Leserbrief #3

14

IMG_7037

Liebe Ronja,

Du, es tut mir leid, aber ich schaff es nächste Woche einfach nicht. Hier ist schon wieder der Teufel los, da kann ich mich nicht einfach so rausziehen. Dabei wäre ich total gerne auf deine Party gekommen, habe mich riesig gefreut, dass ich überhaupt eingeladen wurde. Ist ja auch ein toller Anlass zum Feiern – dein erstes Buch. Mensch, ich bin sowas von gespannt. Hoffe ja, dass es richtig gut wird. So gut, dass sich keiner mehr was zu sagen traut. Denn die Hater stehen ja schon in den Startlöchern. Scharren mit den Hufen und haben den fertigen Verriss bereits in der Schublade.

Aber das weißt du natürlich, musstest ja schon durch jede Menge virtuelle Scheiße waten. Ich nehme an, dich kann so schnell nichts mehr erschüttern, du bist kampferprobt und gewappnet, oder? Ich frage mich, kann man das als junger Mensch einfach so wegstecken? Das war ja ziemlich harter Tobak, was dir nach diesem Feminismus-Artikel an Spott, Hass und Häme so entgegengeschwappt ist. Ich mein, Du hast ja prinzipiell recht, aber musstest du denn unbedingt schreiben, dass dich der Feminismus anekelt? Hätte es nicht ausgereicht, wenn du gesagt hättest, dass dich der Feminismus nicht anspricht, langweilt oder einfach nur kalt lässt? Aber klar: Ekel haut mehr rein, ist der wesentlich aufmerksamkeitsstärkere Begriff. Wie stark Aufmerksamkeit sein kann, hast du dann ja mitbekommen.

Aber als PR-Mann kann ich dir bestätigen, der Autorenmarke RvR – verzeih – der AutorINNENmarke hat der Shitstorm natürlich richtig gut getan. Ohne das alles hätte auch ich dich überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt. Wir sind ja heutzutage alle so übersättigt, haben alles schon tausendfach gehört und bekommen außerhalb unserer Filterblase kaum noch etwas mit. Wer es aber trotzdem schafft, nicht nur Aufmerksamkeit zu erregen, sondern Menschen aus ihrer Komfortzone zu holen und gegen sich aufzubringen, der kann schon was.

Dabei muss man sagen, dass die permanent empörten, sogenannten Netzfeministen natürlich auch leicht zu provozieren sind. Alleine schon, dass ich jetzt nicht NetzfemnistINNEN geschrieben habe, ist eigentlich schon einen #Aufschrei wert. Ich weiß, wovon ich schreibe. Denn vor einiger Zeit hatte ich auch mal einen Beitrag, der, sagen wir mal, gendertechnisch nicht ganz so „pc“ war – und holla – da war ganz schön was los auf dem Blog. Ich dachte, provozier mal einen wenig und hau jetzt einen raus, und dann musste ich erfahren, dass es mittlerweile auch Männer gibt, die sich als Feministen, bzw. FeministINNEN, bezeichnen und nicht nur bei Altherrenwitzen so gar keinen Spaß verstehen. Wie auch immer – irgendwie bin ich das ja mittlerweile auch, ein alter Herr.

Aber lassen wir das Thema , bevor hier wieder ein/e NetzfeministIN irgendetwas in den falschen Hals bekommt. Noch mal zurück zur Party – also wie gesagt – ich wäre sehr gerne gekommen. Aber Berlin ist nun mal nicht eben nebenan. Und so mitten in der Woche, das geht leider gar nicht. In Frankfurt habe ich im letzten Jahr auf einer dieser Verlags-Partys – ich glaube das war bei Rowohlt – ja mal neben dir gestanden. Kurz habe ich überlegt, dich anzusprechen. Aber was hätte ich sagen sollen? Hey, Ronja, ich bin dein größter Fan? Von was eigentlich? Von zwei Artikeln in der WELT und ein paar Blogbeiträgen? Von deinem Gastauftritt in Wandas „Bussi-Baby“ Video?

Nee, da hat man doch jetzt mit einem Roman einen viel besseren Grund, Fan zu sein. Wenn er denn gut ist, wenn du es schaffst, den Charme deiner Single-Stories auf einen Longplayer zu übertragen. Wenn es authentisch und glaubwürdig ist, nicht zu heiter, aber auch nicht zu spannend, wenn der Plot nicht zu ausgelutscht ist und man nicht das Gefühl hat, das irgendwo schon mal gelesen zu haben, womöglich sogar besser, wenn, wenn, wenn… du weißt schon.

Mein Gott, mit diesen ganzen Erwartungshaltungen könnte ich nur schwer leben. Wie schaffst du das nur? Aber du bist ja eine starke, selbstbewusste Frau, und wenn es dir dann auch noch gelingt, mit deinem Romandebüt in der taz, dem Missy-Magazine und im Freitag eine halbwegs passable Besprechungen zu bekommen, dann gebe ich in Leipzig einen aus.

Bussi-Bussi vom
Altherren-Groupie aus dem Buchrevier

 

14 thoughts on “Leserbrief #3

  1. Lieber Tobias,
    dass Du meiner Fortsetzungsbitte so schnell Folge leistest, finde ich klasse. Bist halt doch ein braver Bub, auch wenn Du Dich als Altherren-Groupie bezeichnest.
    Über das Thema Deines Briefes sollten wir allerdings dann erst bei unserem Treffen im echten Leben diskutieren. Also, ich hoffe, ich schaffe den Weg zur nächsten Blogger- oder Verlagsparty (ich verlas mich erst und meinte zu lesen: Vegan-Party). Dann hauen wir uns ein paar Positionen um die Ohren, okay?
    Es grüßt Dich ganz herzlich,
    Deine Netzfeministinnenanhängerin!

    Gefällt mir

    • Ja, liebe Birgit,
      trotz aller gegenseitiger Wertschätzung – bei diesem Thema kommen wir nicht so ohne Weiteres zusammen und müssen dann wohl noch Face-to-Face in den Austausch gehen. Ich freue mich drauf.

      Liebe Grüße von der Altherrenfront

      Gefällt 1 Person

  2. Liebes Altherren-Groupie aus dem Buchrevier,
    wieder einmal hänsgt du dich weit aus dem Fenster, du nimmersatter Gefahrensucher. Ich wünsche mir sehnlichst, dass Frau von Rönne antwortet auf deinen Briefgruss. Die Replik möchte, nein, will ich unbedingt ebenfalls hier »abgedruckt« sehen.
    lg_jochen (mit derzeit ebenfalls geringer Lust, RvR selbst zu lesen … aber aus anderen Gründen.)

    Gefällt mir

  3. Noch eine die sich nicht so recht aufraffen kann etwas von RvR zu lesen. Vielleicht würde ich eher mal nen Schnapps mit ihr trinken, wobei sooo spannend finde ich sie auch wieder nicht. Sie hat sowas von Silberlöffel im Po …

    Ach nee ich leg mich wieder hin und lasse das RVR Lüftchen das mich immer an KVR erinnert vorbeirauschen.

    Deine Briefe lese ich im übrigen sehr gerne, Du Netzfeminist, Du 😉

    Gefällt mir

  4. Lieber Tobias, ich verfolge gern deine Rezensionen. Besonders klasse, dass du deine persönlichen Empfindungen und Befindlichkeiten mit einbringst, wie z.b.

    Gefällt mir

      • upps, so ist das, wenn man via E-Mail geschrieben hat …….

        Im Grunde ist R.v.R. in ihrer künstlerischen Ausdrucksweise vor allem eines . Ronja von Rönne
        Und noch einmal, alle Frauen, die sich Feministinnen nennen , sollten
        Virginia Woolf lesen, die in ihren Essays zum Thema “ Frauen und Literatur “ darauf gepocht hat, dass es beim Schreiben unerheblich ist, welchen Geschlechts wir sind.
        V.W. ist für alle, die Schreiben, wirklich spannend zu lesen, auch für Männer 🙂 Ich komme darauf, weil es für Rv.R. in ihrer zwar saloppen, aber dennoch klugen Art sich mitzuteilen, nicht darauf ankommt ob sie schön, weiblich, begabt, gedankenvoll, gedankenleer usw, ist. Sie ist schön, weiblich, begabt und gedankenvoll und gedankenleer…….:)

        Gefällt mir

  5. Sie hat natürlich nicht recht und ich habe mich über diesen Eintrag und auch andere, auch entsprechend aufgeregt https://literaturgefluester.wordpress.com/2015/05/30/frauenpower-beim-bachmannpreis/.
    Der Bachmanntext hat mir dann aber gefallen und gespannt auf das neue Buch bin ich auch schon sehr. Ich hoffe es kommt bald und ich werde dann nicht in Leipzig sein, wenn es eintrifft oder kann es schon mitnehmen und diese Briefserie gefällt mir auch sehr gut, obwohl ich sie ja, wie schon einmal geschrieben, manchmal etwas überheblich finde!
    Freue mich schon auf unser Treffen in Leipzig, akkreditieren habe ich mich jetzt auch lassen und diesmal nur ein einziges Mal verlinkt, liebe Grüße aus Wien!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s