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Mittwochs im Ersten

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Hannah Simon – Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe.

Ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hat. Sonst hätte ich das Buch nicht bis zum Schluss gelesen. Hannah Simons Felix hat mich über weite Strecken gut unterhalten, es liest sich flüssig, ist witzig und charmant. Der Klappentext bringt es auf den Punkt: ein unterhaltsames Sommerbuch über das Suchen und Finden des Glücks.

Ich würde mich nicht wundern, wenn die ARD schon die Filmrechte gekauft hätte. Denn die Geschichte des schwungvollen Unterhaltungsromans eignet sich hervorragend für den Film-Mittwoch im Ersten mit so Schauspielern, die jeder schon tausendmal gesehen hat, aber trotzdem keiner kennt.

Der Plot ist schnell erzählt. Der junge, erfolgreiche Architekt Felix arbeitet in einem schicken und angesagten Münchener Architekturbüro. Er hängt sich rein, arbeitet bis spät in die Nacht und wartet auf die langersehnte Beförderung. Natürlich sieht er blendend aus, hat gute Manieren und trägt nur Anzüge aus allerfeinstem Zwirn. Abends amüsiert er sich mit Freunden im P1. Und damit der gelackte Karrierist einem nicht schon auf den ersten Seiten vollkommen unsympathisch wird, lässt die Autorin ihn sich liebevoll um seine Oma kümmern. Und dann sind da noch Monika, eine unverschämt gut aussehende, typische Münchener Schicki-Micki-Tussi und Ruby, die eigenwillige Künstlerin aus gutem Hause. Man braucht keine große Fantasie, um zu ahnen, worauf die Geschichte hinausläuft. Felix ist scharf auf Monika und von Ruby nur genervt. Im Verlauf der Geschichte kehrt es sich ins Gegenteil und – Achtung Spoiler – am Ende gibt es ein sehr vorhersehbares Happy End.

Und da dieser Plot nicht nur in der Zusammenfassung reichlich durchschnittlich ist, hat Hannah Simon die Geschichte noch etwas aufgepeppt. Eine plötzliche Erkrankung, die einen zum Umdenken zwingt, wird in so einem Fall immer gern genommen. Aber kein banaler Herzinfarkt oder Krebs, sondern eine ganz seltene Allergie. Felix ist allergisch gegen Glückshormone. Also versucht er sich ständig irgendwie unglücklich zu machen, damit er keinen allergischen Schock bekommt. Mit seiner Traumfrau Monika zusammen zu sein ist daher wegen plötzlich auftretender Glücksgefühle nicht so einfach. Um unglücklich zu sein, umgibt sich Felix daher mit der Nervensäge Ruby und stellt fest, so nervig ist sie gar nicht. Den Rest der Geschichte kann man sich denken.

Ich hab nichts gegen einfache Stories, wenn sie gut erzählt werden und sprachlich überzeugen, dann ist alles gut. Hannah Simon schreibt gut, die Geschichte ist schlüssig und authentisch und nicht ohne literarischen Anspruch erzählt. Mich hat aber dieses Allergiethema genervt. Das war mir irgendwie zu albern, zu aufgesetzt, zu effektheischend, um nicht zu sagen: trivial. Mir persönlich hätte nichts gefehlt, wenn Hannah Simon das mit der Glücksallergie einfach weggelassen hätte. Aber ich bin auch nicht unbedingt Zielgruppe dieses Buches. Den meisten wird das mit Sicherheit gut gefallen. Die können dann erzählen: „Du, ich lese gerade ein lustiges Buch über jemanden, der eine Glücksallergie hat – stell dir das mal vor.“

Titelfoto: Gabriele Luger

Ein Kommentar zu “Mittwochs im Ersten

  1. Mir hat das Buch auch nicht so gut gefallen… Mir war die Geschichte nicht schlüssig genug, das Verhalten von Felix oft nicht nachvollziehbar (das erwarte ich auch von einem „leichten Sommerbuch“ ;-)) und der Ausgang zu vorhersehbar. Aber ich glaube, auch ich gehörte nicht zur Zielgruppe…

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