Sibylle Berg – GRM Brainfuck (Hörbuch)

Der mittelalte Mann sitzt in seinem Sessel und schmunzelt. Gesundheitszustand: den Umständen entsprechend. Beruf: irgendwas mit Medien. Intelligenz: durchschnittlich. Ethnie: Migrationshintergrund. Hobbys: liest Bücher.

Er hat dieses zufriedene Grinsen im Gesicht, was sich immer einstellt, wenn er ein gutes Buch gelesen oder gehört hat. Wenn Literatur ihn catched, ihn in ihren Bann zieht, seine Gedanken kapert, sich in seine Träume schmuggelt – dann, ja dann ist er glücklich, fühlt sich wohl in seiner Haut. Dabei ist das, was er da gerade gehört hat, alles andere als ein Wohlfühl-Szenario. Gegenwart 2.0, Dystopie reloaded, Schwarzmalerei in 4K. Geschrieben von einer mittelalten Autorin. Herkunft: DDR. Status: etabliert, aber keine Preise. Typ: schräger Vogel mit Hochsteckfrisur.

Er kennt die Autorin vom Hörensagen schon seit Jahren, hat aber bisher noch nie etwas von ihr gelesen. Ihren letzten Roman hat er mal seiner Mutter zum Geburtstag geschenkt. Die war empört. Wie kommst du darauf, dass mir so ein Schweinkram gefällt? Er hat nur mit den Schultern gezuckt und meinte, dass die Blogs voll des Lobes wären. Aber das muss ja nichts heißen, wie er mittlerweile weiß.

Ihr aktuelles Buch hat er vor ein paar Wochen beim Verlag als Rezensionsexemplar angefragt, aber bis heute ist es nicht angekommen. Die sind doch wohl nicht sauer wegen dem Verriss zu Bret Easton Ellis? Dessen Status: ehemaliger Kult-Autor. Gefährderpotential: alt, weiß, männlich. Letzte Buch-Veröffentlichung: grottig.

Egal, abgehakt. Dann eben GRM als Hörbuch. Ist bei diesem Titel – dessen Lektüre, wie er schon von verschiedenen Seiten gehört hat, ziemlich fordernd sein soll – wahrscheinlich eh die bessere Wahl. Und dann noch Torben Kessler und Lisa Hrdina. Zwei Sprecher, die es wirklich können. Was soll da noch schief gehen? Knapp 17 Stunden hat er sich das alles angehört, hat Hannah, Don, Peter und Karen durch ihren Alltag begleitet, genauso wie die achtjährige Nutte, den russischen Oligarchen, den MI5-Agenten und den britischen Aristrokratenspross. Und mit der Zeit sind ihm all diese kranken Protagonisten ans Herz gewachsen. Der mittelalte Mann leidet mit. Jeder Tritt in den Magen, jeder brechende Knochen tut auch ihm weh – zunächst. Doch irgendwann setzt auch bei ihm der Abstumpfungsprozess ein. Wieder einer tot, ja nun.

Sybille Bergs Opus Magnum klingt, als hätten sich Virginie Despentes, T. C. Boyle, Michel Houellebecq und Marc Uwe Kling zusammengetan, um den ultimativen Abgesang auf unsere Zeit zu schreiben. Ein furioses Sittengemälde, ein buntes Gemisch negativer Assoziationen, Interpretationen und Prognosen zu den aktuellen gesellschaftspolitischen Brandherden und als Folge all dessen: die materielle und geistige Verarmung nahezu aller Bevölkerungsschichten. Der totale Überwachungsstaat, 2.0 Maschinenmenschen ohne Stuhlgang, Love-Roboter. Aber hey – es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen und Karma-Punkte!

Der ganze Roman ist ein wirrer Haufen krudes Zeug, ein einziges Hin und Her, ein Flickenteppich verschiedenster Schicksale und Ideen. Ab und zu verliert man den Überblick, hat das Gefühl zu ersticken, es nicht mehr ertragen zu können. Trotzdem oder gerade deshalb ist der letzte lesende Mann schwer begeistert und kürt diesen Roman zu einem der besten Romane des Jahres.

Dystopien boomen, und das tun sie vollkommen zurecht. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir alle nochmal mit einem blauen Auge aus diesem aktuellen Gemengelage von Neoliberalismus, Genderwar, Migration und Rassismus, Digitalisierung, Datenflut, Brexit, Nationalismus und künstlicher Intelligenz herauskommen, ist eher gering. Und so tief wie der Karren schon im Dreck steckt – da ist sich der mittelalte Mann mit der mittelalten Autorin einig – wäre ein Happy End auch mehr als unglaubwürdig. Nein, wer noch einen Funken Verstand und Weitsicht hat, wird ahnen, dass das alles nicht gut gehen kann, dass wir Menschen so ziemlich am Ende sind. Und das nicht erst irgendwann in ferner Zukunft, sondern schon bald. In fünf oder zehn Jahren.

Und warum auch nicht? War es nicht schon immer so? Alte Ordnungssysteme lösen sich auf und etwas Neues entsteht. Was da kommen wird, an die Stelle des Jetzigen tritt und wann genau das sein wird, weiß keiner. Aber das ist auch egal, denn wir werden dabei sowieso keine Rolle mehr spielen.

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Foto: Gabriele Luger

Verlag: Argon Hörbuch
Sprecher: Torben Kessler, Lisa Hrdina
16h, 55 min, 19,95 €
Hörprobe

Print:
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
640 Seiten, 25,00 €

Bret Easton Ellis – Weiß

Auf Facebook und Instagram habe ich schon geschrieben, was ich von diesem Buch halte. Nämlich nichts. Es ist nicht nur in weiten Teilen sterbenslangweilig, wenig originell und fast schon einfältig. Es ist auch wehleidig, selbstverliebt und am Ende einfach ein kompletter Schuss in den Ofen. Dabei war Bret Easton Ellis bis dato einer meiner literarischen Helden. So alt wie ich, aber während ich noch Zivildienst machte, hatte er schon seinen ersten Roman ‚Unter Null’ veröffentlicht. Kurz darauf den zweiten, und im Alter von 27 kam dann American Psycho, ein Buch, das ihn zur Legende und unsterblich gemacht hat. Danach hätte er sich zur Ruhe setzen und seinen Ruhm genießen können. Aber was macht der Kerl? Er twittert sich um Kopf und Kragen und zerstört mit diesem Buch voll windiger Ausflüchte und Erklärungen sein Denkmal bis auf die Grundmauern.

Es ist nicht so, dass alles kompletter Blödsinn wäre, was er so in diesem Memoir behauptet. Ja, noch nicht mal einzelne Aussagen könnte ich rausgreifen und sagen: Seht her, das geht doch gar nicht. Es ist der Grundtenor, der ein ungutes Gefühl in mir aufkommen lässt. Wenn Ellis von den Linken als eine sich moralisch überlegen fühlende, intolerante und autoritäre Wutmaschine spricht, wenn er den Trump-Gegnern einen kindischen Faschismus unterstellt, die Generation der Millenials als übersensible Weicheier bezeichnet, dann mag überall vielleicht ein Fünkchen Wahrheit dahinter stecken, aber insgesamt erinnert mich das doch sehr an das Vokabular latent reaktionärer Kräfte, die einfach nicht einsehen wollen, dass sich die Gesellschaft in den letzten zehn, fünfzehn Jahren verändert hat und bestimmte Dinge einfach nicht mehr toleriert werden.

Und wer nachts im besoffenen Kopf zum Handy greift, um bei Twitter einfach mal seine Meinung herauszulallen, darf sich nicht wundern, am nächsten Morgen ein böses Erwachen zu erleben. Und so erscheinen mir viele Passagen im Buch wie nachträgliche Rechtfertigungen und an den Haaren herbeigezogene Erklärungsversuche für misslungene Tweets. Und wie immer, wenn einer aus der Defensive argumentiert, klingt auch seine Kritik an den Tugendwächtern und Wörtlichnehmern auf Twitter wie die beleidigte Retourkutsche eines abgehalfterten VIP, der krampfhaft versucht, sein ramponiertes Image wieder aufzupolieren.

Wenn es denn wenigstens halbwegs originell wäre, hätte ich der Lektüre ja noch irgendetwas Künstlerisches abgewinnen können. Aber gerade am Anfang liest es sich wie eine Aneinanderreihung peinlicher Facebook-Posts von Leuten, die ihre Kindheit in den Siebzigern glorifizieren. „Wir waren immer aktiv und in Bewegung, ob auf Spielplätzen oder in Parks; das Fernsehen bestand nur aus ein paar Dutzend Sendungen; unsere Eltern waren praktisch nicht existent.“

Ja, lieber Bret Easton Ellis, du hast es ganz richtig erkannt: seit damals hat sich ganz schön was getan in der Welt. Alles ist wesentlich komplexer und vielschichtiger geworden, alte Besitzstände, Hoheitszonen und Denkmuster sind weitestgehend verschwunden. Dazu gehört auch, dass man sich den Respekt, von dem man glaubt, man hätte als relevanter Gegenwartsautor einen Anspruch drauf, täglich neu erarbeiten muss. Vor 28 Jahren mal einen Mega-Bestseller geschrieben zu haben und danach eigentlich nur noch mittelmäßiges Zeug, ist definitiv zu wenig. Wahrscheinlich würde „American Psycho“ heutzutage nur noch ein müdes Schulterzucken provozieren. Denn so weichgespült und übersensibel sind die von Ellis abschätzend „Generation Weichei“ genannten Millenials gar nicht. Sie sind sogar ziemlich hart drauf und wesentlich kompromissloser als wir Babyboomer.

Ich gebe Ellis recht, dass die dauerempörte Stock-Im-Arsch-Fraktion den Wahlsieg Trumps wohl erst möglich gemacht hat. Weil es genügend Menschen gibt, die von der zunehmenden Komplexität und dem gesellschaftlichen Wandel überfordert sind und sich nach einfachen und althergebrachten Lösungen sehnen. Menschen, die sich den gepflegten Herrenwitz nicht verbieten lassen wollen und immer noch in den Achtzigern leben. Aber wie Ellis zu sagen: „ich bin ja auch gegen Trump, aber der Typ ist nun einmal gewählt, findet euch damit ab und hört auf zu nerven“, ist in meinen Augen fast noch schlimmer. Trump ist eine lebende Katastrophe und eine Gefahr für den Weltfrieden und wer als us-amerikanischer Autor nicht nur nichts dagegen tut, sondern sich auch noch über die, die etwas tun, lustig macht, der hat bei mir sämtliche Sympathien verspielt.

Da hilft auch nicht, dass Ellis auf den über 300 Seiten von „Weiß“ immer wieder betont, dass kein Grund besteht, sich aufzuregen. Denn das ist ja alles nur seine persönliche Meinung und die wird man ja wohl noch äußern dürfen. Darf man, lieber Bret Easton Ellis und die Generation Weichei wird sich dafür einsetzen, dass Du das auch in Zukunft weiter tun darfst. Bei Trump wäre ich mir da allerdings nicht so sicher.

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Foto: Gabriele Luger

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
316 Seiten, 20,00 €

Alfred Döblin – Berlin Alexanderplatz

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Da ist also dieser Franz Bieberkopf, einsachtzig groß und kräftig. Einer mit ‘nem ganz normalen Leben, das nicht immer einfach war und weiß Gott nicht nach Plan verlief. Er hat sich durchboxen müssen, das sieht man ihm an. Das hat sich in seine Gesichtszüge eingebrannt. Einen Arm hat er verloren. Und die Ida und die Mieze, die hat er auch verloren. Und am Ende hat er auch noch sich selbst verloren. Und doch ist er geblieben; als Name im Gedächtnis einer ganzen Kulturnation. So wie ein Felix Krull, ein Oskar Matzerath und irgendwann vielleicht auch ein Gereon Rath. Literarische Ikonen, Namen, die stellvertretend für etwas stehen – eine Zeit, ein Gefühl, ein Schicksal.

Man liest dieses berühmte Buch, das es einem wahrlich nicht immer einfach macht, und sieht dabei unseren Franz Bieberkopf durch Berlin staksen, die Torstraße hoch zum Rosenthaler, dann mit der Elektrischen weiter in den Wedding, auf ein paar Mollen beim Emil einkehren, sich mit dem Reinhold, der hinterlistigen Sau, an einen Tisch setzen. Man hört den beiden zu, wie sie was ausbaldowern. Irgendeine krumme Nummer, ein Einbruch, ein wenig Hin- und Hergeschiebe von Klamotten. Nichts Großes, Herr Kriminalrat, nur ein wenig Taschengeld aufbessern. Von irgendwas muss man doch leben, wenn die Zeiten schon so hart sind.

Berlin in den Goldenen Zwanzigern – das ist seit Babylon Berlin wieder total en Vogue. Doch um Döblins ‚Berlin Alexanderplatz‘, eigentlich das Standardwerk und Must-Read für alle, die sich für diese Zeit interessieren, machen die meisten einen großen Bogen. Und auch ich hatte zunächst meine Schwierigkeiten. In meinen Zwanzigern hatte ich mich schon mal daran versucht und vor ein paar Jahren dann noch einmal. Beide Male habe ich es irgendwann dran gegeben, obwohl es mir prinzipiell ganz gut gefallen hat. Aber die vielen Schwenks zu Personen, die man nicht sofort zuordnen konnte, die zahlreichen Passagen freier Assoziation, die biblischen Vergleiche, die Schlachthof-Szenen, der nicht immer stringente Handlungsverlauf – das alles bedarf eines geduldigen Lesers. Und das bin ich nicht immer.

Jetzt also ein dritter Versuch, diesmal mit Unterstützung der Hörbuchversion – einen Teil hören, einen Teil lesen – und diesmal hat es geklappt. Passagen, die ich beim Lesen überaus beschwerlich und ermüdend empfand, und weswegen ich in der Vergangenheit die Lektüre immer wieder abgebrochen habe, erschienen mir beim Zuhören nicht nur erträglich, sondern geradezu grandios. Und das lag nicht zuletzt auch an der sehr gelungenen Interpretation von Hannes Messemer, dem bereits 1991 verstorbenen Schauspieler und Hörspielsprecher, der die für diesen Roman unerlässliche ‚Berliner Schnauze‘ besonders gut beherrscht.

Und so habe ich endlich erfahren, warum dieses Werk zu den ganz großen Romanen der deutschen Literatur gehört, das wirklich jeder, der sich für gute Literatur begeistern kann, unbedingt gehört oder gelesen haben sollte. Döblin zeichnet nicht nur das beklemmende Psychogramm eines Menschen, dem es trotz aller Mühen nicht gelingt, ein anständiges Leben zu führen, es gibt auch kaum einen Berlin-Roman (und ich habe schon viele gelesen), der einen die Stadt, die Zeit und die Menschen so eindrücklich erleben lässt. Am Ende war ich wie berauscht, freute mich wie Bolle, dass ich die Hindernisse überwunden habe und tief, ganz tief einsinken konnte in die Welt des Franz Bieberkopf.

Besonders beeindruckend sind die Dialoge. Hier hat Döblin den Barlinern janz jenau uff de Schnauze jekiekt und uffjeschrieben, wie die so sabbeln. Das liest sich am Anfang etwas schwierig, aber irgendwann ist man drin und dann ist das unglaublich lebendig und authentisch und in der Hörbuchversion der reinste Genuss.

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Foto: Gabriele Luger

Print: Fischer Klassik, dtv
Taschenbuch, 560 Seiten, 12,00 Euro

Hörbuch: Deutscher Audio Verlag 2018
Gesprochen von Hannes Messemer, 12:01 h

Corinna T. Sievers – Vor der Flut

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Oha! Dachte ich nur, als ich mitbekam, worum es in diesem Roman ging. Was soll man von einer Geschichte erwarten, bei der eine alternde, nymphomane Zahnärztin die Hauptrolle spielt? Zum Thema Nymphomanie fallen mir auf Anhieb eine  Handvoll schlechter Witze ein, aber kein einziges gutes Buch. Was nicht heißt, dass darüber nichts geschrieben wurde – ganz im Gegenteil. Es gibt wahrscheinlich unzählige schmierige Horny-Romance-Heftchen oder etwas anspruchsvoller: Softporno-Belletristik à la Fifty Shades of Grey – nur eben nichts Gutes. Bis jetzt, bis „Vor der Flut“ von Corinna T. Sievers.

Ich finde es gleich in mehrfacher Hinsicht mutig, sich a) als Frau an ein solches Sujet zu wagen, sich dabei b) von all den billigen, Männer-Fantasien bedienenden Klischees abzugrenzen und c) dem Ganzen einen literarisch anspruchsvollen Rahmen zu geben, der d) als solches auch vom Kulturbetrieb erkannt und gewürdigt wird. Und wenn man mich fragt, ob das Corinna Sievers gelungen ist, dann kann ich nur sagen: ja!

Ich weiß nicht, wieviele Männer davon träumen, von ihrer Zahnärztin auf dem Behandlungsstuhl einen geblasen zu bekommen. Es sind bestimmt nicht wenige. Und von der äußerst geringen Wahrscheinlichkeit, dass einem normalen Mann so etwas irgendwann tatsächlich einmal passiert, lebt einen ganze Industrie. Und jetzt fragt man sich vielleicht, was unterscheidet so eine Szene, die in Corinna Sievers Roman tatsächlich so vorkommt, von einem herkömmlichen Porno?

Schwer zu sagen. Das zu lesen, hat mich jedenfalls nicht erregt, eher im Gegenteil. Obwohl ich nicht prüde bin, fand ich die Vorstellung eher erschreckend. Vielleicht auch, weil ich das Ganze beim Lesen aus der Perspektive der Frau imaginierte, einer Frau, deren zwanghafte Triebhaftigkeit ich bereits als krankhaft und zerstörerisch wahrgenommen habe. Vielleicht ist das der hauptsächliche Unterschied zwischen Sexszenen in der Literatur und im Porno, dass man nicht nur kopulierende Körper wahrnimmt, sondern komplexe Persönlichkeiten, deren Antrieb, Vorgeschichte und Seelenlage man kennt.

Und die Seelenlage von Judith, einer auf einer Nord- oder Ostseesinsel praktizierenden Zahnärztin, verheiratet mit einem Psychoanalytiker, der sich ihr seit mehr als zwanzig Jahren sexuell verweigert, ist komplex. Da ist zum einen ihre extreme Promiskuität, ein stummer Schrei nach Liebe, oder wie ihr Mann Hovard diagnostiziert, ein Verstärker, um sich selbst zu spüren. Da ist aber auch ihr vorgeschrittenes Alter – über 50 und damit nach Judiths Meinung nicht unbedingt das, was sich ein durchschnittlicher Mann als Bettgespielin wünscht. Hinzu kommt ihr kleiner, bzw. fast nicht vorhandener Busen, ihr leptosomer Körper und diverse weitere körperliche Unzulänglichen, die sich nunmal im Laufe der Jahre so einstellen. Aber Judith kennt die Männer und weiß, was sie zu tun hat, damit sie auf ihre Kosten kommt.

Ich muss sagen, mich hat die Lektüre abgestoßen und gleichzeitig fasziniert, was dazu geführt hat, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Nicht, weil ich gespannt auf die nächste Fickszene war, die übrigens alle von der Autorin sehr explizit, anschaulich und durchaus gekonnt geschildert werden, sondern weil man mit jeder Seite die Verzweiflung und Seelenpein der Protagonistin immer stärker spüren konnte. Ein Druck oder besser gesagt, eine Leere, die am Ende kein Schwanz mehr ausfüllen konnte. Ein Leben, das aus dem Ruder gerät, weil Sex keine Lösung ist und im Alter immer schwieriger wird.

Ein grandioses Buch, das sich sehr sensibel mit einem Thema beschäftigt, von dem wir Männer – auch wenn wir so tun als ob – nicht die leiseste Ahnung haben.

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Foto: Gabriele Luger

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt (FVA)
225 Seiten, 20,00 €

Weitere Rezensionen bei: Bücherwurmloch 

 

Saša Stanišić – Herkunft

Irgendwie finde ich es blöd, dass er dieses Buch geschrieben hat. Nicht, dass es nicht gut wäre. Nein, das nicht. Das kann er wahrscheinlich gar nicht – ich meine: schlechte Bücher schreiben. Dafür ist Stanišić zu talentiert und, wie Richard Kämmerlings auf dem Backcover ganz richtig sagt, einfach einer unserer besten Erzähler. Aber cooler wäre gewesen, wenn er sich zu diesem Thema nicht geäußert hätte. Es wird angesichts seiner Vita mit Sicherheit oft nachgefragt, ist ja auch naheliegend und marketingtechnisch eine todsichere Sache, aber leider auch sehr Mainstream. Diese Karte zu ziehen, das hat er doch gar nicht nötig. Sollen sich doch alle ruhig weiter fragen, wie ein Nicht-Muttersprachler, ein Migrant, der erst im Alter von 14 Jahren aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland kam und unsere Sprache neu lernte, heute einer der profiliertesten deutschsprachigen Gegenwartsautoren werden konnte.

Könnte das nicht einfach unbeantwortet bleiben? Wäre ein „ist so, kann passieren, Talent ist nunmal Talent“ nicht die einzig richtige Antwort auf diese Frage? Warum diese Neugier, warum dieser Zwang, sich auf jedem Lesebühnensofa immer wieder zu den gleichen Fragen zu erklären? Warum ist Herkunft eigentlich immer noch so wichtig? Und spielt man diesem latenten Rassismus, all denen, die nicht wissen wollen, ob man aus Hamburg, Heidelberg oder Hameln kommt, sondern – sie wissen schon, ich mein – ursprünglich herkommt, nicht unbewusst in die Karten, indem man allzu willfährig Auskunft gibt?

Ijoma Mangold hat das jüngst gemacht und da fand ich es noch gut. Auch er hat sich seine Herkunft von der Seele geschrieben. Vielleicht, um das Thema für ein für allemal abzuschließen, um bei künftigen Fragen einfach sagen zu können: „Lesen Sie das Buch, dann wissen Sie wo ich herkomme.“ Eine Art Befreiungsschlag, Angriff statt Verteidigung. Einmal die Hose runterlassen, alles erzählen, und dann ist endlich Ruhe und man kann sich wieder anderen, wichtigeren Themen zuwenden. Jetzt hat es Saša Stanišić auch gemacht. Ganz anders als Mangold, in weiten Teilen sogar besser, doch auf einmal finde ich es gar nicht mehr gut. Und das hat nichts mit dem Werk zu tun, sondern mit dem Thema an sich.

Aber tue ich ihm da nicht Unrecht? Hat sich Literatur nicht immer schon mit Herkunft beschäftigt? Fragen wie: „Wo komme ich her und was macht mich aus?“ sind quer durch alle Epochen das zentrale Sujet zahlloser großer Romane. Und ist die Selbstverortung, das Sich-Finden in erzählten Geschichten nicht einer der Hauptanreize beim Lesen?

Aber kommen wir zurück zum Buch. Dass Stanišić  einer unserer ganz großen deutschsprachigen Autoren ist, wurde ja weiter oben schon erwähnt. Seit ich vor ca. sechs Jahren „Vor dem Fest“ gelesen habe, bin auch ich ein großer Fan. Ich habe ihn auf einer Lesung erlebt, war von seiner lebendigen Vortragsform beeindruckt und habe auch seinen Erzählband „Fallensteller“ sehr gemocht. Und natürlich ist auch „Herkunft“ alles andere als ein schlechtes Werk. Kein Roman, auch wenn er als solcher durchaus durchgehen würde, sondern ein Memoir. Stanišić blickt zurück. Auf seine Kindheit im ehemaligen Jugoslawien, auf die Umstände seines Fortgehens, auf sein Ankommen in Deutschland, die ersten Schritte in einer fremden Welt, auf neue und alte Freunde, auf all die vielen Stanišićs, die in der alten Heimat auf dem Friedhof liegen, auf Vater und Mutter und die demente Großmutter, die immer mehr von ihren Erinnerungen verliert, woraufhin er anfängt, Erinnerungen zu sammeln.

Man hört Stanišić gerne zu, weil er authentisch und ein netter Kerl ist. Und was er sprachlich abliefert, ist wirklich beeindruckend (Subtext: für einen Nicht-Muttersprachler erst recht). Ich glaube, das ist einfach eine Frage von Talent, was man entweder hat oder eben nicht, wenn man Sätze formuliert, die eine Melodie in sich tragen und eine Erzählstimmung erzeugen, die von einer sanften, beinahe fröhlich anmutenden Melancholie geprägt ist. Seine sprachliche Virtuosität zeigt er besonders auf den letzten hundert Seiten, wo er in freier Assoziation das Entgleiten seiner Großmutter in wirre Traumwelten schildert. Das liest sich zwar etwas anstrengend, kommt dem geschilderten Geisteszustand aber sehr nah und ist von ergreifender Emotionalität. Und darüber hinaus ist er auch noch witzig. Nicht diese Art Witz, den Lesebühnen-Autoren an sich haben – ein Schmunzler alle dreißig Sekunden und nach spätestens zweieinhalb Minuten ein Schenkelklopfer – nein, das nicht. Sein Humor ist eher beiläufig, nicht zwanghaft darauf aus, Lacher einzufordern und daher für meinen Geschmack sehr angenehm.

Alles in allem ist „Herkunft“ ein durchaus lesenswertes Buch, das seine Leser unterhält und sich sehr facettenreich und ausführlich mit dem literarischen Megathema „Wo komm ich her, was macht mich aus?“ beschäftigt. Doch wie gesagt – cooler wäre gewesen, hätte Stanišić dieses Buch nicht geschrieben.

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Foto: Gabriele Luger

Verlag: Luchterhand
350 Seiten, 22,00 €

Uns geht’s ja noch gold

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Schönwetterfront aus Leipzig beflügelt die Branche.

Was ist in letzter Zeit nicht alles geschrieben worden. Von schlechten Zahlen und düsteren Aussichten, von Millionen neuen Nicht-Lesern und vom bösen Netflix. Jede Woche ein neuer Abgesang und nicht zuletzt die Insolvenz des Großhandels. Also noch mal schnell nach Leipzig fahren, bevor es da demnächst keine Buchmesse mehr gibt. Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Vielleicht lag es an dem herrlichen Frühlingswetter oder daran, dass Totgesagte bekanntlich länger leben, doch von Untergangsstimmung war in Leipzig 2019 überhaupt nichts zu spüren, ganz im Gegenteil. „Das Buch ist tot, es lebe das Buch“, so könnte das neue Motto lauten, mit dem die Branche die schlechten Nachrichten einfach weg lächelt. Krise? Welche Krise? Noch einen Prosecco?

Natürlich sind die Probleme nach wie vor da und richtige gute Lösungen für eine wirtschaftliche Gesundung des Buchmarktes immer noch nicht in Sicht. Um Kosten zu sparen, verzichtet zum Beispiel ein Großverlag jetzt komplett auf Vorschau-Kataloge. Weder gedruckt noch digital, es gibt sie einfach gar nicht mehr. Die Buchhändler können sich ja im Online-Bestellportal über das Programm informieren. Und ob man tatsächlich unbedingt innerhalb von 24 Stunden jeden Buchtitel liefern muss, ist auch so ein Ding, über das man mal nachdenken sollte. Es kommt einem vor, als hätte die Branche beschlossen, sich von schlechten Nachrichten nicht mehr länger runterziehen zu lassen. Die Veränderungen akzeptieren, den Gürtel enger schnallen und einfach weiter gute Arbeit machen. Irgendwann geht es schon wieder bergauf. Und in der Zwischenzeit genießen wir einfach das schöne Wetter in Leipzig.

Ja, warum eigentlich nicht? Wieso immer auf das Schlechte und nicht auch mal auf das Gute schauen? Gerade hat die Messe ihren Schlussbericht veröffentlich: 286.000 Besucher, 15.000 mehr als im Vorjahr! Na bitte, geht doch. Dass im letzten Jahr aufgrund des Wintereinbruchs der komplette Nah- und Fernverkehr ausgefallen war und man weder nach Leipzig rein noch raus kam, bleibt unerwähnt. Und auch nur Spielverderber und Dauernörgler würden jetzt anmerken, dass die Messegesellschaft den Begriff ‚Besucher‘ dieses Jahr etwas schwammig formuliert und die Zahlen von „Leipzig liest“ einfach dazu addiert hat. Wer mag angesichts solcher Steigerungsraten noch von Krise sprechen?

Und auch bei den Bloggern hat sich die Stimmung wieder deutlich verbessert. Der Hype ist definitiv vorbei, die großen Illusionen und Hoffnungen auf eine stetig steigende Reichweite sowie eine angemessene Monetarisierung unserer Leistungen sind längst begraben. Alle, die noch dabei sind, haben sich mit der Situation arrangiert. Auch die zunächst als Leichtgewichte belächelten Bookstagrammer, bei denen es sich zu einem großen Teil um das Verkaufspersonal des Buchhandels handelt, sind mittlerweile in den Kreis der relevanten Blogger aufgenommen worden. Und andersrum genauso.

Was vieles einfacher macht: Heißgetränke-Bookselfies mit ein paar Zeilen Text und den richtigen Hashtags gehen bei den Verlagen mittlerweile als Rezensionen durch. Das reduziert den Aufwand ungemein. Aber natürlich trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen. Denn einfach nur mit dem Handy ein Foto machen und vom Klapper die Inhaltsangabe abschreiben, bringt noch keine Reichweite. Erst hier und da ein nacktes Körperteil, überbordende Bücherhaufen oder zu Drachenflügeln dekorierte Einbände machen aus einem einfachen Bookstagrammer einen ernstzunehmenden Influencer. Und um solche Fotos zu machen, braucht man mitunter länger, als für eine ausführliche Rezension.

Aber auch hier gilt: Es ist halt so. Der große Elfenbeinturm ist längst eingestürzt. Was soll also erst die professionelle Literaturkritik sagen, die mit ihren Analysen und geistreichen Ergüssen Jahr für Jahr immer weniger Menschen erreicht und sich nicht nur das Pressezentrum in Leipzig, sondern auch die schwindende Aufmerksamkeit für das Medium Buch mit all den Möchtegern-Kritikern teilen muss.

Die großen und kleinen Probleme der gebeutelten Buchbranche scheinen dieses Jahr unter der gleißenden Frühlingssonne von Leipzig einfach so dahingeschmolzen zu sein. Die Zeiten sind nach wie vor hart, wir haben noch viel zu tun, aber seien wir doch mal ehrlich: Im Vergleich zu anderen Branchen geht’s uns ja noch gold. Oder?

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Foto: Gabriele Luger

Sophie Passmann – Alte weiße Männer (Hörbuch)

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Ich wollte mal kurz reinhören, nur so zum Spaß und eigentlich auch nur, um meine Vorurteile gegenüber dem radikalen Feminismus bestätigt zu bekommen. Und natürlich fühlte ich mich auch vom Titel angesprochen, bzw. provoziert, denn dass ich als alter weißer Mann wahrgenommen werde und damit das erklärte Feindbild der Netzfeministinnen bin, das weiß ich schon lange. Natürlich kenne ich auch Sophie Passmann, allerdings nur dem Namen nach. Ich folge ihr weder auf Twitter noch habe ich sonst irgendetwas über sie gelesen. Ihre genauen Ansichten und Standpunkte kenne ich kaum. Alles was ich weiß, beziehungsweise mutmaße, ist, dass sie eine dieser unentspannten und dauerempörten, jungen Netzfeministinnen ist und man sich mit ihr lieber nicht anlegen sollte.

Maximal zehn Minuten, mehr Radikal-Feminismus hältst du sowieso nicht aus, dachte ich mir. Doch von wegen; am Ende habe ich mir das ganze Hörbuch angehört, und war weder augenrollend genervt, noch beleidigt und empört, sondern durchaus interessiert, angenehm überrascht, inspiriert und fühlte mich dazu noch sehr gut unterhalten. Das muss man erst mal schaffen, jemanden mit einer Antihaltung, wie ich sie hatte, abzuholen und wenn auch nicht komplett umzukehren, so doch zumindest mitzunehmen.

Und natürlich weiß ich auch, dass so ein von der falschen Seite kommender Applaus Gift für Passmanns Feministinnen-Credibility ist. Wenn einer wie ich, der zwar für Geschlechter-Gleichberechtigung einsteht, aber radikalen Feminismus eher unsympathisch findet – also aus Feminist*innen-Sicht ein Macho-Arschloch ist oder eben ein alter weißer Mann – wenn so jemandem dieses Buch gefällt, was tatsächlich der Fall ist, dann kann das ja nur Mainstream-Feminismus sein – zu lasch, zu wenig radikal, nicht fordernd genug, zu verständnisvoll und anbiedernd. Gut möglich, aber ich nehme mal an, dass es der Autorin nicht darum ging, Applaus aus der eigenen Blase zu bekommen, sondern auch mal die Gegenseite für bestimmte Botschaften empfänglich zu machen. Zum Beispiel, wie man es vermeiden kann, ein alter weißer Mann zu werden.

Und genau das hat sie erreicht. Zumindest bei mir und wahrscheinlich auch bei den 16 mehr oder weniger alten weißen Männern, mit denen sie im vergangenen Sommer gesprochen hat. Allein die Auswahl der Gesprächspartner hat mich begeistert. Von Sascha Lobo über Robert Habeck, Ulf Poschardt, Peter Tauber, Kevin Kühnert, Micky Beisenherz bis zu Rainer Langhans war alles dabei. Selbst ihren eigenen Vater hat Sophie Passman nicht verschont. Und obwohl es immer wieder um den Feminismus und die Rolle des alten weißen Mannes ging, gab es kaum Wiederholungen, hat jedes Gespräch wieder neue, interessante Aspekte aufgezeigt. Passmann hat sich nicht darauf beschränkt, die mit dem Diktiergerät protokollierten Interviews sauber zu transkribieren, sondern hat jeden Dialog, jeden Interviewpartner und auch die Gesprächsumgebung sehr persönlich und überaus humorvoll kommentiert. Das ist vielleicht journalistisch nicht ganz sauber, aber dem Buch hat es gut getan. Sehr gut sogar, denn von Kapitel zu Kapitel, von Gespräch zu Gespräch, wurde mir die Autorin immer sympathischer.

Was generell immer verständnisfördernd ist: wenn Menschen auch mal über sich selber lachen können. Passmann ist zwar mit vollem Ernst bei der feministischen Sache, nimmt sich als Person aber nicht so furchtbar wichtig und kommentiert ihre eigene Rolle mit einer angenehm ironischen Distanz. Bemerkenswert fand ich auch die Höflichkeit und den Respekt, mit denen sie ihren Gesprächspartnern begegnete, auch wenn das Gegenüber politisch und weltanschaulich aus dem komplett anderen Lager kam und stellenweise abstruse Thesen wie Rainer Langhans vertrat. Das alles hat dazu geführt, dass ich im Verlauf des Hörbuches alle Vorbehalte und Ressentiments beiseite schob, mich offen auf die Argumentation einließ und bei dem ein oder anderen Gespräch in Gedanken sogar mit diskutierte. Ja, ich hatte auf einmal Spaß an der Feminismus-Debatte, verstehe bestimmte Standpunkte jetzt besser und kann sogar nachvollziehen, warum Feminismus manchmal auch radikal und kompromisslos sein muss.

Was für mich im Verlauf der Gespräche aber immer deutlicher wurde, ist, dass das Thema derart komplex und vielschichtig ist und von so vielen Faktoren wechselseitig beeinflusst wird, dass es kein Richtig oder Falsch gibt. Bestes Beispiel ist das Thema „Frauenquote“. Eigentlich eine gute Sache und angesichts der immer noch männlich dominierten Strukturen in den Unternehmen mehr als dringend notwendig. Andererseits stellt sich immer auch die Frage, ob durch gesetzliche Vorgaben und eine quasi erzwungene Gleichberechtigung per Quote, dem Feminismus nicht doch ein Bärendienst erwiesen wird. Oder die ständige Gefahr in eine der zahlreich ausliegenden Sexismus-Fallen zu tappen. Wie ist es, wenn man sagt, dass man im Job lieber mit Frauen als mit Männern zusammenarbeitet? Ist das schon sexistisch, wenn man überhaupt Unterschiede benennt, wie z.B. die bessere Team- und Kommunikationsfähigkeit von Frauen? Ist der Feminismus erst am Ziel, wenn Geschlechterunterschiede irgendwann überhaupt keine Rolle mehr spielen? Ist das überhaupt in allen Belangen sinnvoll? Und kann man das dann wieder trennen, wenn es privat wird und auf einmal sogar Liebe im Spiel ist?

Ich als Mann bin beim Thema Feminismus, wie einige andere auch, sehr verunsichert, habe viele Fragen und bekomme kaum Antworten. Das mag wohl auch daran liegen, dass Antworten gar nicht zu mir durchdringen, weil mich oftmals die Form und Rhetorik feministischer Argumentation schon abstößt. Bei diesem Buch war das anders. Ich habe erstmals richtig zugehört, einiges endlich verstanden, über Privilegien nachgedacht und mich selber gefragt, wieviel ich in meinem Leben wohl der Tatsache zu verdanken habe, dass ich ein Mann bin. Allein dafür bin ich Sophie Passmann schon dankbar.

Ich werde wohl niemals mehr Feminist, was für mich durchaus ok ist. Aber vielleicht kann ich in Zukunft etwas dafür tun, als Mann älter zu werden, ohne ein alter weißer Mann zu sein. Vielleicht.

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Foto: Gabriele Luger

Hörbuch:
tacheles!/ Roof Music
Spieldauer: 5 h, 17 Min
Gesprochen von der Autorin

Print:
Verlag: KiWi-Taschenbuch
304 Seiten, 12,00 €