Achtung: Das ändert sich für Blogger in 2019

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Bei all den innerpolitischen Wirren, mit denen die Groko im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt hat, ist ein Thema in der Nachrichtenflut scheinbar untergegangen. Im November letzten Jahres wurde aufgrund eines Eilantrages von CDU/CSU und Grünen eine deutliche Verschärfung der Influencer-Gesetze beschlossen, die bereits seit dem ersten Januar 2019 gelten. Bei Verstößen drohen auch Buchbloggern saftige Strafen. Hier die wichtigsten Änderungen.

Namensnennung in Posts und Blogbeiträgen
Die strengen Auflagen der DSGVO zum Schutz persönlicher Daten ist jetzt auch auf literarische Erzeugnisse ausgeweitet worden. Konkret bedeutet dies, dass der Name eines Autors oder einer Autorin in Blogbeiträgen nicht mehr ohne vorherige Genehmigung des Betreffenden genannt werden darf. Liegt eine schriftliche Einwilligung des Künstlers nicht vor, darf nur der Romantitel mit den Namensplatzhaltern Erika Schreiber für weibliche und Horst Texter für männliche Autoren genannt werden. Gleiches soll ab 2020 auch für die namentliche Erwähnung von Romanfiguren in Blogbeiträgen gelten.

Neue Rezensionsbestimmungen
Ab diesem Jahr gelten auch strengere Rezensionsregeln. Die von der Stiftung zur Erhaltung der Literaturkritik ausgearbeiteten Auflagen sehen vor, dass Texte, die sich mit Literaturerzeugnissen auseinandersetzen, nur noch Rezension genannt werden dürfen, wenn sie keine klar erkennbare Leseempfehlung aussprechen und ausschließlich der intellektuellen Selbstbeweihräucherung des Rezensenten dienen. Texte mit Formulierungen wie „lest dieses Buch“ oder „mein Lesehighlight des Jahres“ dürfen in Zukunft nur noch als „Rezensionsersatz-Text“ oder „Billo-Büchertipp“ bezeichnet werden.

Kennzeichnung von Werbung
Bereits im letzten Jahr galt, dass Posts und Blogbeiträge als Anzeige gekennzeichnet werden müssen, wenn Namen oder Orte genannt werden. Diese Regelung gilt ab sofort auch für nicht digitale Formen der Einflussnahme. Blogger, Bookstagrammer und Booktuber müssen daher in Zukunft auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt gelbe Warnwesten mit der Aufschrift „bibliophiler Werbetreibender“ tragen. Die Warnwesten berechtigen den Träger zum Empfang von Leseexemplaren und die Benutzung des ÖPNV an allen Messetagen. Das Tragen der Warnwesten ist auch bei Besuchen im Buchhandel am sogenannten Indiebookday vorgeschrieben. Bei einer Nichtbeachtung droht Hausverbot.

Bezeichnungen
Die neue Gesetzgebung bringt zum Jahresbeginn auch Klarheit in die oftmals verwirrenden und nicht trennscharfen Begrifflichkeiten und Formen der digitalen Literaturvermittlung. „Blogger“ darf sich in Zukunft nur noch nennen, wer auch einen Blog betreibt. Influencer darf sich ein Blogger erst nennen, wenn er auch ein Instagram-Profil hat. Instagrammer ohne Blog gelten wiederrum erst ab 5.000 Followern als Influencer. Twitter und Facebook-Profile werden in der neuen Gesetzgebung nicht mehr berücksichtigt.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich der zuletzt unkontrolliert ausbreitende Markt unqualifizierter Online-Bewertungen durch die neue Gesetzgebung von alleine regulieren wird. Bis Verstöße gegen die neuen Bestimmungen tatsächlich geahndet werden, gilt eine Übergangsfrist von sechs Monaten. Spätestens zur Frankfurter Buchmesse im Herbst dürfte dann aber mit einem geballten Auftritt von bibliophilen Gelbwesten zu rechnen sein.  

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Foto: Gabriele Luger