Neben dem bereits erwähnten Sprecher ist es die Geschichte an sich, sind es die Einblicke in die Familie des Protagonisten, die abgelegene Eifel-Landschaft, die Bienenzucht, der Krieg, die Dorfgemeinschaft, die Epilepsie, der heldenhafte Bruder, die amourösen Affären, die geschleusten Flüchtlinge, die alten Bücher und Aufzeichnungen aus dem Kloster und der Zusammenbruch des Dritten Reichs. Man muss schon ein wirklich erfahrener Autor sein, um sich in diesem Themen- und Zeitenmix nicht zu verheddern und den Erzählfaden zu verlieren. Nobert Scheuer ist so ein Routinier, der seine Leser bzw. Hörbuch-Konsumenten mit virtuoser Leichtigkeit durch alle Ecken und Winkel seines Settings leitet.

Und natürlich kommt man nicht umhin, die komplexe Organisationsstruktur eines Bienenvolkes, in die man von Scheuer behutsam eingeführt wird, mit der des Menschen zu vergleichen. Die Königin, die Arbeitsbienen, die männlichen Drohnen – wenn man von oben auf unsere Welt blickt, dann unterscheidet sich die menschliche Geschäftigkeit nicht so sehr von der eines Bienenvolks. Scheuer sagt das zu keiner Zeit, macht diesen Biene-Mensch-Vergleich nicht auf und verfällt nicht der Versuchung, hier mit platten Allegorien zu kommen. Auch daran erkennt man den Routinier. Nein, das habe ich mir ganz allein so zurechtgerecht gedacht, das alles ist in meinem Kopf beim Zuhören passiert. Vielleicht sollte ich doch mal Maja Lundes Geschichte der Bienen lesen.

So einzigartig dieser Roman auch in seiner Zusammensetzung ist, die einzelnen Bestandteile sind vielfach bewährt. Familie sowie Natur und Landschaft sind als Romanthemen gerade schwer angesagt. Auch die letzten Kriegsmonate in einer ländlichen Region als Romansetting zu wählen, ist alles andere als neu. Winterbienen reiht sich da in eine lange Abfolge großer Romane ein, von denen mir ganz besonders die letzten Werke von Ralf Rothmann und Arno Geiger besonders positiv in Erinnerung geblieben sind. Wer diese beiden Autoren mag, wird auch an Norbert Scheuer großen Gefallen finden.

Während ich das hier schreibe, fällt mir plötzlich auf, dass es gar nicht Norbert Scheuer war, der sich damals so negativ über Blogger geäußert hat. Ja genau, das war nämlich Michael Wildenhain, ebenfalls mittellanges Haar und mittelalt und auch ohne Twitter-Account. Muss gleich mal gucken, ob er auch was Neues und hoffentlich richtig Schlechtes veröffentlicht hat, über das ich dann ein wenig abschätzig und arrogant urteilen kann.

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Foto: Gabriele Luger

Hörbuch: C.H. Beck Verlag
Sprecher: Stefan Kaminsky
Dauer: 6 h, 6 min

 

Katja Oskamp – Marzahn, mon amour

3

Geschichten einer Fußpflegerin. 

Ich habe eine neue Schreibtechnik erlernt. Sie nennt sich Clustern, kommt im Prinzip noch vor dem eigentlichen Schreiben zum Einsatz und funktioniert in etwa so: Man nimmt sich ein Blatt Papier und notiert in der Mitte das Wort, das einem als allererstes zu dem Thema einfällt, über das man etwas schreiben will. Und dann fügt man drumherum weitere Begriffe hinzu, die sich aus dem bereits notierten Wörtern ergeben. Ist das Blatt voll, fängt man an, richtig zu schreiben – Assoziationsketten zu verbinden, aus den Wörtern ganze Sätze zu machen.

Das erste Wort, was ich zu „Marzahn, mon amour“ aufgeschrieben habe, war „Menschenliebe“ und dann als nächstes gleich „Herzensbuch“ und „Florian“. Wie gut, dass es solch einfache Methoden gibt, denn sonst hätte ich ich gar nicht gewusst, wo ich anfangen sollte, um meine Begeisterung für dieses Buch kundzutun. Eigentlich bin ich ja alles andere als ein Menschenfreund. Doch je älter ich werde, desto mehr Respekt habe ich vor dem Leben anderer Leute. So ein Leben muss nicht besonders herausragend, die Person nicht berühmt und bedeutend sein, um beachtet zu werden und Wertschätzung zu bekommen. Eigentlich das Mindeste, was man erwarten darf, zugleich aber auch das Kostbarste und für mich nach wie eine nicht ganz so einfache Übung.

Die meisten Menschen, die in den Plattenbauten in Berlin-Marzahn leben, sind weder berühmt noch bedeutend. Sie leben ihr Leben, sind entweder mittendrin oder schon fast damit durch, haben sich durchgebissen, kommen irgendwie klar und haben allesamt Füße, die sich freuen, wenn sich mal irgendwer richtig kümmert. Kümmern tut sich die Ich-Erzählerin dieses wunderbaren Buches, eine gescheiterte Schriftstellerin, die sich zur Fußpflegerin umschulen lässt und in einem Kosmetikstudio in Marzahn anfängt. Und sie macht das nicht nur einfach so als Plan B, sondern mit Herzblut. Und plötzlich sind bei ihr alle Selbstzweifel, ist ihre ganze Lebens-Unzufriedenheit wie weggefegt. Sie arbeitet mit Menschen, spricht mit ihnen, hört zu, beschäftigt sich – mit ihren Füßen, mit ihrem Leben.

Sollte ich jemals abschätzig über die Arbeit einer Fußpflegerin geurteilt haben, so leiste ich hiermit öffentlich Abbitte. Katja Oskamp schafft es, mir dieses Berufsbild aus einer vollkommen neuen Sicht zu präsentieren. Was hier geleistet wird, ist eine echter Dienst am Menschen. Und ich glaube, auch ich wäre froh, wenn sich mit Siebzig Plus noch jemanden findet, der sich meine langweiligen Buchblogger-Geschichten anhört, während er mir die Hornhaut von den Fersen hobelt.

Damit kann schon mal ein Haken an die ersten zwei Begriffe gesetzt werden: Menschenliebe und Herzensbuch – für mich eigentlich ein Unwort, aber hier passt es. Bleibt noch Florian. Den Namen habe ich notiert, weil er mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Florian kennt man als literarischen Nerd von Instagram. Als Buchhändler ist es sein Job und als Bookstagramer sein Hobby, tagtäglich Bücher zu empfehlen. Und wenn er für einen Titel brennt, dann legt er sich richtig ins Zeug. Genau das hat er hier gemacht. Ohne seine leidenschaftliche Empfehlung wäre diese literarische Perle aus mehreren Gründen wohl komplett an mir vorübergegangen. Weil ich von Katja Oskamp noch nie etwas gehört habe, weil mich unter Garantie der Untertitel „Geschichten einer Fußpflegerin“ abgeschreckt hätte, weil im Moment wieder so eine Flut an literarischen Neuvorstellungen auf jeden ambitionierten Leser einströmt, dass solche Titel einfach untergehen.

Also warum sollte man nun ein Buch lesen, über das nicht viel gesprochen wird, wenn es kurz vor der Herbstmesse in Frankfurt so viel andere, wichtigere und interessantere Bücher gibt? Weil „Marzahn – mon amour“ in meinen Augen eines der wenigen Bücher ist, die – ohne es zu wollen – wirklich zu Herzen gehen und selbst hartgesottene Menschen wie mich zum Weinen bringen. Weil es so übervoll mit Liebe, Respekt und Verständnis ist, dass bei der Lektüre etwas auf den Leser abfärbt und einen zufrieden und dankbar hinterlässt. Mich haben die kleinen Episoden über die ganzen alten Marzahner, die sich zu ihrem monatlichen Fußpflegetermin schleppen, zum Nachdenken gebracht. Menschen wie Herr Paulke, Frau Janusch oder Herr Pietsch, die alle ihre Macken, aber immer auch etwas Liebenswertes an sich haben. Ich sollte nicht immer so vorschnell urteilen, nicht immer nur die Fehler sehen. Einfach mal zuhören, ein paar Minuten Zeit schenken, mehr braucht es nicht, um die Menschen um einen herum ein klein wenig zufriedener und  – so pathetisch es auch klingen mag – die Welt ein Stückchen besser zu machen.

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Print:

Verlag: Hanser Berlin
144 Seiten, 16,00 €

Hörbuch:
tacheles! ROOF Music
Gesprochen von der Autorin
4 h, 06 min., 9,99 €
(Im Streaming Abo von Apple-Music)

 

 

 

Friedemann Karig – Dschungel

Wie ist das eigentlich, wenn Journalisten Romane schreiben? Was darf man da erwarten? Zumindest eine gut recherchierte Story, sollte man meinen. Oder das genaue Gegenteil. Ein kreatives Fingerspiel als Ausgleich zum nüchternen Redaktionsalltag. Fiktion statt Fakten. Und wie stehen die Bosse in den Redaktionen dazu – nach Relotius und Kummer? Ist man journalistisch verbrannt, wenn man mal einen Roman geschrieben hat?

Ich weiß nicht, wieviel am Debütroman des Journalisten Karig echt und wieviel letztendlich ausgedacht ist. Ist mir auch egal – was bringt es zu wissen, ob etwas vom Autor im Protagonisten steckt? Ob Karig jemals in Kambodscha war und ob es einen Felix in seinem Leben gab? Das Wissen darum macht ein schlechtes Buch nicht besser und ein gutes nicht schlechter. Es ist einfach nur das, was einem als erstes einfällt, wenn einem nichts einfällt, man aber trotzdem irgendetwas über ein Buch sagen will oder muss.

Das werde ich also nicht thematisieren, obwohl ich es jetzt eigentlich schon getan habe. Es wäre auch gar nicht nötig, denn zu diesem Buch fällt mir eine ganze Menge ein. Zunächst einmal sei gesagt, dass dieser Roman wirklich großartig ist. Lange schon hat mich kein Titel so sehr berührt, keine Story so gefesselt. Der Dschungel nimmt dich auf, umschließt alles und hält dich gefangen. Die Außenwelt ist irgendwo da draußen, etwas wohin du am Ende der Geschichte nur sehr ungern zurückkehren wirst.

Ich war nie in Kambodscha und ich werde da wahrscheinlich auch niemals hinreisen. Und doch kenne ich jetzt einen kleinen Teil davon. Den Flughafen von Phnom Penh, ein Backpacker-Hotel, eine namenlose Insel. Wer also wie ich gerne zu Hause bleibt und lieber vom heimischen Lesesofa aus in fremde Länder reist, für den ist dieses Buch genau richtig. Zusammen mit dem Ich-Erzähler war ich überall dort auf der Suche nach Felix. Einer verzweifelten Suche, die Nadel im Heuhaufen scheint dagegen einfach zu finden. Alles ist fremd und keiner weiß irgendetwas. Doch der Ich-Erzähler gibt nicht auf, folgt jeder Fährte, sucht und sucht und verliert sich dabei selbst. Das klingt jetzt ausgelutscht, wie so ein Postkarten-Sinnspruch, ist aber so. Wie sagte Lao Tse? ‚Wer stets ohne Begehren, wird das Geheimste schauen. Wer ständig hat Begehren, erblickt nur seinen Saum.‘

Das Begehren, den besten Freund irgendwo im Dschungel zu finden, ist in diesem Fall sehr ausgeprägt. Apropos Freundschaft. Wer es als Autor schafft, so ein Allerweltsthema, den Standardbezug handelnder Personen in ausnahmslos jedem Roman, so catchy, unverbraucht und plastisch darzustellen, der kann schon was. Es ist, als wenn man die beiden persönlich kennt. Den Draufgänger und seinen schüchternen Freund: extrovertiert, introvertiert. Dass der eine eigentlich todtraurig ist, so sein will, wie der andere, war für meinen Geschmack ein bisschen zu naheliegend und profan – aber auch nur ein bisschen.

Toll ist der Wechsel zwischen den Erzählebenen, der Suche nach Felix in Kambodscha und der Retrospektive, den Erinnerungen an die gemeinsame Jahre, die Entwicklung ihrer Freundschaft. Am Ende wird es beinahe manisch. Die Ebenen vermischen sich, und es gibt ein in meinen Augen sehr gelungenes Ende, das ich so nicht erwartet hätte. Was bleibt ist die Frage, an der man auch nach dem Buch noch lange zu kauen hat: Ist man ohne seine Erinnerungen ein glücklicherer Mensch? Sind die ganzen Erlebnisse, Bindungen, Freundschaften nur Ballast auf der Seele, von dem man sich befreien sollte?

Und überhaupt – toxische Freundschaft – wo hatten wir das zuletzt? Dass einer zieht und der andere gezogen wird? Einer äußerlich stark und mutig, der andere schüchtern und in sich gekehrt? Ein komplett gegensätzliches, aber sich perfekt ergänzendes Paar. Richtig: In Mareike Fallwickls dunkelgrün fast schwarzem Debütroman gab es das. Die Freundschaft zwischen Rafael und Moritz. Und noch eine Assoziation: die Hippie-Kommune auf der namenlosen Insel mit ihren Drogen-Ritualen, Aussteiger-Philosophien, alternativen Lebensentwürfe – das alles hat mich stark an T.C. Boyles letzten Roman „Das Licht“ erinnert.

Wer also Lust auf eine vielschichtige und perfekt komponierte Erzählung hat, die letzten Romane von Fallwickl und Boyle mochte und dazu noch gerne vom gemütlichen Lesesofa aus in fremde Länder reist, der muss unbedingt auch ‚Dschungel‘ von Friedemann Karig hören oder lesen.

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Foto: Gabriele Luger

Hörbuch:
Verlag: HörbucHHamburg HHV
Sprecher Fabian Busch
10 h, 28 min, 22,00 €

Print:
Verlag: Ullstein
384 Seiten, 22,00 €