Die zehn Gebote des Bloggens

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1. Gebot: Du sollst nicht langweilen

Als Leser kannst du alles sein: der einsame Held, der feurige Liebhaber, eine Frau, ein Mann, mutig, verzweifelt, arm oder reich. Alles, worauf du Lust hast. Trau dich, schlüpf in diese und jene Rolle und schreib auf, wie es sich anfühlt. Nimm uns mit auf deine Reise durchs Buch, lass uns teilhaben und mitfiebern. Aber bitte enttäusche uns nicht. Verschone uns mit ausufernden Inhaltsangaben, unwichtigen Details, Allgemeinplätzen, Bonmots und Geschwätzigkeiten. Als Leser kannst du ungestraft alles sein. Als Blogger auch, nur eben nicht langweilig.

2. Gebot: Du sollst nicht deines Nächsten Stil imitieren

Wer bist du eigentlich? Was macht dich aus? Wie sehen dich die anderen? Was haben sie für ein Bild von dir? Von dir und deinem Blog? Ja, genau, dein Blog. Denn das, was da steht, bist du. Eigentlich ziemlich einfache Fragen und doch so schwer. Man kann 1000 Beiträge schreiben und seinen Stil immer noch nicht gefunden haben. Das ist ok, solange man nicht den Fehler macht, den eines anderen zu imitieren. Hol dir Anregungen, lass dich inspirieren, aber mach dann dein eigenes Ding daraus. Sei ein Original und keine Kopie.

3. Gebot: Du sollst nicht unprofessionell sein

„Was sagt man“, fragt die Mutter im strengen Ton, wenn das Kind beim Metzger eine Scheibe Schinkenwurst über den Tresen gereicht bekommt? Wir alle haben gelernt, uns in solchen Fällen artig zu bedanken. Das ist auch richtig so. Doch jeder weiß, der Metzger macht das nicht, weil er so freundlich ist. Er hat Hintergedanken, er ist ein Profi. Genauso wie Verlage. Ihre Scheibe Wurst ist das Rezensionsexemplar. All die Jahre waren sie verschlossen, haben Blogger nicht beachtet. Jetzt sind sie auf einmal nett, schleimen rum und bieten einem ihre schmierigen Schwarten an. Doch auch sie machen das nicht, weil sie so freundlich sind. Sie haben Hintergedanken, sie sind Profis. Sei auch du ein Profi und nicht in falscher Dankbarkeit gefangen. Spei ihnen die Wurst vor die Füße, wenn sie dir nicht schmeckt.

4. Gebot: Du sollst nicht klüger scheinen wollen als du bist

Mit Büchern kann man gut was hermachen. Brille, Buch und ein konzentrierter Blick. Ein paar Dinge hinterfragen, zur richtigen Zeit ein paar Namen fallen lassen – Derrida, Bourdieu, Habermas – fertig ist der Salon-Intellektuelle. Und so eine prall gefüllte Bücherwand tut ihr Übriges dazu. Doch hinter einem aufgeklappten Buch steckt nicht zwangsläufig immer auch ein kluger Kopf. Und nichts ist peinlicher, als mit Wissen zu prahlen, dem man nicht gewachsen ist. Das Fatale daran ist, du merkst es selber nicht. Aber alle anderen merken es.

5. Gebot: Du sollst keinen anderen Blog neben diesem haben

Buddhisten machen es, große Konzerne auch, und der gemeine Blogger wäre gut beraten, es ebenfalls zu tun. Was genau? Ganz einfach. Sich fokussieren, aufs Kerngeschäft konzentrieren, ein Ziel ins Auge fassen und darauf hinarbeiten. Nicht zwei Ziele und zwei Wege. Ein Ziel und ein Weg! Die Kräfte nicht aufteilen, sondern bündeln. Für sich ganz klar sein, alles geben. Keine Staus. Keine Termine. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse. Kein anderer Blog.

 6. Gebot: Du sollst stets das schreiben, was du selbst gern lesen würdest

Lies nochmal durch, was du gerade geschrieben hast. Gefällt es dir? Hat es was? Ist da ein Sound, eine zweite Ebene? Hat es was von dir? Kommt die Botschaft rüber? Versteht man es auch, wenn man nicht – so wie du jetzt gerade – besoffen ist? Und ganz wichtig: Kommt das Buch, über das du eigentlich schreiben wolltest am Ende auch nicht zu kurz? Sei nicht zufrieden, wenn du nicht mindestens fünfmal Ja und am Ende einmal Nein sagen kannst. Mach dir noch ein Bier auf, geh noch mal ran, mach es rund. Und dann lies nochmal durch, was du gerade geschrieben hast. Gefällt es dir? Hat es was? Ist da ein Sound, eine zweite Ebene?

7. Gebot: Du sollst stets das lesen, worüber du gern schreiben würdest

Jeder, der schon mal Tischtennis, Tennis oder meinetwegen auch Badminton gespielt hat, kennt diesen Effekt. Man kann ein noch so guter Spieler sein; hat man einen schlecht spielenden Gegner, spielt man automatisch auch schlecht. Genauso kann es einem beim Schreiben über ein schlechtes Buch ergehen. Oftmals ist die Rezension genauso bescheiden wie das Buch. Wie soll es auch anders sein? Auf einen laschen Aufschlag folgt ein ebensolcher Return. Ganz anders bei stärkeren oder ebenbürtigen Gegnern. Sprachmächtige Romane lassen auch den Rezensenten seine Worte mit Bedacht wählen, inspirierte Texte inspirieren, und ein kluger Plot ist die halbe Miete für einen ebensolchen Blogbeitrag.

8. Gebot: Du sollst dich nicht von der Blogstatistik leiten lassen

Natürlich weißt du mit der Zeit Bescheid, kennst die Mechanismen von Stimulus und Response. It’s just a jump to the left and then a step to the right. Und tatsächlich ist die Versuchung groß, was gut läuft, immer wieder genauso zu machen. Warum soll das nicht noch einmal funktionieren? Und siehe da, es funktioniert. Wieder der gleiche Effekt. Und noch einmal, nur ein wenig anders. Dann immer wieder – ein paar kennen es ja noch nicht ­ und es funktioniert tatsächlich jedes mal aufs Neue. Langsam verlierst du den Respekt vor deinem Publikum. Und noch schlimmer, es fängt an, dich zu langweilen. Höchste Zeit, mal wieder was Neues auszuprobieren. Try to put your hands on you hips, but don’t do the Time Warp again.

9. Gebot: Du sollst nicht den Spaß am Bloggen verlieren

Wir haben es gerade gelesen. Man kann beim Bloggen so viel falsch machen. Entweder langweilt man seine Leser mit uninspirierten Texten zu Tode oder macht sich als Pseudo-Intellektueller zum totalen Depp und merkt es noch nicht einmal. Und trotzdem – jeden verdammten neuen Tag stehen wieder knapp tausend Buchblogger auf, putzen sich die Zähne und stellen einen neuen Beitrag ins Netz. Und keiner davon ist so schlecht, dass er nicht von irgendwoher wenigstens ein paar Likes bekommt. Das ist das Schöne an der ganzen Geschichte: Das Netz ist groß und geduldig, da können wir alle sein, uns ausprobieren und jeder auf seine Art seinen Spaß haben.

10. Gebot: Du sollst dich nicht von den Geboten anderer leiten lassen

Wer bist du denn, dass du dir von anderen sagen lässt, was du zu tun oder zu lassen hast? Erst recht bei deinem liebsten Hobby, dem Bloggen. Also, wenn du willst, vergiss das alles hier. Brich die Gebote und stelle deine eigenen Regeln auf. Sei ein Original und keine Kopie.

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Foto: Gabriele Luger

Blogger-Relations: Die zehn besten Verlage

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Im PR-Bereich gibt es das schon lange: Journalisten bewerten die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen und Verbänden und heraus kommt jedes Jahr ein Ranking mit den besten Presseabteilungen Deutschlands. Warum, so dachte ich mir, sollte man das eigentlich nicht auch mal für die Blogger- oder Influencer Relations der Verlage machen? Welcher Verlag hat hier die Nase vorn, kommuniziert und arbeitet am professionellsten mit Bloggern zusammen?

Wenn ich das jetzt mache, ist das natürlich keine repräsentative Studie, sondern zunächst einmal nur meine ganz persönliche Wertung. Und da so eine Bewertung nach Bauchgefühl überhaupt nichts bringt, habe ich mir halbwegs objektive Bewertungskriterien überlegt. Was ist wichtig in der Zusammenarbeit zwischen Blogger und Verlag? Wann fühlt man sich gut betreut und ernst genommen? Welche Angebote, Veranstaltungen helfen einem weiter? Mit welchen Verlagen macht die Zusammenarbeit Spaß und wo hakt es immer wieder?

Ich mache jetzt mal den Anfang, stelle die Kriterien vor und bewerte danach meine bestehenden Verlagskontakte. Vielleicht schließen sich ja andere Blogger an, bewerten ihre Kontakte ebenfalls wir machen daraus irgendwann mal ein valides Ranking.

Blogger-Relations ist Beziehungsmanagement, und das wichtigste Kriterium ist daher der persönliche Kontakt. Ein mir namentlich bekannter Ansprechpartner ist die Grundvoraussetzung für alles Weitere. Jeder Blogger will wissen, wen er ansprechen kann, wenn er mal eine Frage hat, ein Interview mit einem Autor führen möchte oder ein Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen will. Das klingt selbstverständlich – ist aber nicht bei allen Verlagen gegeben.

Entscheidend ist auch das WIE der Kommunikation. Gibt es eine persönliche Ebene, wird man individuell angesprochen oder ist man nur eine Adresse im Mail-Verteiler? Wichtig ist mir persönlich auch – Achtung jetzt kommt ein Buzz-Word – eine gewisse Achtsamkeit. Darunter verstehe ich, dass der Ansprechpartner im Verlag meinen Blog nicht nur kennt, sondern die Beiträge auch liest (oder mir zumindest das Gefühl gibt, es zu tun). Im besten Fall nicht nur die Rezensionen, die seinen Verlag betreffen. Wichtig ist auch, dass der Blogger-Relations-Manager auch selber im Netz unterwegs ist, die Diskussionen verfolgt; weiß, was uns Blogger gerade bewegt, ärgert, fasziniert.

Und dann ist natürlich auch die Position des Ansprechpartners im Verlag für die Zusammenarbeit entscheidend. Das weiß ich natürlich nicht im Detail von jedem und kann es dann auch nicht bewerten. Aber wichtig ist das schon. Hat er oder sie Entscheidungsbefugnis und verfügt im besten Fall auch über einen eigenen Etat? Besteht bei dem Verlag die Bereitschaft, mit dem Blogger mal über Gewinnspiele, Leseraktionen, Sponsored Posts oder Werbebanner nachzudenken? Und abschließend die Frage, ob Blogger auch zu allgemeinen Verlagsveranstaltungen eingeladen werden oder aber interessante Veranstaltungen für Blogger außerhalb der Messen organisiert werden, vielleicht sogar auch mal zusammen mit der Presse.

Nach diesen Kriterien habe ich alle Verlage, mit denen ich Kontakt habe, bzw. deren Programm mich interessiert, bewertet. Für jeden zutreffenden Aspekt, gab es einen Punkt. Hier das Ergebnis:

 

  1. Suhrkamp: 16 Punkte
  2. Frankfurter Verlagsanstalt: 14 Punkte
  3. Ullstein: 13 Punkte
  4. Diogenes: 12 Punkte
  5. Hanser: 11 Punkte
  6. Klett-Cotta: 11 Punkte
  7. Kiepenheuer & Witsch: 10 Punkte
  8. DVA: 10 Punkte
  9. Rowohlt: 9 Punkte
  10. Aufbau: 9 Punkte

 

Disclaimer:
Dieses Ranking basiert auf einer rein subjektiven Einschätzung und Bewertung nach den aufgezeigten Kriterien. Wie genau sich die Bewertungspunkte zusammensetzen, kann in der unten stehenden Tabelle eingesehen werden. Bewertet wurden nur die Verlage, zu denen Kontakt besteht, bzw. deren Verlagsprogramm für Buchrevier relevant ist. Der Subjektivität des Autors ist es geschuldet, wenn einige Punkte nicht erfasst oder falsch bewertet wurden. Allgemeine Aussagen über die Qualität und Leistung der Arbeit von Verlagsmitarbeitern sind daher nicht zulässig. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 😉

Auswertung im Detail:

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Titelfoto: Gabriele Luger

 

 

5 Tipps für mehr Lesezeit im Urlaub

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Sie wollen im Urlaub viele Bücher lesen? Dann sollten sie unbedingt folgende Punkte beachten.

1. Bereits zu Hause starten

Es empfiehlt sich, nicht erst am Ferienort mit der Urlaubslektüre zu starten. Der letzte Arbeitstag sollte immer auch der erste Urlaubslesetag sein. Bitten Sie doch einfach Ihren Partner, wenn er schon dabei ist, den Koffer doch auch gleich für Sie mit zu packen. So entspannen Sie von Anfang an und starten mit dem guten Gefühl, schon ein gutes Stück des vorgenommenen Lesepensum geschafft zu haben. Gewonnene Lesezeit: bis zu acht Stunden.

2. Das richtige Reiseziel

Wer im Urlaub viel Lesen will, sollte nicht in die Berge fahren, keinen Aktivurlaub und keine Städtetour unternehmen. Je weniger es zu entdecken gibt, desto besser. Sonne, Meer und eine karge, steinige Landschaft bieten ideale Voraussetzungen für einen geruhsamen Leseurlaub. Noch besser ist es, wenn das Wetter unbeständig ist, es idealerweise viel regnet und man gezwungen ist, den ganzen Tag im Hotel oder Appartement zu verbringen. Beste Bedingungen bieten hierfür Reiseziele an der Nord- und Ostsee in der Vor- und Nachsaison. Achten Sie auch darauf, dass Sie sich nicht selbst verpflegen müssen. Denn man glaubt gar nicht, wieviel Zeit fürs Einkaufen, Kochen und Abwaschen draufgeht. Gewonnene Lesezeit: ca. 20 Stunden.

 3. Anreise genau planen

Reisen Sie auf keinen Fall mit dem Auto, Motorrad oder Wohnmobil, denn wer selber steuert, kann nicht lesen. Wenn sie fliegen, fliegen sie nachts. Wenn das nicht geht, reservieren Sie sich einen Gang- oder Mittelplatz, dann droht keine Ablenkungen durch einen Blick aus dem Fenster. Seien Sie nicht erst zwei Stunden vor Abflug, sondern bereits drei oder vier Stunden vor dem Boarding am Gate. Wenn sich dann der Start noch um zwei Stunden verzögert, haben Sie gute Chancen, die erste Reiselektüre noch vor Ankunft am Urlaubsort ausgelesen zu haben. Prüfen Sie, ob der Urlaubsort nicht auch per Zug, Bus oder noch besser per Schiff erreichen ist. Gewonnene Lesezeit: bis zu 30 Stunden und mehr.

 4. Der richtige Reisepartner

Wieviel sie im Urlaub letztendlich lesen können, hängt ganz entscheidend davon ab, mit wem sie verreisen. Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Reisepartner ist aber oftmals sehr eingeschränkt und meist alternativlos. Wer einen festen Partner hat, verreist in der Regel mit ihm. Langjährige Partnerschaften sind hier zu bevorzugen. Je weniger geredet wird, desto mehr Zeit bleibt für die Lektüre. Mit einer neuen, erst wenige Monate andauernden Beziehung in den Urlaub zu fahren, ist dagegen nicht so ratsam. Da kann alles mögliche passieren, nur gelesen wird in diesen Fällen eher weniger. Genauso wenig empfiehlt es sich, mit einem befreundeten Ehepaar oder Familie zu verreisen. Ständig sitzt man dann zusammen, erzählt, unternimmt zwanghaft irgendetwas. Wer also Wert darauf legt, bereits am Frühstückstisch ungestört zu lesen, fährt am besten alleine in den Urlaub. Single-Reisen sind die ultimativen Lesereisen. Gewonnene Lesezeit: bis zu 400 Stunden.

 5. Nervfaktor Kinder

Kinder sind ja schon daheim die größten Lektüreverhinderer. Ständig wird irgendetwas gefragt, andauernd ist ihnen langweilig, immer wieder weigern sie sich, einfach mal ein paar Stunden so zu tun, als wären sie gar nicht da. Im Urlaub können sie mit ihrer unselbständigen Vergnügungssucht die zur Verfügung stehende Lesezeit der Eltern auf Null reduzieren. Daher gilt: Wer im Urlaub viel lesen will, sollte ohne Kinder verreisen. Wenn das nicht geht, bleibt nur der Ausweg eines All-Inklusive-Resorts mit einer rund um die Uhr Kinderbespaßung. Auf keinen Fall sollte man im Urlaub den Versuch wagen, dem computerspielsüchtigen Nachwuchs eine digitale Auszeit zu verordnen, um ihn für das analoge Medium Buch zu begeistern. Stattdessen gehören die Playstation, ein Stapel neue Ballerspiele und ein Set Kopfhörer unbedingt in jeden Familienreisekoffer. Gewonnene Lesezeit: ca. 50-80 Stunden.

Wenn Sie diese fünf Tipps beachten, können Sie das Maximum an Lesezeit aus Ihrem Urlaub herausholen. Ach ja, das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen: Reservieren Sie sich möglichst früh am Morgen mit einem Handtuch Ihre persönliche Leseliege am Pool.

Buchrevier wünscht einen schönen Urlaub.

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Foto: Gabriele Luger

7 Dinge, die ich durch den Blogbuster-Preis gelernt habe

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Das eigene Buch.
Es scheint immer noch ein Traum zu sein. Schöner noch als einen Baum zu pflanzen oder ein Haus zu bauen. Doch was bringt es einem? Es hat kein Dach und spendet keinen Schatten, kostet Arbeit und viel Zeit. Trotzdem sitzen jeden Abend tausende Menschen allein am Schreibtisch und schreiben. Und hoffen.

Es gibt kein gültiges Maß für Literatur.
Fünf Menschen in der Jury, fünf Meinungen zu ein und demselben Buch. Von grandios über belanglos bis komplett indiskutabel reicht die Spanne. Alles ist möglich und begründbar. Ist der Literaturbetrieb also doch total subjektiv?

Lesen kann harte Arbeit sein.
Wenn sich 14 Bücher stapeln und man zum Stichtag ein Urteil fällen muss. Wenn nicht alles gut geschrieben ist; wenn da noch ein anderes Leben ist und die Augen irgendwann den Schleier zuziehen. Aber dann kommt die eine Geschichte und man ist auf einmal wieder hellwach. Welche Anstrengung, welche Arbeit?

Die Zielgruppe schlägt zurück.
Das Internet hat uns die Tore geöffnet, und wir Leser erobern den Betrieb. Wir sagen unsere Meinung, nehmen Einfluss. Es ändert sich gerade alles. Nicht so schnell wie erhofft, aber doch stetig. Blogbuster hat gezeigt, dass wir es können und dass noch vieles möglich ist.

Unternehmer unternehmen etwas.
Verlage brauchen Unternehmertum.  Persönlichkeiten, die etwas etwas wagen und mutig sind, die sich begeistern lassen und andere begeistern können. Die auch Wege gehen, die nicht asphaltiert sein müssen. Die den Menschen ins Gesicht schauen und Vertrauen haben. Ohne Benchmark, ohne Referenz – einfach so.

Online ist unsere Homebase.
Das Netz ist voll mit Blogbuster, doch in den Zeitungen steht nichts davon. Und trotzdem hatten wir jede Menge Aufmerksamkeit. Wir haben das Ding durchgezogen, haben gezeigt, dass es klappt, auch ohne das Feuilleton. Bevor die alten Männer die Meldung aus dem Fax gezogen haben, hatten wir die Story schon tausendfach verbreitet.

Blogger sind Familie.
Wir sitzen die meiste Zeit allein in unseren Zimmern. Wir lesen, schreiben und schauen auf unsere Handys. Wir begegnen uns in virtuellen Gruppen, empfehlen Plugins und Ansprechpartner, liken unsere Beiträge und sind uns gegenseitig das treueste Publikum. Und doch zieht jeder sein eigenes Ding durch, versucht sich abzugrenzen, eine etwas andere Sicht auf das gleiche Buch zu bieten. Und trotz aller Unterschiede sind wir ein Projekt, halten zusammen, bewegen das Netz.

5 Wahrheiten über den Literaturbetrieb

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…, die man in David Foenkinos Roman ‚Das geheime Leben des Monsieur Pick‘ findet.

Der französische Bestseller-Autor David Foenkinos hat einen sehr unterhaltsamen Roman über ein geheimnisvolles Buchmanuskript geschrieben, das aufgrund der Umstände seiner Entdeckung zum internationalen Bestseller wird. Eine schöne Geschichte, die viele Wahrheiten über das Lesen, Schreiben und den Literaturbetrieb offenbart. Ich habe mal ein paar herausgepickt.

 

1) Wer nicht liest, kann auch nicht schreiben.

Foenkinos-Zitat Seite 64: “ ‚Hat er gern gelesen?‘ ….. ‚Henri? Gelesen?“ antwortete sie lächelnd. ‚Nein, ich hab ihn nie mit einem Buch in der Hand gesehen. Außer dem Fernsehprogramm hat er nie etwas gelesen.'“

Dass der mutmaßliche Bestsellerautor in Foenkinos Geschichte niemals etwas gelesen hat, führt zu ernsthaften Zweifeln an dessen Urheberschaft. Zu Recht – wer taub ist, kann nur selten gut singen und wer nicht liest, kann in der Regel auch nicht schreiben. Zumindest nicht gut. Es geht dabei nicht um literarische Vorbilder, es geht um eine ungefähre Ahnung, was mit Sprache überhaupt machbar ist. Wie Gedanken klingen könnten, wie man einen roten Faden durch eine Geschichte webt, Zugänge zu anderen Ebenen schafft. Sprich – wie man einen richtig guten Roman schreibt. Das kann man nur, wenn man schon mal einen gelesen hat. Wenigstens einen.

2) Erfolgreiche Bücher brauchen einen Aufhänger

Foenkinos-Zitat Seite 130: „Der Text an sich zählt überhaupt nicht mehr. Man braucht nur noch einen einzigen guten Gedanken herauszustellen. Einen Gedanken, der die Diskussion schürt.“

Eigentlich ist es so einfach, ein erfolgreiches Buch zu schreiben. Man muss im Prinzip nur einen guten Aufhänger finden. Und dafür geht man am besten in den Buchladen und schaut, wie Bücher verkauft werden. Da wird nicht lang und breit eine Geschichte erzählt, da wird verschlagwortet: ‚Dieses Buch ist ganz aktuell, behandelt die Flüchtlingsproblematik, dies hier ist sehr bewegend, da wird ein Kind jahrelang brutal misshandelt, hier ist der Vater ein Hochstapler, hier kloppen sich Hooligans aus Hannover, hier leidet ein Autor an bipolaren Störungen und hier findet eine junge Lektorin ein geheimnisvolles Romanmanuskript‘. Schnelle Empfehlung, schneller Verkaufserfolg, schnell wieder vergessen.

3) Ein Flop ist schlimmer als jahrelange Ablehnung

Foenkinos-Zitat Seite 33: „..es gibt Schlimmeres als das Leid, nicht veröffentlichen zu können: das Leid, überhaupt nicht wahrgenommen zu werden. Nach ein paar Tagen verschwinden die Titel wieder aus den Regalen und man rennt verzweifelt von einer Buchhandlung zur anderen, auf der Suche nach einem Belegexemplar der eigenen Existenz.“

Ja, lieber ein Leben lang von sämtlichen Verlagen abgelehnt werden, als mit dem Debüt sang- und klanglos untergehen. Im ersten Fall kann man die Schuld auf die Unfähigkeit der Verlage oder das System schieben und behält immer noch ein Fünkchen Hoffnung, es vielleicht eines Tages doch noch zu schaffen. Im zweiten Fall weiß man, dass man komplett gescheitert ist, dass letztlich niemanden wirklich interessiert, was man da geschrieben hat, dass all die Verlage recht hatten, als sie das Manuskript ablehnten, dass der Verlag, der es letztlich angenommen hat, sich jetzt wahrscheinlich über seinen Fehler wahnsinnig ärgert und schon überlegt, wie er dich schnell wieder loswerden kann. Vernünftig wäre, mit dem Schreiben einfach aufzuhören, doch die meisten Autoren sind scheinbar Masochisten und tun sich die Demütigung immer wieder und wieder an.

4) Gutes Marketing verkauft auch schlechte Bücher

Foenkinos-Zitat Seite 155/156: „Der Erste, der auf die Idee kam, das Scheitern als Marketinginstrument einzusetzen, war Richard Ducousset…Einige Wochen später erschien das Buch mit folgendem Werbespruch: ‚Von 32 Verlagen abgelehnt.‘ …es gingen mehr als 20.000 Exemplare über den Tisch.

Manchmal frage ich mich, wer legt eigentlich fest, was ein gutes Buch ist? Schaut man sich Diskussionen im Feuilleton an, sieht man, dass auch die Experten sich nur selten einig sind. Ein und dasselbe Buch wird von dem Einen als Meisterwerk und vom Anderen als absoluter Schund betitelt. Das macht den Reiz von Literatursendungen im Fernsehen aus, die Sache aber auch irgendwie beliebig. Wo ist der Maßstab, was ist Qualität? Gut ist, was gefällt. Was andere, die diesen Titel gelesen haben, als nächstes gekauft haben, was auf der Bestseller-Liste steht, einen Preis gewonnen, was der Buchhändler ins Schaufenster legt. Und nicht selten stellt man dann beim Lesen fest, die schlechtesten Bücher haben oftmals das beste Marketing.

5) Es gibt mehr Schriftsteller als Leser

Foenkinos-Zitat Seite 158: „Eine Umfrage der Zeitung Le Parisienne ergab, dass jeder dritte Franzose schrieb oder vom Schreiben träumte. …Man muss sagen, dass es heutzutage eigentlich mehr Schriftsteller als Leser gibt“

Meine Rede seit vielen Jahren. Ordentlich, tüchtig oder fleißig zählt heute nicht mehr. Stattdessen wäre jeder gerne irgendwie begabt und kreativ. Und wenn schon nicht selber, dann zumindest der Nachwuchs. Jedes zweite Kind ist mittlerweile hochbegabt oder künstlerisch besonders talentiert. Das heisst, da kommen in Zukunft noch jede Menge neue Schreiberlinge auf uns zu, die alle noch nie ein Buch gelesen haben, aber unbedingt eins schreiben wollen. Hilfe!

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Foto: Gabriele Luger

 

Ach du dickes Buch.

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Fünf literarische Eintausender-Empfehlungen. 

Schon den ganzen Februar läuft auf der Social-Reading-Plattform LovelyBooks die Aktion „Buchblogger empfehlen“. Jeden Tag stellt dort ein ausgewählter Literaturblogger eine Themenliste mit fünf Büchern vor. Heute ist Buchrevier an der Reihe, und ich habe mich für das Thema „Dicke Dinger“ entschieden – sprich: Bücher mit bis zu 1.000 Seiten und mehr.

Dicke Bücher spalten ja die Gemüter. Für einige fängt das Lesevergnügen erst ab 500 Seiten an, andere empfinden derart ausufernde Lektüre als Zumutung. Ich persönlich kann beide Standpunkte nachvollziehen. Nicht jede Geschichte wird besser, wenn man sie zu einem dicken Schinken auswalzt. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass Marketing-Kalkül dahinter steckt. Denn wer als Autor einen Tausendseiter veröffentlicht, macht allein deswegen schon auf sich aufmerksam. Dünne Literatur können viele, dicke Literatur nur wenige. Hinzu kommt: Wenn ein Buch dick ist, ist es oftmals nicht literarisch, sondern eher unterhaltend. Also gilt die Gleichung: dick + literarisch = wertvoll.

Wie dem auch sei, für die LovelyBooks-Rubrik habe ich mein Bücherregal durchforstet und fünf dicke Schinken herausgesucht, die ich gerne und mit Gewinn gelesen habe und bei denen ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, da will ein Autor nur Seiten schinden. Hier also meine fünf Eintausender-Empfehlungen: 


1280 Seiten: Nino Haratischwili – Das achte Leben (für Brilka)

Ich glaube jeder, der ein wenig Sinn für gute Geschichten und eine gute Schreibe hat, wird merken, was er hier in den Händen hält. Nicht irgendeinen Schmöker, keine x-beliebige Familiensaga, kein Buch für eine Saison. Nein, was Nino Haratischwili hier abgeliefert hat, wird bleiben und die Zeit überdauern. Ich scheue mich ein wenig vor dem großen Wort, frage mich, ob das, was mir auf der Zunge liegt, nicht zu hochgegriffen ist. Ob ich das überhaupt beurteilen kann. Aber warum eigentlich nicht? Ich habe schon viel gelesen, darunter auch vergleichbar dicke Familien-Epen wie Tolstois „Krieg & Frieden“, die Buddenbrooks oder Jonathan Franzens „Korrekturen“. Und genau in diese Reihe möchte ich auch „Das achte Leben“ stellen. In meinen Augen ist dieser Roman Weltliteratur, nicht mehr und nicht weniger.

923 Seiten: Jan Brandt – Gegen die Welt

Das, was Jan Brandt da im Jahr 2013 als Erstlingswerk abgeliefert hat, ist wirklich mehr als erstaunlich und verdient höchsten Respekt. Nicht umsonst ist er damit prompt auf der Shortlist des deutschen Buchpreises gelandet. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, was er da abgeliefert hat. Einen Entwicklungsroman? Eine Familiensaga? Ein mit ein wenig Science-Fiction aufgepepptes Epos über die jüngste deutsche Vergangenheit? Ich würde sagen, von allem etwas und das auch noch sehr unterhaltsam. Es erinnert mich ein wenig an Murakami. Klare einfache Sätze, lange Beschreibungen, einsame Helden und zum Auflockern ein wenig Surreales. Klar hätte man das Buch auch halb so dick machen können, die Geschichte hat einige Längen, aber die Lektüre lohnt sich trotzdem.

1.024 Seiten: Haruki Murakami – 1Q84

Wie macht er das nur? Mit diesen einfachen Sätzen. Subjekt, Prädikat, Objekt. Keine Verschachtelungen, keine kunstvollen Allegorien. So, wie es eigentlich jeder könnte. Und doch kommt schon auf der ersten Seite diese einzigartige Lesestimmung auf. So eine verträumte Spannung, leicht und unbeschwert. 1024 Seiten – ein dicker Wälzer. Und doch ist die Lektüre so entspannend wie ein Nachmittags-Spaziergang an einem sonnigen Herbsttag. Typisch Murakami.

So einfach und reduziert wie der Schreibstil ist auch der Inhalt des Romans. Viel passiert nicht auf den edlen Dünndruck-Seiten. Zwei Protagonisten, zwei Biografien voller Einsamkeit, zwei Morde und zwei Monde. Man könnte die Geschichte auch auf maximal zehn Seiten erzählen. Und trotzdem kommt nicht eine Sekunde Ungeduld auf. Als Lektor würde ich nicht einen Satz streichen. Denn jeder Satz ist Gefühl. Und alle zusammen kreieren diese Lesestimmung, geben dem Buch eine Seele.

1024 Seiten: Donna Tartt – Der Distelfink

Ich glaube, den Distelfink von Donna Tartt haben vor drei Jahren wirklich fast alle gelesen. Und wer es nicht getan hat, weil er oder sie entweder dicke Bücher oder extrem gehypte Bücher meidet (in diesem Fall kommt beides zusammen), sollte es jetzt unbedingt nachholen. Denn hier bekommt man alles, was man für einen erfüllenden Lesemarathon braucht. Eine spannende Geschichte, glaubwürdige Protagonisten, interessante Erzählperspektiven und eine sprachlich saubere Umsetzung. Da stört nichts, da ist alles stimmig und wohldurchdacht, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Kein Wunder, denn Donna Tart überlässt bei Ihren Büchern nichts dem Zufall, lässt sich Zeit, sehr viel Zeit. Immerhin hat sie bis zu 10 Jahre an diesem Roman geschrieben, korrigiert, verbessert und gefeilt – bis alles perfekt war. Und das merkt man.

1392 Seiten: Jonathan Littell – Die Wohlgesinnten

Als ich mich für das Thema „Ach du dickes Buch“ entschieden habe, war ich gerade mittendrin in Hanya Yanagiharas dickem Wälzer “Ein wenig Leben“. Ich wollte es hier als fünften Titel empfehlen, war aber am Ende so enttäuscht, dass ich von der Lektüre mittlerweile abrate. Stattdessen möchte ich auf ein echtes Schwergewicht verweisen, das sich alles andere als leicht und locker liest. Jonathan Littel hat mit seinem knapp 1.400 Seiten dicken Werk „Die Wohlgesinnten“ im Jahre 2008 für einen riesigen Medienwirbel gesorgt. Alle Welt hat von dem Buch gesprochen, nur wenige haben es tatsächlich ganz gelesen. Denn die Lektüre tut weh, schockiert und ist kaum zu ertragen. Litell schildert auf schonungslose Weise die Gräueltaten der SS und der deutschen Wehrmacht an den Juden in Osteuropa. Es ist schrecklich, bedrückend und nichts für zartbesaitete Gemüter. Ich habe mehrere Monate für die Lektüre gebraucht, das Buch immer wieder unterbrechen müssen. Aber es ist auch eine Lektüre, die man nie vergisst.

Was wäre wenn … ich nicht so viel lesen würde?

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7 Dinge, die dann anders wären.

1. Ich wäre schlanker

Wenn ich nicht so viel lesen würde, hätte ich bestimmt zehn Kilo weniger auf den Rippen. Ich würde dann abends nach der Arbeit noch laufen gehen und mir im Fitnesscenter ein sauber definiertes Sixpack antrainieren. Stattdessen bewege ich mich kaum noch, sitze nur und lese. Und wenn ich nicht lese, dann schreibe ich. Dazu ein kühles Bier und eine Handvoll Cashewnüsse. Von den zehn Anzügen in meinem Schrank passen mir nur noch zwei. Und die habe ich mir letzte Woche neu gekauft.

2. Ich hätte mehr Freunde

Irgendwann muss man sich im Leben entscheiden. Entweder viele Freunde haben oder viele Bücher lesen. Beides zusammen geht nicht. Zumindest ich bekomme das nicht hin. Ein geselliger Abend unter Freunden ist ja mal ganz nett, aber prinzipiell wird mir da zu viel gequatscht und gelacht. Und meine Frau meint, es wäre unhöflich, wenn einen das Gespräch nicht interessiert, einfach aufzustehen und zu sagen: Ich gehe jetzt noch was lesen.

3. Ich wäre erfolgreicher

Ich könnte es wieder machen wie damals, Anfang dreißig. Zu dieser Zeit habe ich relativ wenig gelesen. Stattdessen habe ich Karriere gemacht. Ich kannte keinen Feierabend, hab mich reingehängt und jeden Abend noch Arbeit mit nach Hause genommen. Ganze Nächte habe ich dann an irgendwelchen Texten und Konzepten gefeilt, bis ich todmüde ins Bett gefallen bin. Heute sitze ich manchmal im Büro und freue mich schon auf den Feierabend. Drei, vier Stunden lang einfach nichts anderes tun, als zu lesen. Abschalten, mal nicht an den Job denken, den Kopf wieder frei bekommen und anschließend nächtelang an irgendwelchen Blogbeiträgen feilen.

4. Ich hätte mehr Zeit für die Familie gehabt

Die Kinder sind jetzt aus dem Haus. Keiner mehr da, den man abends mit einer Geschichte ins Bett bringen kann. Jetzt ist es zu spät, noch irgendetwas anders zu machen. Zum Beispiel weniger arbeiten, früher nach Hause kommen und auch weniger lesen. Statt wortkarg mit einem Buch auf dem Sofa zu sitzen – Papa braucht mal fünf Minuten für sich – hätte ich mich mehr kümmern können. Draußen Fußball spielen oder einfach öfter mal in den Urlaub fahren. Vielleicht habe ich ja als Opa noch mal eine Chance.

5. Ich wäre kreativer

Lesen ist ja kein besonders produktiver Akt. Man sitzt eine Zeit lang irgendwo rum, schaut auf einen Stapel bedrucktes Papier, den man dann irgendwann zurück ins Regal stellt und in der Regel wieder vergisst. Für Außenstehende kommt da kaum was bei rum, zumindest nichts, was man vorzeigen kann und die Zeit überdauert. Würde ich malen oder fotografieren, im Keller irgendetwas löten oder Vogelhäuschen bauen, könnten meine Kinder später mal sagen, der hat seine Zeit sinnvoll genutzt, war kreativ und hat etwas Bleibendes geschaffen. Habe ich aber nicht. Ich habe nur rumgesessen und gelesen.

6. Ich wäre kein Blogger

Worüber sollte ich bloggen, wenn ich nicht so viel lesen würde? Ich führe ein ganz normales Leben, habe einen geregelten Bürojob, esse am liebsten gutbürgerlich und gehe zweimal am Tag Gassi mit dem Hund. Wer will so etwas lesen? Ich wäre auch ein sauschlechter Mode- oder Reiseblogger, weil mich weder Klamotten noch fremde Länder sonderlich interessieren. Nein, wenn ich nicht so viel lesen würde, hätte ich kein Thema, worüber es sich zu bloggen lohnt. Und noch etwas wäre anders:

7. Ich wäre nicht ich.

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Foto: Gabriele Luger