Fünf Gründe, den neuen Houellebecq zu lesen — fünf Gründe dagegen

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Du musst ihn lesen:

1. Aus Respekt vor dem Hype.

Früher gab es das häufiger — eine riesige mediale Welle, wenn einer der ganz Großen einen neuen Roman herausgebracht hat. Ein neuer Irving, ein neuer Walser oder Hornby. Das war schon was. Alle sprachen darüber. Im Fernsehen, in den Zeitungen, am Arbeitsplatz. Das ist aber mehr als zehn Jahre her. Heute gelingt das nur noch einem einzigen Schriftsteller. Fragt euch mal, warum.

2. Weil er sich treu bleibt.

Ein häufig gelesener Kritikpunkt an Serotonin ist, dass es mal wieder ein typischer Houellebecq ist. Altbekannte Grundstimmung, ewig gleiches Gejammer. Wie langweilig, wie einfallslos. Kennst du einen, kennst du alle. Warum erfindet er sich nicht einfach mal neu? So wie Madonna es seit Jahren macht: aktuell mit Kim-Kardashian-Implantat. Oder Juli Zeh — mit immer wieder neuen Romanideen, die dann alle enttäuschen (außer mich). Nein, das macht er nicht. Houellebecq bleibt sich treu. Ich lese seine Bücher, weil ich sie gut finde. Und zwar genau so wie sie sind. Die Grundstimmung, das Gejammer. Nicht einfallslos und niemals langweilig.

3. Weil ihm alles egal ist.

Im literaturaffinen Netz und in den Buchläden herrscht ein gesellschaftspolitischer Konformismus. Houellebecqs Helden scheren sich dagegen einen Scheißdreck darum. Sie sind sexististisch, rassistisch und rechtskonservativ. Und das weder unabsichtlich noch verschämt, sondern grad so, wie es ihnen in den Sinn kommt und ohne Reue. Und der vornehmlich linksalternative Literaturbetrieb hat absolut kein Problem damit. Kein Aufschrei, keine Distanzierung, keine Ignoranz oder Verunglimpfung, sondern lebhafte Auseinandersetzung, ernsthafter Austausch und Diskussion. Das schafft nur Houellebecq.

4. Weil die Grenzen verschwimmen.

Es gilt als im höchsten Maße unprofessionell, einen Autor mit den fiktiven Charakteren seiner Romane gleichzusetzen. Doch bei Houellebecq machen das alle. Er entspricht auf so ideale Weise dem Bild, was man sich beim Lesen seiner Romane von den Protagonisten macht, dass es schier unmöglich scheint zu denken, dass der Autor in irgendeinem Punkt anderer Ansicht ist, als seine kettenrauchenden Helden. Das ist natürlich Kalkül und sorgt für eine angenehme Verwirrung beim Leser. Aus kopfschüttelndem Unverständnis sowie Ekel und Ablehnung beim Lesen entsteht so etwas wie Mitleid, Sorge und Sympathie für den Autor. Total strange.

5. Weil Serotonin ein richtig guter Roman ist.

Der Hype kommt nicht von ungefähr. Houellebecq ist und bleibt einer der weltweit besten Gegenwartsautoren. Er beherrscht sein Handwerk wie kein Zweiter. Idee, Plot-Aufbau, Charaktere, Umsetzung – alles ist immer stimmig und tadellos. Ich habe noch keinen Roman von ihm gelesen, der mich diesbezüglich enttäuscht hat. Und Serotonin ist einer seiner besten. Ein echtes Meisterwerk, ein Pageturner, ein Liebesroman der etwas anderen Art. Für mich schon jetzt der beste Roman des Jahres.

 

Du solltest ihn nicht lesen,

1. … wenn dich die obigen 5 Punkte nicht überzeugt haben.

2. … wenn du militanter Nichtraucher bist.

3. … wenn du Spaß daran hast, öffentlich zu bekunden, dass du nicht jeden Hype mitmachst.

4. …wenn du meinst, die spinnen sowieso alle, die Franzosen

5. … wenn du die 24 Euro für das Buch sparen willst, um dir stattdessen den neuen Roman von Takis Würger zu kaufen.

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Foto: Gabriele Luger

Worst of 2017

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Jetzt ist wieder die Zeit der Jahresrückblicke. Überall findet man Empfehlungslisten mit den Must-Reads des Jahres, persönlichen Highlights und Entdeckungen. Aber was sind eigentlich die schlechtesten Bücher des Jahres? Titel, von denen man lieber die Finger lassen sollte, die entweder unerträglich, unlesbar, ärgerlich oder aber so belanglos sind, dass man sie nach zwei Sekunden vergessen hat.

Hier eine Zusammenfassung meiner ganz persönlichen Dislikes des Jahres:

Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

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Dieses Buch war definitiv der Marketing-Hype des Jahres. Mit einer entsprechend hohen Erwartungshaltung bin ich in diesen Tausendseiter eingestiegen. Doch entgegen aller Marketing-Versprechen hat mich nichts sonderlich berührt oder gar aufgewühlt. Irgendwann habe ich die Geduld verloren und angefangen, nur noch quer zu lesen. Nichts an dieser Geschichte empfand ich richtig stimmig. Eine Männerwelt, die entweder nur brutal verletzend oder aber übertrieben liebevoll und mitfühlend ist. Nichts dazwischen, reine Schwarz-Weiß-Malerei.

Auch das typisch Amerikanische an der Geschichte hat mich genervt. Alle vier Freunde sind am Ende maximal erfolgreich und reich. Kein Mittelmaß, nein alles ganz tolle Superstars, die Stiftungen gründen und so. Und das Ende – ich will hier gar nicht spoilern – ist so was von kitschig, Tränendrüsen-melancholisch und Hollywoodtauglich, dass einem schlecht wird.

Éduard Louis – Im Herzen der Gewalt

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Und wo wir schon mal dabei sind, hier noch so ein gehyptes Buch über den Missbrauch unter Männern. In diesem Fall sogar mit autobiografischem Hintergrund. Ich finde solche persönlichen Geschichten ja immer etwas übergriffig. Da lässt einer die Hosen runter, erzählt schonungslos von einem schrecklichen Erlebnis, von Demütigung, Raub, Vergewaltigung, versuchtem Mord. Er beschreibt seine Todesangst, die Schmerzen, das Davor und das Danach, die Konsequenzen, die Rückblenden, die quälenden Gedanken und Erinnerungen. Für ihn ist danach nichts mehr so, wie es vorher war. Das alles schreibt er auf, macht sich nackig, lässt nichts aus, schont und schützt sich nicht.

Darf man so eine persönliche Beichte, einen Therapieroman überhaupt kritisieren? Den Aufbau, die Lesestimmung, die Dramaturgie? Ist es legitim, dem Autor vorzuwerfen, dass die vielen Erzählperspektiven sich nicht stimmig zusammenfügen? Dass man es übertrieben, langatmig, aufgeblasen, nervtötend, kalkuliert und in höchstem Maße übergriffig findet? Darf man sich überhaupt ein Urteil erlauben, wenn man selber nichts vergleichbar Schreckliches erlebt hat? Ich finde ja – das darf man.

Tijan Sila – Tierchen Unlimited

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„Was war das denn?“, fragte ich mich nach der Lektüre und konnte gar nicht glauben, dass so ein dünnes Geschichtchen bei einem namhaften Verlag wie KiWi eine Chance bekommen hat. Dabei zieht Tijan Sila mit seinem Debütroman thematisch alle Register. Es geht um Krieg, Flucht, Integration und Rechtsradikalität. Themen, die aktuell, interessant und durchaus erzählenswert sind.Doch sie werden nur gestreift und kollidieren mit dem augenscheinlichen Anspruch des Autors, daraus ein cooles Stück Popliteratur zu schaffen.

Einige Szenen könnten aus dem Drehbuch des neuen Til Schweiger Films sein, andere erinnern in ihrer locker, flockigen Art an die frühen Sketche von Didi Hallervorden. Mich hat der Roman aufgrund dieser Flapsigkeit nicht überzeugt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Fans von Tschick und Auerhaus daran Gefallen finden. Auch bei diesen Romanen habe ich nie verstanden, wie man sich so dafür begeistern kann. Vielleicht passe ich auch einfach nicht zur Zielgruppe und bin mittlerweile zu alt für Popliteratur. Vielleicht aber auch nicht, und „Tierchen Unlimited“ ist einfach nichts weiter als ein belangloses Geschichtchen.

Jan Schomburg – Das Licht und die Geräusche

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Schomburg erzählt die Geschichte von Jugendlichen, die zur Schule gehen, abends Party machen, auf Klassenfahrt nach Barcelona fahren, andere Schüler mobben, sich verlieben und das Leben infrage stellen, bevor es überhaupt angefangen hat. Ein klassischer Coming-of-Age-Roman also – mit einer jugendlichen Erzählstimme, ein paar interessanten Zeitsprüngen und ein wenig Drama und Erotik.

Für ein Jugendbuch ganz ok, aber als literarisches Werk für ältere Generationen funktioniert das nur, wenn da noch ein wenig mehr passiert: eine andere Ebene, Platz für Assoziationen, Bezüge, sprachliche Feinheiten — irgendwas in der Art. Doch nichts davon. Stattdessen lauscht man diesem typischen Jungmädchenton, der immer irgendwas Wütendes und Vorwurfsvolles an sich hat. Zunächst fand ich das ganz reizvoll, aber irgendwann nicht mehr. Dann fehlte mir auf einmal alles.

Stephan Lohse – Ein fauler Gott

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Was versprechen sich Menschen eigentlich davon, ein Buch zu schreiben? Wenn man wirklich etwas zu erzählen hat – irgendetwas Originelles, bisher noch nicht Dagewesenes, meinetwegen auch Witziges – wenn man seit Jahren schon mit der ultimativen Idee für einen Roman schwanger geht oder aber wirklich gut schreiben kann, einen eigenen, ganz besonderen Erzählstil hat, dann, ja dann kann ich verstehen, dass man unbedingt einen Roman schreiben will. Weshalb Stephan Lohse das getan hat, verstehe ich nicht.

Damit will ich nicht sagen, dass dieser Roman jetzt grottenschlecht ist, die Geschichte überhaupt nicht erzählenswert und sprachlich komplett daneben. Aber leider ist „Der faule Gott“ auch nicht richtig gut oder besonders bemerkenswert. Eben nur ganz ok; literarische Durchschnittsware, kann man lesen, muss man aber nicht.

José Eduardo Agualusa – Eine allgemeine Theorie des Vergessens

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Ich habe seit jeher ein Problem mit Literatur aus Spanien, Portugal oder Lateinamerika. Vielleicht ändert sich das ja irgendwann mal – so meine Hoffnung – wenn ich endlich mal ein wirklich gutes Buch aus einem dieser Länder gelesen habe. Eines, das sich nicht wie ein Märchen für Erwachsene anhört. Eine Geschichte, die keine Allegorie für irgendetwas sein will, nicht gefühlsüberladen oder kitschig-sentimental.

Leider war auch dieser Roman keine Ausnahme, obwohl der Titel „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ und die Story vielversprechend klangen. Da mauert sich eine Frau am Vorabend der angolanischen Revolution im Penthouse eines Hochhauses ein und lebt dort dreißig Jahre unentdeckt. Doch Agualusa kann sich leider nicht darauf beschränken, nur die Geschichte seiner Hauptfigur zu erzählen. Nein, er lässt noch eine ganze Reihe holzschnittartig gezeichneter Figuren auftauchen, die alle entweder gut oder böse, bettelarm oder steinreich sind. Und natürlich darf in der kitschig-schwülstigen Welt auch eine große Bibliothek mit mehreren tausend Büchern nicht fehlen. Märchen für Erwachsene.

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Disclaimer: Es gibt zahlreiche Blogger und Journalisten, die eine ganz andere Meinung zu den Büchern auf dieser Liste haben. Einige fanden die genannten Titel sogar richtig gut. Und vollkommen schlecht sind sie auch nicht. Immerhin habe ich sie komplett gelesen und damit sind sie immer noch besser als die Bücher, die ich bereits nach wenigen Seiten enttäuscht, entsetzt, augenrollend oder genervt abgebrochen habe und die hier noch nicht mal genannt werden.
P.S.: Ich habe in diesem Jahr auch viele gute Bücher gelesen. Die Liste mit den „Best of 2017“ findet man auf der Buchrevier-Startseite in der rechten Spalte (Desktop-Ansicht).

Die zehn Gebote des Bloggens

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1. Gebot: Du sollst nicht langweilen

Als Leser kannst du alles sein: der einsame Held, der feurige Liebhaber, eine Frau, ein Mann, mutig, verzweifelt, arm oder reich. Alles, worauf du Lust hast. Trau dich, schlüpf in diese und jene Rolle und schreib auf, wie es sich anfühlt. Nimm uns mit auf deine Reise durchs Buch, lass uns teilhaben und mitfiebern. Aber bitte enttäusche uns nicht. Verschone uns mit ausufernden Inhaltsangaben, unwichtigen Details, Allgemeinplätzen, Bonmots und Geschwätzigkeiten. Als Leser kannst du ungestraft alles sein. Als Blogger auch, nur eben nicht langweilig.

2. Gebot: Du sollst nicht deines Nächsten Stil imitieren

Wer bist du eigentlich? Was macht dich aus? Wie sehen dich die anderen? Was haben sie für ein Bild von dir? Von dir und deinem Blog? Ja, genau, dein Blog. Denn das, was da steht, bist du. Eigentlich ziemlich einfache Fragen und doch so schwer. Man kann 1000 Beiträge schreiben und seinen Stil immer noch nicht gefunden haben. Das ist ok, solange man nicht den Fehler macht, den eines anderen zu imitieren. Hol dir Anregungen, lass dich inspirieren, aber mach dann dein eigenes Ding daraus. Sei ein Original und keine Kopie.

3. Gebot: Du sollst nicht unprofessionell sein

„Was sagt man“, fragt die Mutter im strengen Ton, wenn das Kind beim Metzger eine Scheibe Schinkenwurst über den Tresen gereicht bekommt? Wir alle haben gelernt, uns in solchen Fällen artig zu bedanken. Das ist auch richtig so. Doch jeder weiß, der Metzger macht das nicht, weil er so freundlich ist. Er hat Hintergedanken, er ist ein Profi. Genauso wie Verlage. Ihre Scheibe Wurst ist das Rezensionsexemplar. All die Jahre waren sie verschlossen, haben Blogger nicht beachtet. Jetzt sind sie auf einmal nett, schleimen rum und bieten einem ihre schmierigen Schwarten an. Doch auch sie machen das nicht, weil sie so freundlich sind. Sie haben Hintergedanken, sie sind Profis. Sei auch du ein Profi und nicht in falscher Dankbarkeit gefangen. Spei ihnen die Wurst vor die Füße, wenn sie dir nicht schmeckt.

4. Gebot: Du sollst nicht klüger scheinen wollen als du bist

Mit Büchern kann man gut was hermachen. Brille, Buch und ein konzentrierter Blick. Ein paar Dinge hinterfragen, zur richtigen Zeit ein paar Namen fallen lassen – Derrida, Bourdieu, Habermas – fertig ist der Salon-Intellektuelle. Und so eine prall gefüllte Bücherwand tut ihr Übriges dazu. Doch hinter einem aufgeklappten Buch steckt nicht zwangsläufig immer auch ein kluger Kopf. Und nichts ist peinlicher, als mit Wissen zu prahlen, dem man nicht gewachsen ist. Das Fatale daran ist, du merkst es selber nicht. Aber alle anderen merken es.

5. Gebot: Du sollst keinen anderen Blog neben diesem haben

Buddhisten machen es, große Konzerne auch, und der gemeine Blogger wäre gut beraten, es ebenfalls zu tun. Was genau? Ganz einfach. Sich fokussieren, aufs Kerngeschäft konzentrieren, ein Ziel ins Auge fassen und darauf hinarbeiten. Nicht zwei Ziele und zwei Wege. Ein Ziel und ein Weg! Die Kräfte nicht aufteilen, sondern bündeln. Für sich ganz klar sein, alles geben. Keine Staus. Keine Termine. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse. Kein anderer Blog.

 6. Gebot: Du sollst stets das schreiben, was du selbst gern lesen würdest

Lies nochmal durch, was du gerade geschrieben hast. Gefällt es dir? Hat es was? Ist da ein Sound, eine zweite Ebene? Hat es was von dir? Kommt die Botschaft rüber? Versteht man es auch, wenn man nicht – so wie du jetzt gerade – besoffen ist? Und ganz wichtig: Kommt das Buch, über das du eigentlich schreiben wolltest am Ende auch nicht zu kurz? Sei nicht zufrieden, wenn du nicht mindestens fünfmal Ja und am Ende einmal Nein sagen kannst. Mach dir noch ein Bier auf, geh noch mal ran, mach es rund. Und dann lies nochmal durch, was du gerade geschrieben hast. Gefällt es dir? Hat es was? Ist da ein Sound, eine zweite Ebene?

7. Gebot: Du sollst stets das lesen, worüber du gern schreiben würdest

Jeder, der schon mal Tischtennis, Tennis oder meinetwegen auch Badminton gespielt hat, kennt diesen Effekt. Man kann ein noch so guter Spieler sein; hat man einen schlecht spielenden Gegner, spielt man automatisch auch schlecht. Genauso kann es einem beim Schreiben über ein schlechtes Buch ergehen. Oftmals ist die Rezension genauso bescheiden wie das Buch. Wie soll es auch anders sein? Auf einen laschen Aufschlag folgt ein ebensolcher Return. Ganz anders bei stärkeren oder ebenbürtigen Gegnern. Sprachmächtige Romane lassen auch den Rezensenten seine Worte mit Bedacht wählen, inspirierte Texte inspirieren, und ein kluger Plot ist die halbe Miete für einen ebensolchen Blogbeitrag.

8. Gebot: Du sollst dich nicht von der Blogstatistik leiten lassen

Natürlich weißt du mit der Zeit Bescheid, kennst die Mechanismen von Stimulus und Response. It’s just a jump to the left and then a step to the right. Und tatsächlich ist die Versuchung groß, was gut läuft, immer wieder genauso zu machen. Warum soll das nicht noch einmal funktionieren? Und siehe da, es funktioniert. Wieder der gleiche Effekt. Und noch einmal, nur ein wenig anders. Dann immer wieder – ein paar kennen es ja noch nicht ­ und es funktioniert tatsächlich jedes mal aufs Neue. Langsam verlierst du den Respekt vor deinem Publikum. Und noch schlimmer, es fängt an, dich zu langweilen. Höchste Zeit, mal wieder was Neues auszuprobieren. Try to put your hands on you hips, but don’t do the Time Warp again.

9. Gebot: Du sollst nicht den Spaß am Bloggen verlieren

Wir haben es gerade gelesen. Man kann beim Bloggen so viel falsch machen. Entweder langweilt man seine Leser mit uninspirierten Texten zu Tode oder macht sich als Pseudo-Intellektueller zum totalen Depp und merkt es noch nicht einmal. Und trotzdem – jeden verdammten neuen Tag stehen wieder knapp tausend Buchblogger auf, putzen sich die Zähne und stellen einen neuen Beitrag ins Netz. Und keiner davon ist so schlecht, dass er nicht von irgendwoher wenigstens ein paar Likes bekommt. Das ist das Schöne an der ganzen Geschichte: Das Netz ist groß und geduldig, da können wir alle sein, uns ausprobieren und jeder auf seine Art seinen Spaß haben.

10. Gebot: Du sollst dich nicht von den Geboten anderer leiten lassen

Wer bist du denn, dass du dir von anderen sagen lässt, was du zu tun oder zu lassen hast? Erst recht bei deinem liebsten Hobby, dem Bloggen. Also, wenn du willst, vergiss das alles hier. Brich die Gebote und stelle deine eigenen Regeln auf. Sei ein Original und keine Kopie.

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Foto: Gabriele Luger

Blogger-Relations: Die zehn besten Verlage

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Im PR-Bereich gibt es das schon lange: Journalisten bewerten die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen und Verbänden und heraus kommt jedes Jahr ein Ranking mit den besten Presseabteilungen Deutschlands. Warum, so dachte ich mir, sollte man das eigentlich nicht auch mal für die Blogger- oder Influencer Relations der Verlage machen? Welcher Verlag hat hier die Nase vorn, kommuniziert und arbeitet am professionellsten mit Bloggern zusammen?

Wenn ich das jetzt mache, ist das natürlich keine repräsentative Studie, sondern zunächst einmal nur meine ganz persönliche Wertung. Und da so eine Bewertung nach Bauchgefühl überhaupt nichts bringt, habe ich mir halbwegs objektive Bewertungskriterien überlegt. Was ist wichtig in der Zusammenarbeit zwischen Blogger und Verlag? Wann fühlt man sich gut betreut und ernst genommen? Welche Angebote, Veranstaltungen helfen einem weiter? Mit welchen Verlagen macht die Zusammenarbeit Spaß und wo hakt es immer wieder?

Ich mache jetzt mal den Anfang, stelle die Kriterien vor und bewerte danach meine bestehenden Verlagskontakte. Vielleicht schließen sich ja andere Blogger an, bewerten ihre Kontakte ebenfalls wir machen daraus irgendwann mal ein valides Ranking.

Blogger-Relations ist Beziehungsmanagement, und das wichtigste Kriterium ist daher der persönliche Kontakt. Ein mir namentlich bekannter Ansprechpartner ist die Grundvoraussetzung für alles Weitere. Jeder Blogger will wissen, wen er ansprechen kann, wenn er mal eine Frage hat, ein Interview mit einem Autor führen möchte oder ein Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen will. Das klingt selbstverständlich – ist aber nicht bei allen Verlagen gegeben.

Entscheidend ist auch das WIE der Kommunikation. Gibt es eine persönliche Ebene, wird man individuell angesprochen oder ist man nur eine Adresse im Mail-Verteiler? Wichtig ist mir persönlich auch – Achtung jetzt kommt ein Buzz-Word – eine gewisse Achtsamkeit. Darunter verstehe ich, dass der Ansprechpartner im Verlag meinen Blog nicht nur kennt, sondern die Beiträge auch liest (oder mir zumindest das Gefühl gibt, es zu tun). Im besten Fall nicht nur die Rezensionen, die seinen Verlag betreffen. Wichtig ist auch, dass der Blogger-Relations-Manager auch selber im Netz unterwegs ist, die Diskussionen verfolgt; weiß, was uns Blogger gerade bewegt, ärgert, fasziniert.

Und dann ist natürlich auch die Position des Ansprechpartners im Verlag für die Zusammenarbeit entscheidend. Das weiß ich natürlich nicht im Detail von jedem und kann es dann auch nicht bewerten. Aber wichtig ist das schon. Hat er oder sie Entscheidungsbefugnis und verfügt im besten Fall auch über einen eigenen Etat? Besteht bei dem Verlag die Bereitschaft, mit dem Blogger mal über Gewinnspiele, Leseraktionen, Sponsored Posts oder Werbebanner nachzudenken? Und abschließend die Frage, ob Blogger auch zu allgemeinen Verlagsveranstaltungen eingeladen werden oder aber interessante Veranstaltungen für Blogger außerhalb der Messen organisiert werden, vielleicht sogar auch mal zusammen mit der Presse.

Nach diesen Kriterien habe ich alle Verlage, mit denen ich Kontakt habe, bzw. deren Programm mich interessiert, bewertet. Für jeden zutreffenden Aspekt, gab es einen Punkt. Hier das Ergebnis:

 

  1. Suhrkamp: 16 Punkte
  2. Frankfurter Verlagsanstalt: 14 Punkte
  3. Ullstein: 13 Punkte
  4. Diogenes: 12 Punkte
  5. Hanser: 11 Punkte
  6. Klett-Cotta: 11 Punkte
  7. Kiepenheuer & Witsch: 10 Punkte
  8. DVA: 10 Punkte
  9. Rowohlt: 9 Punkte
  10. Aufbau: 9 Punkte

 

Disclaimer:
Dieses Ranking basiert auf einer rein subjektiven Einschätzung und Bewertung nach den aufgezeigten Kriterien. Wie genau sich die Bewertungspunkte zusammensetzen, kann in der unten stehenden Tabelle eingesehen werden. Bewertet wurden nur die Verlage, zu denen Kontakt besteht, bzw. deren Verlagsprogramm für Buchrevier relevant ist. Der Subjektivität des Autors ist es geschuldet, wenn einige Punkte nicht erfasst oder falsch bewertet wurden. Allgemeine Aussagen über die Qualität und Leistung der Arbeit von Verlagsmitarbeitern sind daher nicht zulässig. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 😉

Auswertung im Detail:

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Titelfoto: Gabriele Luger

 

 

5 Tipps für mehr Lesezeit im Urlaub

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Sie wollen im Urlaub viele Bücher lesen? Dann sollten sie unbedingt folgende Punkte beachten.

1. Bereits zu Hause starten

Es empfiehlt sich, nicht erst am Ferienort mit der Urlaubslektüre zu starten. Der letzte Arbeitstag sollte immer auch der erste Urlaubslesetag sein. Bitten Sie doch einfach Ihren Partner, wenn er schon dabei ist, den Koffer doch auch gleich für Sie mit zu packen. So entspannen Sie von Anfang an und starten mit dem guten Gefühl, schon ein gutes Stück des vorgenommenen Lesepensum geschafft zu haben. Gewonnene Lesezeit: bis zu acht Stunden.

2. Das richtige Reiseziel

Wer im Urlaub viel Lesen will, sollte nicht in die Berge fahren, keinen Aktivurlaub und keine Städtetour unternehmen. Je weniger es zu entdecken gibt, desto besser. Sonne, Meer und eine karge, steinige Landschaft bieten ideale Voraussetzungen für einen geruhsamen Leseurlaub. Noch besser ist es, wenn das Wetter unbeständig ist, es idealerweise viel regnet und man gezwungen ist, den ganzen Tag im Hotel oder Appartement zu verbringen. Beste Bedingungen bieten hierfür Reiseziele an der Nord- und Ostsee in der Vor- und Nachsaison. Achten Sie auch darauf, dass Sie sich nicht selbst verpflegen müssen. Denn man glaubt gar nicht, wieviel Zeit fürs Einkaufen, Kochen und Abwaschen draufgeht. Gewonnene Lesezeit: ca. 20 Stunden.

 3. Anreise genau planen

Reisen Sie auf keinen Fall mit dem Auto, Motorrad oder Wohnmobil, denn wer selber steuert, kann nicht lesen. Wenn sie fliegen, fliegen sie nachts. Wenn das nicht geht, reservieren Sie sich einen Gang- oder Mittelplatz, dann droht keine Ablenkungen durch einen Blick aus dem Fenster. Seien Sie nicht erst zwei Stunden vor Abflug, sondern bereits drei oder vier Stunden vor dem Boarding am Gate. Wenn sich dann der Start noch um zwei Stunden verzögert, haben Sie gute Chancen, die erste Reiselektüre noch vor Ankunft am Urlaubsort ausgelesen zu haben. Prüfen Sie, ob der Urlaubsort nicht auch per Zug, Bus oder noch besser per Schiff erreichen ist. Gewonnene Lesezeit: bis zu 30 Stunden und mehr.

 4. Der richtige Reisepartner

Wieviel sie im Urlaub letztendlich lesen können, hängt ganz entscheidend davon ab, mit wem sie verreisen. Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Reisepartner ist aber oftmals sehr eingeschränkt und meist alternativlos. Wer einen festen Partner hat, verreist in der Regel mit ihm. Langjährige Partnerschaften sind hier zu bevorzugen. Je weniger geredet wird, desto mehr Zeit bleibt für die Lektüre. Mit einer neuen, erst wenige Monate andauernden Beziehung in den Urlaub zu fahren, ist dagegen nicht so ratsam. Da kann alles mögliche passieren, nur gelesen wird in diesen Fällen eher weniger. Genauso wenig empfiehlt es sich, mit einem befreundeten Ehepaar oder Familie zu verreisen. Ständig sitzt man dann zusammen, erzählt, unternimmt zwanghaft irgendetwas. Wer also Wert darauf legt, bereits am Frühstückstisch ungestört zu lesen, fährt am besten alleine in den Urlaub. Single-Reisen sind die ultimativen Lesereisen. Gewonnene Lesezeit: bis zu 400 Stunden.

 5. Nervfaktor Kinder

Kinder sind ja schon daheim die größten Lektüreverhinderer. Ständig wird irgendetwas gefragt, andauernd ist ihnen langweilig, immer wieder weigern sie sich, einfach mal ein paar Stunden so zu tun, als wären sie gar nicht da. Im Urlaub können sie mit ihrer unselbständigen Vergnügungssucht die zur Verfügung stehende Lesezeit der Eltern auf Null reduzieren. Daher gilt: Wer im Urlaub viel lesen will, sollte ohne Kinder verreisen. Wenn das nicht geht, bleibt nur der Ausweg eines All-Inklusive-Resorts mit einer rund um die Uhr Kinderbespaßung. Auf keinen Fall sollte man im Urlaub den Versuch wagen, dem computerspielsüchtigen Nachwuchs eine digitale Auszeit zu verordnen, um ihn für das analoge Medium Buch zu begeistern. Stattdessen gehören die Playstation, ein Stapel neue Ballerspiele und ein Set Kopfhörer unbedingt in jeden Familienreisekoffer. Gewonnene Lesezeit: ca. 50-80 Stunden.

Wenn Sie diese fünf Tipps beachten, können Sie das Maximum an Lesezeit aus Ihrem Urlaub herausholen. Ach ja, das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen: Reservieren Sie sich möglichst früh am Morgen mit einem Handtuch Ihre persönliche Leseliege am Pool.

Buchrevier wünscht einen schönen Urlaub.

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Foto: Gabriele Luger

7 Dinge, die ich durch den Blogbuster-Preis gelernt habe

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Das eigene Buch.
Es scheint immer noch ein Traum zu sein. Schöner noch als einen Baum zu pflanzen oder ein Haus zu bauen. Doch was bringt es einem? Es hat kein Dach und spendet keinen Schatten, kostet Arbeit und viel Zeit. Trotzdem sitzen jeden Abend tausende Menschen allein am Schreibtisch und schreiben. Und hoffen.

Es gibt kein gültiges Maß für Literatur.
Fünf Menschen in der Jury, fünf Meinungen zu ein und demselben Buch. Von grandios über belanglos bis komplett indiskutabel reicht die Spanne. Alles ist möglich und begründbar. Ist der Literaturbetrieb also doch total subjektiv?

Lesen kann harte Arbeit sein.
Wenn sich 14 Bücher stapeln und man zum Stichtag ein Urteil fällen muss. Wenn nicht alles gut geschrieben ist; wenn da noch ein anderes Leben ist und die Augen irgendwann den Schleier zuziehen. Aber dann kommt die eine Geschichte und man ist auf einmal wieder hellwach. Welche Anstrengung, welche Arbeit?

Die Zielgruppe schlägt zurück.
Das Internet hat uns die Tore geöffnet, und wir Leser erobern den Betrieb. Wir sagen unsere Meinung, nehmen Einfluss. Es ändert sich gerade alles. Nicht so schnell wie erhofft, aber doch stetig. Blogbuster hat gezeigt, dass wir es können und dass noch vieles möglich ist.

Unternehmer unternehmen etwas.
Verlage brauchen Unternehmertum.  Persönlichkeiten, die etwas etwas wagen und mutig sind, die sich begeistern lassen und andere begeistern können. Die auch Wege gehen, die nicht asphaltiert sein müssen. Die den Menschen ins Gesicht schauen und Vertrauen haben. Ohne Benchmark, ohne Referenz – einfach so.

Online ist unsere Homebase.
Das Netz ist voll mit Blogbuster, doch in den Zeitungen steht nichts davon. Und trotzdem hatten wir jede Menge Aufmerksamkeit. Wir haben das Ding durchgezogen, haben gezeigt, dass es klappt, auch ohne das Feuilleton. Bevor die alten Männer die Meldung aus dem Fax gezogen haben, hatten wir die Story schon tausendfach verbreitet.

Blogger sind Familie.
Wir sitzen die meiste Zeit allein in unseren Zimmern. Wir lesen, schreiben und schauen auf unsere Handys. Wir begegnen uns in virtuellen Gruppen, empfehlen Plugins und Ansprechpartner, liken unsere Beiträge und sind uns gegenseitig das treueste Publikum. Und doch zieht jeder sein eigenes Ding durch, versucht sich abzugrenzen, eine etwas andere Sicht auf das gleiche Buch zu bieten. Und trotz aller Unterschiede sind wir ein Projekt, halten zusammen, bewegen das Netz.

5 Wahrheiten über den Literaturbetrieb

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…, die man in David Foenkinos Roman ‚Das geheime Leben des Monsieur Pick‘ findet.

Der französische Bestseller-Autor David Foenkinos hat einen sehr unterhaltsamen Roman über ein geheimnisvolles Buchmanuskript geschrieben, das aufgrund der Umstände seiner Entdeckung zum internationalen Bestseller wird. Eine schöne Geschichte, die viele Wahrheiten über das Lesen, Schreiben und den Literaturbetrieb offenbart. Ich habe mal ein paar herausgepickt.

 

1) Wer nicht liest, kann auch nicht schreiben.

Foenkinos-Zitat Seite 64: “ ‚Hat er gern gelesen?‘ ….. ‚Henri? Gelesen?“ antwortete sie lächelnd. ‚Nein, ich hab ihn nie mit einem Buch in der Hand gesehen. Außer dem Fernsehprogramm hat er nie etwas gelesen.'“

Dass der mutmaßliche Bestsellerautor in Foenkinos Geschichte niemals etwas gelesen hat, führt zu ernsthaften Zweifeln an dessen Urheberschaft. Zu Recht – wer taub ist, kann nur selten gut singen und wer nicht liest, kann in der Regel auch nicht schreiben. Zumindest nicht gut. Es geht dabei nicht um literarische Vorbilder, es geht um eine ungefähre Ahnung, was mit Sprache überhaupt machbar ist. Wie Gedanken klingen könnten, wie man einen roten Faden durch eine Geschichte webt, Zugänge zu anderen Ebenen schafft. Sprich – wie man einen richtig guten Roman schreibt. Das kann man nur, wenn man schon mal einen gelesen hat. Wenigstens einen.

2) Erfolgreiche Bücher brauchen einen Aufhänger

Foenkinos-Zitat Seite 130: „Der Text an sich zählt überhaupt nicht mehr. Man braucht nur noch einen einzigen guten Gedanken herauszustellen. Einen Gedanken, der die Diskussion schürt.“

Eigentlich ist es so einfach, ein erfolgreiches Buch zu schreiben. Man muss im Prinzip nur einen guten Aufhänger finden. Und dafür geht man am besten in den Buchladen und schaut, wie Bücher verkauft werden. Da wird nicht lang und breit eine Geschichte erzählt, da wird verschlagwortet: ‚Dieses Buch ist ganz aktuell, behandelt die Flüchtlingsproblematik, dies hier ist sehr bewegend, da wird ein Kind jahrelang brutal misshandelt, hier ist der Vater ein Hochstapler, hier kloppen sich Hooligans aus Hannover, hier leidet ein Autor an bipolaren Störungen und hier findet eine junge Lektorin ein geheimnisvolles Romanmanuskript‘. Schnelle Empfehlung, schneller Verkaufserfolg, schnell wieder vergessen.

3) Ein Flop ist schlimmer als jahrelange Ablehnung

Foenkinos-Zitat Seite 33: „..es gibt Schlimmeres als das Leid, nicht veröffentlichen zu können: das Leid, überhaupt nicht wahrgenommen zu werden. Nach ein paar Tagen verschwinden die Titel wieder aus den Regalen und man rennt verzweifelt von einer Buchhandlung zur anderen, auf der Suche nach einem Belegexemplar der eigenen Existenz.“

Ja, lieber ein Leben lang von sämtlichen Verlagen abgelehnt werden, als mit dem Debüt sang- und klanglos untergehen. Im ersten Fall kann man die Schuld auf die Unfähigkeit der Verlage oder das System schieben und behält immer noch ein Fünkchen Hoffnung, es vielleicht eines Tages doch noch zu schaffen. Im zweiten Fall weiß man, dass man komplett gescheitert ist, dass letztlich niemanden wirklich interessiert, was man da geschrieben hat, dass all die Verlage recht hatten, als sie das Manuskript ablehnten, dass der Verlag, der es letztlich angenommen hat, sich jetzt wahrscheinlich über seinen Fehler wahnsinnig ärgert und schon überlegt, wie er dich schnell wieder loswerden kann. Vernünftig wäre, mit dem Schreiben einfach aufzuhören, doch die meisten Autoren sind scheinbar Masochisten und tun sich die Demütigung immer wieder und wieder an.

4) Gutes Marketing verkauft auch schlechte Bücher

Foenkinos-Zitat Seite 155/156: „Der Erste, der auf die Idee kam, das Scheitern als Marketinginstrument einzusetzen, war Richard Ducousset…Einige Wochen später erschien das Buch mit folgendem Werbespruch: ‚Von 32 Verlagen abgelehnt.‘ …es gingen mehr als 20.000 Exemplare über den Tisch.

Manchmal frage ich mich, wer legt eigentlich fest, was ein gutes Buch ist? Schaut man sich Diskussionen im Feuilleton an, sieht man, dass auch die Experten sich nur selten einig sind. Ein und dasselbe Buch wird von dem Einen als Meisterwerk und vom Anderen als absoluter Schund betitelt. Das macht den Reiz von Literatursendungen im Fernsehen aus, die Sache aber auch irgendwie beliebig. Wo ist der Maßstab, was ist Qualität? Gut ist, was gefällt. Was andere, die diesen Titel gelesen haben, als nächstes gekauft haben, was auf der Bestseller-Liste steht, einen Preis gewonnen, was der Buchhändler ins Schaufenster legt. Und nicht selten stellt man dann beim Lesen fest, die schlechtesten Bücher haben oftmals das beste Marketing.

5) Es gibt mehr Schriftsteller als Leser

Foenkinos-Zitat Seite 158: „Eine Umfrage der Zeitung Le Parisienne ergab, dass jeder dritte Franzose schrieb oder vom Schreiben träumte. …Man muss sagen, dass es heutzutage eigentlich mehr Schriftsteller als Leser gibt“

Meine Rede seit vielen Jahren. Ordentlich, tüchtig oder fleißig zählt heute nicht mehr. Stattdessen wäre jeder gerne irgendwie begabt und kreativ. Und wenn schon nicht selber, dann zumindest der Nachwuchs. Jedes zweite Kind ist mittlerweile hochbegabt oder künstlerisch besonders talentiert. Das heisst, da kommen in Zukunft noch jede Menge neue Schreiberlinge auf uns zu, die alle noch nie ein Buch gelesen haben, aber unbedingt eins schreiben wollen. Hilfe!

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Foto: Gabriele Luger