Sasha Marianna Salzmann – Ausser sich

3

Jeder kennt das: man liest ein Buch, das einem eigentlich ganz gut gefällt. Es ist sprachlich herausragend, hat einen guten Sound, und es könnte eine schöne Lesestimmung entstehen, wenn da nur dieses eine Wort nicht wäre: eigentlich. Denn uneigentlich kommt man damit nicht weiter. Ein paar Seiten jeden Abend, viel mehr ist nicht drin. Die Geschichte entwickelt keinen Sog, man kommt auch nach zweihundert Seiten nicht richtig rein und steigt daher irgendwann enttäuscht aus.

So ist es mir mit dem von der Literaturkritik hochgelobten Romandebüt der Theater-Dramaturgin Sasha Marianna Salzmann gegangen. Zwei Wochen lang habe ich es immer wieder in die Hand genommen, wollte es unbedingt schaffen, doch es gelang mir nicht. Ich dachte zunächst, es läge an mir und suchte nach Entschuldigungen: habe wohl gerade zu viel um die Ohren, keinen Kopf für so verworrene Geschichten, aber morgen dann, ganz bestimmt, wäre ja auch schade drum.

Und irgendwann erstarrte der allabendliche Impuls, nach dem Buch zu greifen, schon in der Bewegung. Stattdessen griff ich zum Handy, zur Zeitung, sogar zur Fernseh-Fernbedienung und schließlich dann auch zu anderen Büchern, die ich ohne Probleme in einem Rutsch durchlas. Und das war dann der Todesstoß für dieses Werk. Als ich es pro forma nach ein paar Wochen Pause noch einmal in die Hand nahm, konnte ich mich erst recht nicht mehr in die verworrenen Zeit- und Handlungsstränge, Personen und Settings hineinfinden.

Wenn dieser Roman sprachlich nicht so überragend wäre, hätte ich überhaupt kein Problem damit, ihn mittendrin einfach abzubrechen, einen Verriss zu schreiben und das Ding so schnell wie möglich zu vergessen. Aber die Autorin hat großes Talent, ist eine echte Virtuosin und konstruiert tolle, klangvolle Sätze. Melodisch und rhythmisch fein austariert, mal lang, mal weniger lang, mal bildhaft und poetisch und dann wieder nüchtern und faktisch – perfekte Vorlesesätze. Aber Sprache ist halt nicht alles. Die Geschichte, das Setting, die Protagonisten, die Handlungsstränge, der rote Faden – das alles ist mindestens ebenso wichtig und sollte sich im Idealfall zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Und das tut es hier leider nicht.

Dabei ist die Geschichte nicht allzu kompliziert. Es geht um Alissa, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Zwillingsbruder Anton ist. Die Suche führt sie nach Istanbul, mitten in die Wirren der Aufstände am Taksim-Platz. Es gibt immer wieder Zeitsprünge, und wir erfahren wie die Eltern und Großeltern als Juden in der Sowjetunion gelebt haben, bis sie in den Neunziger Jahren nach Deutschland emigrieren durften. Anton verschwindet irgendwann spurlos, nach Jahren erreicht die Familie eine Postkarte von ihm aus Istanbul, und Alissa macht sich auf die Suche.

Das Themenspektum ist riesig: Politik, Religion, Familie, Emigration und Immigration. Das alles hätte vollkommen ausgereicht, um einen großen Gegenwartsroman zu schreiben. Doch nicht für die begabte Jungautorin Salzmann. Aus Alissa wurde Ali und aus dem ohnehin schon thematisch überfrachteten Roman-Gemengelage ein queeres Vewirrstück. Das war der Punkt, an dem ich dann ausgestiegen bin. Nicht weil ich mit der Transgender-Thematik nichts anfangen kann, sondern weil sich die Autorin einfach mit den Themen übernommen hat. Eine russisch-deutsche, gleichgeschlechtlich liebende, transgender Protagonistin jüdischen Glaubens mitten im muslimischen Istanbul während der aktuellen politischen Unruhen – das ist einfach übertrieben konstruiert und nicht mehr glaubwürdig. Da rolle ich mit den Augen und bin raus.

________________

Foto: Gabriele Luger

Verlag: Suhrkamp
366 Seiten, 22,00

 

Der Buchtrailer:

Bildschirmfoto 2017-10-08 um 19.05.46

Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders

Ganz lesen wollte ich es eigentlich nicht. Jedenfalls jetzt noch nicht. Nur mal reinschauen, bisschen schnuppern, blättern, ein paar Seiten anlesen. Ich schlage also die erste Seite auf, lese den ersten Satz, dann den zweiten und um den dritten zu beenden, musste ich bereits einmal umblättern. Bandwurmsätze! Es gibt sie also immer noch. Und es ist kein arrivierter Wortkünstler wie Martin Walser, der hier endlos Nebensatz an Nebensatz reiht, Aussagesätze gefolgt von Relativsätzen, Aufzählungen mit und ohne ‚und’ – nein, es ist ein junger Autor, zwar mit Schnauzbart, aber augenscheinlich trotzdem jung. Und er macht es richtig gut. Schon nach den ersten drei Seiten war ich nicht mehr in der Lage, das Buch aus den Händen zu legen und nach zwei intensiven Lese-Abenden hatte ich den Roman durch und war restlos begeistert.

Ja, so kann es kommen. Auch wenn man gerade entnervt einen hochgelobten Shortlist-Titel abgebrochen hat und vom Lesen an sich mal wieder so richtig angepisst ist, wenn man aufs prall gefüllte Bücherregal schaut und denkt: eine ganze Wand mit nichts zu lesen und dann lustlos im Stapel ungelesener Bücher kramt und schließlich dieses hier rauszieht, weil es ein ästhetisches und ansprechendes Cover hat, aber von einem Verlag ist, der einen neulich erst mit einem total kitschigen Titel enttäuscht hat, man aber trotzdem mal reinblättert, weil man denkt, die können ja nicht nur schlechte Bücher im Programm haben, den ersten Satz liest, dann den zweiten und dritten und weil die alle so lang sind, sich schon mitten in der Geschichte befindet und deswegen immer weiter liest, mit wachsendem Genuss, Seite für Seite bis zum Schluß – ja, das sind dann schon richtige Sternstunden des Lesens.

Ohne etwas Substanzielles zu dem Buch gesagt zu haben, habe ich also mein Urteil schon mitgeteilt. „Das Glück meines Bruders“ ist ein beeindruckendes Leseerlebnis, ein literarisches Kleinod und aufgrund seiner stimmigen Komposition und der außergewöhnlichen sprachlichen Brillanz eine der seltenen Top-Empfehlungen auf Buchrevier.

Dabei klingt die Geschichte in der Zusammenfassung ziemlich konventionell; der übliche Familienbeziehungs-Kram. Zwei Brüder fahren noch einmal nach Doel an die belgische Küste, den Wohnort ihrer Großeltern, wo sie als Kinder und Jugendliche Ihre Sommer verbracht haben. Die Großeltern sind bereits seit Jahren tot, und ihr altes Haus steht wie das gesamte Dorf zum Abriss bereit. Ein neuer Containerhafen soll dort entstehen. Nur noch ein paar letzte standhafte Alte sind noch da, der Rest hat diesen Ort ohne Zukunft längst verlassen. Botho und Arno brechen das bereits verrammelte Haus wieder auf und verbringen ein paar letzte Tage dort. Was unbeschwert und harmonisch begann, wird zu einer beklemmende Reise in die Vergangenheit.

Die beiden Brüder werden in Doel mit dem konfrontiert, was sie all die Jahre erfolgreich verdrängt haben. Botho mit den Erinnerungen an Lenie, seine allerersten Jugendliebe, die er in den pubertären Wirren irgendwann einfach vergessen hat. Und Arno mit unschönen Erinnerungen an den dominanten Großvater. Die morbide Atmosphäre des von seinen Bewohnern verlassenen Dorfes wirkt wie ein Katalysator auf den Gemütszustand der Brüder. Alles kommt wieder hoch und nahezu obsessiv verfolgen Botho und Arno die Spuren der Vergangenheit.

Im Verlauf der Geschichte wandelt sich das Rollenverhältnis der beiden Brüder. Wir lernen Botho als den Vernünftigen der beiden kennen, als den Starken, der sich aus der Enge und dem Mief seines Elternhauses gelöst hat, gegen alle Widerstände das Abitur nachholt, studiert, Lehrer an der Gesamtschule wird und sich all die Zeit auch noch liebevoll um seinen Bruder Arno kümmert, der wiederum mit seinem Leben überhaupt nicht zurecht kommt, sich in den Alkohol flüchtet und manisch-depressive Züge hat. Doch seit Arno mit Anja zusammen ist, kommt er wieder halbwegs auf Spur. Stattdessen gerät Bothos Leben nach dem Urlaub in Doel immer mehr aus den Fugen. Die Suche nach seiner Jugendliebe Lenie wird zur Obsession, er verliert seinen Job, weil er mit der Frau des Schuldirektors geschlafen hat, findet schließlich Lenie irgendwann nach langer Suche, stellt fest, dass auch sie ihn vergessen hat, aber anders als er, sich auch nicht mehr erinnern kann, stürzt in ein Loch und krempelt anschließend sein Leben vollständig um. Am Ende sind Arno und Anja die beiden Vernünftigen, die das Sorgenkind Botho an dem Ort besuchen, wohin er sich geflüchtet hat.

Also eigentlich der übliche ‚Familie-mit-Leichen-im-Keller-Kram‘, schon hundertmal gelesen, aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet, mal in Europa, USA oder sonstwo spielend, mal mit Brüdern, mal mit Schwestern, mal Vater und Sohn, Mutter und Tochter und so weiter und so fort. Und trotzdem: Die Lektüre von „Das Glück meines Bruders“ lohnt sich, weil das Leben nunmal genauso ist, immer wieder solche Geschichten schreibt und Stefan Ferdinand Etgeton das alles wunderbar stimmig aufgebaut hat.

Als wenn sich der Autor all die anderen Romane zu diesem Themenkomplex durchgelesen und genau analysiert hätte, wo es immer wieder hakt, wo Anschlüsse nicht passen, Längen entstehen, der Lesefluss stockt, es sprachlich beliebig und einfallslos wirkt –  um in seinem Werk genau diese Fehler zu vermeiden und es einfach besser machen. Ich finde das ist ihm voll und ganz gelungen.

___________

Foto: Gabriele Luger

Verlag: C.H. Beck
240 seiten, 19,95 €

Der Autor mit Schnauzbart liest seine Bandwurmsätze auf Zehnseiten.de:

Bildschirmfoto 2017-10-01 um 13.13.57

 

 

 

 

Simon Strauß – Sieben Nächte

2

Du bist Anfang zwanzig, hast den Bachelor in der Tasche und letzten Sonntag CDU gewählt? Dann könnte das ein Buch für dich sein. Du fragst dich, wie der nächste Karriereschritt aussehen könnte? Auf eine Stelle bewerben oder lieber noch den Master machen? 40.000 im Jahr müssten jetzt schon machbar sein. In fünf Jahren das Doppelte und spätestens mit 30 dann sechsstellig. So lautet der Plan, das hast du dir fest vorgenommen.

Kein Problem, hau rein, du schaffst das. Aber vorher tue mir bitte noch einen Gefallen: Lies dieses Buch. Es dauert auch nicht lange. Es ist dünn, an einem Abend bist du damit durch. Und dann schlaf einfach mal ne Nacht darüber. Lass das alles auf dich wirken, und wenn du dich am nächsten Morgen fragst, warum ich dir das überhaupt empfohlen habe, was dir dieses Buch hätte sagen sollen, außer ein paar wirren Gedanken, dann ist alles gut. Dann muss ich dir auch gar nichts mehr erklären. Denn dann bist du definitiv auf dem richtigen Weg. Mach einfach weiter so, fordere beim Bewerbungsgespräch 50.000 Euro und bestell dir nach der Probezeit deinen ersten BMW.

Wenn es dir aber beim Lesen der knapp 140 Seiten so ging wie mir, wenn du das schmale Büchlein nicht mehr aus der Hand legen konntest, einige Passagen sogar laut gelesen hast, um die Kraft und den Pathos des Geschrieben besser zu spüren, dann, ja dann brauche ich eigentlich auch gar nichts mehr zu sagen. Es wird jetzt unter Garantie irgendetwas in dir arbeiten.

Innehalten, noch mal über alles nachdenken, sich an sich erinnern – darum geht es in diesem Buch. Und das macht man immer gerne, wenn mal wieder eine Dekade durchlitten ist. Man zieht ein Fazit und definiert neue Ziele. Oder wie Simon Strauß es auf Seite 20 so schön sagt: “Bevor der Moment des Übergangs kommt, die Zukunft mich für immer eingemeindet, will ich den festgelegten Ablauf noch einmal durchbrechen. Will mich mit aller Kraft an den Uhrzeiger hängen und versuchen einmal selbst Anstifter zu sein. Ein einziges Mal will ich spüren, wie es ist, groß anzusetzen, aus dem Schatten hervorzutreten, von oben auf das Geschehen herabzusehen. Ich will. Und ich kann.“

In „Sieben Nächte“ geht es um den Übergang von Zwanzig auf Dreißig – bei mir ist das schon lange her. Und doch kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ich stand in voller Blüte, hatte mein Leben fest im Griff – so dachte ich. In Wirklichkeit aber war ich vollkommen fremdbestimmt. Alles folgte einem geheimen Plan. Familie und Karriere – darum drehte sich alles. In dieser Zeit habe ich nichts gelesen und nichts infrage gestellt. War zufrieden in meinem Hamsterrad.

Was wäre gewesen, wenn ich damals ein Buch wie dieses in die Hände bekommen hätte? Vielleicht hätte ich es nach ein paar Seiten entnervt zur Seite gelegt und es als dummes Geschwätz abgetan. Vielleicht aber auch nicht, denn ich war schon immer anfällig für eine gewisse Form von Größenwahn und Maßlosigkeit – zwei der sieben Todsünden, die in diesem Buch beschrieben werden.

Bevor ich weiter abschweife, will ich kurz noch erzählen, worum es überhaupt geht. Zunächst einmal: Es ist kein Roman, obwohl es eine Art Rahmenhandlung gibt. Der namenlose Protagonist wird demnächst Dreißig, blickt auf sein Leben zurück und schließt mit einem Unbekannten einen Pakt. In sieben Nächten stellt er sich jeweils einer der Todsünden und schreibt seine Erfahrungen auf. Am Ende gibt es ein Fazit. Das war’s auch schon in Sachen Handlung. Alles andere ist freie Assoziation. Simon Strauß lässt seinen Gedanken freien Lauf, schreibt alles auf, was ihm zu den Themen Hochmut, Völlerei, Faulheit, Habgier, Neid, Wollust und Jähzorn durch den Kopf geht. Und dieser Flow ist wirklich bemerkenswert.

Um diese Art Pamphlet genießen zu können, sollte man sich zunächst von der Erwartung frei machen, eine Bestandsaufnahme des geistigen Zustands der Twenty-Something-Generation zu bekommen. Das hier ist auch keine philosophische Auseinandersetzung mit den sieben Todsünden. Es geht nicht um Inhalte, um das, was für Völlerei, für Wollust oder Jähzorn stehen könnte. Auch nicht darum, welcher Versuchung man unbedingt noch nachgehen sollte, bevor man 30 wird. Nein, hier geht es um ein Gefühl, um ganz persönliche Ansprüche, Haltungen und Ansichten. Subjektiv verbrämt und nicht vollständig durchdacht – so wie Tagträume und Gedankenströme nun mal sind. Diese Authentizität macht das Buch für mich so wertvoll und überzeugend.

Wer keinen emotionalen Zugang findet, wird mit diesem Buch stranden. Eine rationale Auseinandersetzung mit dem Text macht erstens keinen Spaß und fördert zweitens zahllose Ungereimtheiten, geschwätzige Wiederholungen, antiquierte Begriffe und schräge Wortbilder zutage. Katharina Herrmann hat das in ihrer sehr lesenswerten Rezension wunderbar treffend ausgeführt. Mich hat das alles nicht gestört. Stattdessen habe ich mich an der Sprachmelodie und dem Rhythmus erfreut. Ich kann nur empfehlen, es laut zu lesen. Schon nach wenigen Seiten ist man im Flow.

Wenn ich ehrlich bin, ist dieses Buch genau das, was ich immer schon hätte schreiben wollen. Damals Mitte/Ende zwanzig, als ich mir vorgenommen habe, im Leben keine kleinen Brötchen zu backen, immer das etwas größere Rad zu drehen und mutig nach vorne zu gehen.

Damals? Eigentlich hat sich nichts verändert. Ich will das alles immer noch. Gleich morgen fang ich damit an.

____________

Foto: Gabriele Luger

Verlag: Blumenbar Verlag (Aufbau) 
140 Seiten, 16,00 €

Édouard Louis – Im Herzen der Gewalt

2

Ich finde solche Geschichten ja immer etwas übergriffig. Da lässt einer die Hosen runter, erzählt schonungslos von einem schrecklichen Erlebnis, von Demütigung, Raub, Vergewaltigung, versuchtem Mord. Er beschreibt seine Todesangst, die Schmerzen, das Davor und das Danach, die Konsequenzen, die Rückblenden, die quälenden Gedanken und Erinnerungen. Für ihn ist danach nichts mehr so, wie es vorher war. Das alles schreibt er auf, macht sich nackig, lässt nichts aus, schont und schützt sich nicht.

Was soll, was kann man als normal empfindender Mensch anderes dazu sagen, außer: Chapeau! Kompliment, das ist mutig, wichtig, vorbildlich. Vielleicht noch: tut mir leid, das hat mich tief bewegt, mich wütend und traurig gemacht. Aber es ist richtig und wichtig, dass das mal aufgeschrieben wurde. Nicht nur der Vorfall an sich, auch das Danach, das Verarbeiten, die Strafverfolgung, die erneute Demütigung, all die Urteile und Vorurteile. Das alles passiert ja immer wieder, ist beileibe kein Einzelfall. Ein wichtiges Buch, gerade heutzutage, das einen zwingt, auch mal wieder über Verständnis und Toleranz nachzudenken.

So weit so gut. Aber wenn man nun eine ganz andere Meinung zu diesem Buch hat? Wenn man es übertrieben, langatmig, aufgeblasen, nervtötend, kalkuliert und in höchstem Maße übergriffig findet, ist das dann auch ok? Oder ist man dann automatisch unsensibel, ein ungehobelter, grober Klotz, ohne Empathie und Mitgefühl? Darf man so eine persönliche Beichte, einen Therapieroman überhaupt kritisieren? Den Aufbau, die Lesestimmung, die Dramaturgie? Ist es legitim, dem Autor vorzuwerfen, dass die vielen Erzählperspektiven sich nicht stimmig zusammenfügen? Darf man sich überhaupt ein Urteil erlauben, wenn man selber nichts vergleichbar Schreckliches erlebt hat?

Das meine ich, wenn ich sage, die Geschichte ist übergriffig. Als Leser ist man im Opferschutz-Programm gefangen. Ich fühle mich nicht frei, anders zu urteilen, als wie der Klappentext es vorgibt: „…ein literarischer Schock“, „mutig und aus tiefer Notwendig heraus geschrieben “, „nuanciert, aufwühlend, sprachgewaltig“ von “einem der bedeutendsten Autoren seiner Generation“. Das sind die politisch korrekten Meinungsbilder, das darf gesagt werden. Alles andere verbietet einem der Respekt vor dem Geschehenen und der Person des Autors.

Und jetzt frage ich mich, warum müssen wir Leser eigentlich wissen, dass dieser Roman autobiografisch ist? Um die erzählerischen Schwächen durch ein Mehr an Authentizität wieder auszugleichen? Wie dem auch sei, mich hat das Beschriebene weder geschockt, noch fand ich es erzählerisch oder sprachlich besonders. Es hallt nicht nach, es bleibt nichts zurück. Ich hab’s vor knapp zwei Wochen gelesen und fast schon wieder vergessen.

Erinnern tue ich mich aber an den erhobenen Zeigefinger, mit dem der Autor auf Vorurteile und Ressentiments gegenüber Ausländern und Homosexuellen hinweist. Und das ist insofern besonders fragwürdig, weil alles, was passiert, eigentlich den gängigen Klischees entspricht. Spontaner, schneller Sex mit einem Unbekannten – das scheint nicht ungewöhnlich in der Schwulenszene zu sein. Ebenso klischeehaft ist das Bild des Nordafrikaners, der körperliche Nähe sucht, um einen zu beklauen. Und wenn Edouard Louis dann betont, dass der Täter kein normaler Algerier, sondern ein Kabyle ist, sagt das in meinen Augen gar nichts aus und ist stattdessen nur eine andere Form von Rassismus.

Ich habe mir den Autor bei Youtube angeschaut. Ein sehr sympathischer Kerl – introvertiert und nachdenklich. Kein aufgeregtes Huhn, kein Show-Typ. Ich nehme ihm ab, dass er aus dem Erlebten keinen Profit schlagen wollte. Dass er nur nach einem Weg gesucht hat, das alles zu verarbeiten. Es tut mir ehrlich sehr leid, was ihm passiert ist. Aber berührt hat mich seine Geschichte nicht.

_____________

Foto: Gabriele Luger

Verlag: S. Fischer
217 Seiten, 20,00 Euro
Aus dem Französischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel

Weitere Besprechungen zu dem Buch bei: Masuko13letteratura und Literaturen

 

Blogger unter Leistungsdruck

17

19.00 Uhr – ich bin endlich zu Hause, begrüße Frau und Hund. Zum Abendessen gibts gebratene Hühnerbrust mit Salat, danach noch ein paar Sätze über dies und das. Kurz vor acht gehe ich dann hoch und setze mich in meinen Sessel. Die aktuelle Lektüre hat noch ca. 150 Seiten, aber ich tue mich etwas schwer damit. Sprachlich grandios, aber auch anstrengend, weil nicht gerade spannend. Da passiert nicht viel. Introspektiv eigentlich schon, aber eine echte Handlung ist das nicht. Und in letzter Zeit bin ich abends ziemlich platt. Kann mich schwer konzentrieren. Maximal 30-40 Seiten werde ich heute schaffen, bevor mir zum ersten Mal die Augen zufallen. Doch die Zeit drängt. Spätestens am Wochenende ist der nächste Beitrag fällig. Also noch zwei Abende zum Lesen und einen zum Schreiben. Dann darf aber nichts mehr dazwischen kommen. Keine Einladung bei Freunden, keine familiäre Verpflichtung, keine Projekte im Garten. Klappt schon irgendwie.

Also los jetzt. Nicht Facebook gucken, Handy aus und lesen. Vielleicht packt mich das Buch ja doch und ich schaff heute noch 50 oder 100 Seiten. Dann wäre ich wieder voll im Zeitplan. Und wenn nicht, muss ich mir was anderes überlegen. Vielleicht mal wieder ‘ne Liste, irgendetwas Witziges. Könnte diesen Monat eh noch ein paar Klicks gebrauchen. Nur mit Besprechungen kann man ja nichts reißen. Das wird zur Kenntnis genommen, aber viel mehr passiert da nicht. Ich glaube, bei den anderen ist es ähnlich. Irgendwie stagniert im Moment alles. Der Markt scheint gesättigt. Wachstum ist kaum noch möglich, es sei denn durch Verdrängung. Die Erfolgskonzepte von gestern funktionieren nicht mehr. Kaum einer kann mit Sicherheit sagen, was gut und was weniger gut läuft. Eines steht aber fest: Auf die Bücher kommt es nicht an. Egal ob total angesagt oder vollkommen unbekannt – ich hatte schon Tops und Flops in beiden Bereichen. Selbst böse Verrisse oder das beliebte Blogger-Bashing sorgen nur noch für ein müdes Schulterzucken.

Ehrlich gesagt bin ich grad komplett ratlos und glaube langsam, dass viraler Erfolg so ein Random-Ding ist. Man kann es nicht beeinflussen, sondern nur immer wieder probieren. So wie die traurigen Gestalten von gegenüber, die jeden Tag aufs Neue die Spielhalle betreten und die Automaten mit Münzen füllen. Irgendwann kommt der Jackpot, ganz bestimmt sogar, man darf nur nicht aufhören, daran zu glauben. Einfach Weitermachen – so lautet das Mantra. Geduld und Stehvermögen haben und den Frust einfach runterschlucken. Irgendwann zahlt sich das dann aus. Und stell dir bloß mal vor, du hörst kurz vorher auf. Der letzte Heiermann, der den Jackpot bringen würde, den sparst du dir und kaufst dir dafür stattdessen ein Bier und ne Bratwurst. Das tut gut im Magen, aber dann hörst du es im Hintergrund auf einmal klackern. Dein Automat spuckt den Hauptgewinn aus, aber ein anderer steht davor und kann sein Glück kaum fassen. Dein Glück in anderen Händen. Kann passieren. Warum hast du auch aufgehört? Noch ein Fünfer und der Automat wär fällig gewesen. Aber du, du hattest ja Hunger.

Ich ertappe mich beim Träumen. Habe mal wieder drei, vier Seiten gelesen und an etwas ganz anderes gedacht. Also noch mal zurückblättern und schauen, wo sie mich verlassen hat, diese Geschichte, die nicht meine ist. Die sich zieht, wie Kaugummi, nichts mit mir zu tun hat, mich langweilt, mich wegträumen lässt. Was tue ich mir hier eigentlich an? Jeden verdammten Abend in diesem Sessel sitzen, mich konzentrieren, zuhören, in fremde Leben eintauchen. Als wenn ich kein eigenes hätte, keine Probleme und Geschichten, die sich zu erzählen lohnen. Habe ich aber. Da ist ganz viel Introspektives, auch in mir drin. Könnte ich ja auch mal einfach so rauslassen, runterschreiben und irgendein armer Hund müsste das dann lesen und versuchen, sich einen Reim darauf zu machen. Würde mir das gefallen? Wäre das der Jackpot?

Sei doch mal locker. Nicht immer so grumpy. Eigentlich ist doch alles gut. Wenn am Wochenende nichts online geht, ist auch egal. Das stört keinen großen Geist. Lass mal chillen, lass mal Leben an dich ran. Nicht aufgewärmt, nicht Second Hand. Eigenes Leben.

Wer sagt mir das? Bin ich das? Ich höre mich ja schon an, wie die da draußen. Wie die, die jetzt kommentieren würden, dass ich mal ne Pause bauche, mich nicht zwingen sollte und dass es wichtigeres im Leben gibt als den Blog. Mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke. Nein, ich bin ok, mir geht es gut. Kein Chance Leute, mich werdet ihr nicht los. Ich schmeiße weiter Münzen in den Automaten und warte auf den Jackpot. Also, wo war ich stehen geblieben? Ach ja, meine aktuelle Lektüre hat noch ca. 150 Seiten, aber ich tue mich etwas schwer damit. Sprachlich grandios, aber auch anstrengend, weil nicht gerade spannend. Maximal 30-40 Seiten werde ich heute schaffen, bevor mir zum ersten Mal die Augen zufallen. Doch die Zeit drängt. Spätestens am Wochenende ist der nächste Beitrag fällig.

 

_________

Foto: Gabriele Luger

 

Colson Whitehead – Underground Railroad

1

Ja, das ist ein wichtiges Buch. Ja, gerade jetzt in dieser Zeit. Ja, man sollte es lesen, unbedingt. Und wenn man mich dann noch fragt, ob es auch Spaß macht, gut geschrieben ist und einen nachhaltig bewegt, kann ich nur antworten: Ja! Ja! Ja!

Wer kurze und knackige Empfehlungen mag, kann jetzt schon aufhören zu lesen, sollte stattdessen lieber in die Buchhandlung gehen und sich dieses Buch besorgen. Und wer wie ich als Kind voller Begeisterung ‚Onkel Toms Hütte‘ und ‚Tom Sawyers Abenteuer’ gelesen hat, mit Tränen in den Augen die Verfilmung von Haleys ‚Roots’ im Fernsehen gesehen hat und zuletzt auch Tarantinos ‚Django unchained’, wird von ‚Underground Railroad‘ nicht minder beeindruckt sein.„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ – hier zeigt sich wieder mal, wie wahr das ist.

Aufgrund der genannten literarisch/filmischen Vorbilder erscheint einem das Setting von ‚Underground Railrood’ merkwürdig vertraut: Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Baumwollplantage in den Südstaaten. Man sieht das hölzerne Herrenhaus mit großer Terrasse, den Plantagenbesitzer mit weißem Hut und schlechten Zähnen und die eingeschüchterten Sklaven geradezu vor sich. Colson Whitehead erzählt die Geschichte des Sklavenmädchens Cora, die auf so einer typischen Baumwollplantage in Georgia aufwächst. Zusammen mit Caesar flieht sie eines Tages von der Farm und entkommt mithilfe der sogenannten Underground Railroad in die Freiheit.

Natürlich läuft das alles nicht reibungslos, nicht ohne Rückschläge. Nach ein paar Monaten trügerischer Sicherheit in North-Carolina, folgt die erneute Flucht und Gefangennahme. Underground Railroad ist über weite Strecken ein typischer Abenteuerroman, der einen als Leser fasziniert mitfiebern und nägelkauend Seite um Seite umblättern lässt. Man braucht ein wenig, um reinzukommen, doch dann kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen und liest die 350 Seiten in einem Rutsch durch.

Obwohl ich mich schon immer für das Thema interessiert habe, von einer Underground Railroad hatte ich noch nie gehört. Und natürlich hat dieses geheime unterirdische Eisenbahnnetz, über das die Sklaven quer durchs Land bis nach Kanada flüchten konnten, so nicht existiert. Die Railroad war vielmehr ein informelles Netzwerk, eine Art Fluchthilfe-Geheimbund der Sklavengegner. Und während all die geschilderten Grausamkeiten in der einen oder anderen Form sicherlich genau so stattgefunden haben, hat es die langen Fahrten durch die dunklen, kalten Tunnel der Underground Railroad so nie gegeben. Diese surreale Finesse hebt die Geschichte auf eine andere Ebene, unterscheidet diesen Roman von ‚Onkel-Toms-Hütte‘, ‚Roots’ und den unzähligen anderen Abenteuer- und Fluchtromanen.

Vor mehr als zehn Jahren habe ich schon mal einen Roman von Colson Whitehead gelesen. Natürlich kann ich mich nicht mehr an alle Handlungsdetails erinnern – in ‚John Henry Days’ ging es auch um Afroamerikaner, um Eisenbahnbau und die triste amerikanische Provinz. Die Lese-Stimmung war ähnlich intensiv, beeindruckend und pageturnend. Whitehead ist ein Meister seines Fachs, ein beeindruckender Erzähler, der gut unterhält und gleichzeitig zum Nach- und Weiterdenken anregt. Immer wieder musste ich beim Lesen kurz innehalten und den aufkommenden Gedanken nachgehen. Zum Beispiel, welches Verbrechen der amerikanischen Geschichte wohl schlimmer zu werten ist: die Vertreibung, der Mord und die Kasernierung der amerikanischen Ureinwohner oder die Sklavenhaltung auf den Baumwollplantagen der Südstaaten? Einen Menschen als Eigentum zu betrachten, als Gebrauchsgegenstand, ihn zu quälen, zu missbrauchen und wenn er nichts mehr taugt, einfach zu töten – einfach weil man es kann? Oder aber einem Menschen alles wegzunehmen ­– Land, Identität, Kultur – und ihn mit ein paar Flaschen Whisky zum Trost seinem Schicksal zu überlassen?

Auf dem Backcover steht. „Ihr werdet das wahre Gesicht Amerikas sehen.“ Nun ja – seit Donald Trump hat man das Gefühl, dieses Gesicht sehr gut zu kennen. Und man weiß mittlerweile auch, dass das Thema immer noch nicht durch ist. Sklaverei und Rassentrennung sind zwar seit Jahrzehnten abgeschafft, aber in den Köpfen der weißen Landbevölkerung hat sich nicht viel verändert. Die Vorfälle in Charlottesville zeigen, dass all das, was in diesem Buch als Vorkommnisse aus der Mitte des 19.Jahrhunderts beschrieben wird, eigentlich jederzeit wieder passieren kann. Irgendwie habe ich das Gefühl, entwickeln sich im Moment überall auf der Welt Dinge wieder zurück. Konflikte, die wir überwunden zu haben glaubten, entzünden sich aufs Neue. Manchmal wünsche ich mir, einfach eine geheime Falltür zu öffnen und mit der Underground Railroad vor all dem zu flüchten. Kilometerweit durchs dunkle Tunnelsystem bis nach Kanada, ein Land, das damals wie heute eine echte Alternative zu sein scheint. Doch Wölfe gibt es da auch, sogar echte.

___________

Foto: Gabriele Luger

Verlag: Hanser
352 Seiten, 24,00 Euro
übersetzt von: Nikolaus Stingl

 

José Eduardo Agualusa – Eine allgemeine Theorie des Vergessens

4

Ich schreibe hier den Namen des Autors hin, der gar nicht mal so schwer zu merken ist, und vergesse ihn innerhalb von zwei Minuten wieder. Schon seit einigen Jahren beobachte ich dieses Phänomen an mir und kann es nicht erklären. Da ist scheinbar ein ganz großes schwarzes Loch in meinem Gehirn, wo alles hineinfällt und verschwindet, was irgendwie mit Literatur aus Spanien, Portugal oder Lateinamerika zu tun hat.

Vielleicht ändert sich das ja irgendwann mal – so meine Hoffnung – wenn ich endlich mal ein wirklich gutes Buch aus einem dieser Länder gelesen habe. Eines, das sich nicht wie ein Märchen für Erwachsene anhört. Eine Geschichte, die keine Allegorie für irgendetwas sein will, nicht gefühlsüberladen oder kitschig-sentimental. Und so versuche ich es immer wieder, greife zu diesen für mich namenlosen Autoren, um immer wieder neu enttäuscht zu werden. Im besten Falle lege ich das Buch mit einem Schulterzucken zur Seite und vergesse es noch im selben Moment. Oder aber ich pfeffere es nach ein paar Seiten angeekelt in die Ecke und schwöre mir, nie wieder auch nur den Versuch zu wagen.

Leider war auch dieser Roman keine Ausnahme, obwohl der Titel „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ und die Story eigentlich ganz vielversprechend klangen. Da mauert sich eine Frau am Vorabend der angolanischen Revolution im Penthouse eines Hochhauses ein und lebt dort dreißig Jahre unentdeckt. Mich hat interessiert zu erfahren, wie man das überlebt, so ohne Lebensmittel, Wasser und Strom, warum man das überhaupt macht und was einem in dieser Zeit so alles durch den Kopf geht. Von einer angolanischen Revolution hatte ich vorher auch noch nie gehört und auch noch nie einen Roman gelesen, der in diesem Land spielt. Also die Bereitschaft, mich auf diese Geschichte einzulassen, war durchaus da, zumal der Zeitbedarf für die Lektüre sich angesichts der gerade mal 190 Seiten in Grenzen hält. Aber es war auch dieses Mal wieder nichts Anderes als eine schnöde Märchenstunde.

Dieser portugiesische Autor, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, kann sich natürlich nicht darauf beschränken, nur die Geschichte seiner Hauptfigur Ludovica zu erzählen. Nein, er lässt noch eine ganze Reihe holzschnittartig gezeichneter Figuren auftauchen, die alle entweder gut oder böse, bettelarm oder steinreich sind. Da wird ein skrupelloser Auftragskiller in den Wirren der Revolution an die Wand gestellt und exekutiert. Doch er stirbt nicht, wird von einer guten Fee namens Magdalena aufgenommen, gesund gepflegt und in einem angolanischen Stammesdorf versteckt, wo aus dem Saulus ein Paulus wird. Dann ist da noch ein tanzendes Flußpferd, ein Affe, eine Taube mit Diamanten im Bauch, ein kleiner Straßenjunge sowie eine verloren geglaubte Tochter. Und natürlich darf in der kitschig-schwülstigen Märchenwelt auch eine große Bibliothek mit mehreren tausend Büchern nicht fehlen. Am Ende kommt es zum großen Showdown, vor der Tür der Alten, Gut trifft auf Böse und oh Wunder – das Gute gewinnt.

Das ist jetzt natürlich etwas zynisch zusammengefasst und meinem gestörten Verhältnis zu ibero-literarischen Erzeugnissen geschuldet. Aber es kann doch wohl nicht sein, dass ich immer wieder meine Vorurteile bestätigt bekomme. Gibt es eigentlich keine coolen spanisch- oder portugiesisch-sprachigen Gegenwartsautoren? Natürlich muss es die irgendwo geben, ich kenne sie nur nicht. Mein Verdacht ist ja, dass die nicht-kitschigen Spanier und Portugiesen einfach nicht ins Deutsche übersetzt werden und daher hierzulande gar nicht stattfinden. Und der Verlagsbranche ist das auch nur recht, denn Märchen für Erwachsene verkaufen sich gut. Wo Xavier, José oder Paolo draufsteht, ist immer ganz viel Gefühl mit drin – zum Schwelgen, zum Träumen und Sich-Verlieren. Und immer gibt es eine Botschaft, eine Lebensweisheit, mit der man am Ende der Lektüre belohnt wird. Warum sollte man sich diese Marke kaputt machen, indem man junge, außergewöhnliche Autoren/innen mit schrägen oder gar verstörenden Texten publiziert?

Die Botschaft nach der Lektüre dieses Romans lautet für mich: Nicht aufgeben und weiter auf der Suche nach einem/r guten Spanisch oder Portugiesisch schreibenden Autor/in bleiben. Ich melde mich, wenn ich endlich fündig geworden bin.

 

__________

Verlag: C.H. Beck
übersetzt von: Michael Kegler
197 Seiten, 19.95 €