Die zehn Gebote des Bloggens

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1. Gebot: Du sollst nicht langweilen

Als Leser kannst du alles sein: der einsame Held, der feurige Liebhaber, eine Frau, ein Mann, mutig, verzweifelt, arm oder reich. Alles, worauf du Lust hast. Trau dich, schlüpf in diese und jene Rolle und schreib auf, wie es sich anfühlt. Nimm uns mit auf deine Reise durchs Buch, lass uns teilhaben und mitfiebern. Aber bitte enttäusche uns nicht. Verschone uns mit ausufernden Inhaltsangaben, unwichtigen Details, Allgemeinplätzen, Bonmots und Geschwätzigkeiten. Als Leser kannst du ungestraft alles sein. Als Blogger auch, nur eben nicht langweilig.

2. Gebot: Du sollst nicht deines Nächsten Stil imitieren

Wer bist du eigentlich? Was macht dich aus? Wie sehen dich die anderen? Was haben sie für ein Bild von dir? Von dir und deinem Blog? Ja, genau, dein Blog. Denn das, was da steht, bist du. Eigentlich ziemlich einfache Fragen und doch so schwer. Man kann 1000 Beiträge schreiben und seinen Stil immer noch nicht gefunden haben. Das ist ok, solange man nicht den Fehler macht, den eines anderen zu imitieren. Hol dir Anregungen, lass dich inspirieren, aber mach dann dein eigenes Ding daraus. Sei ein Original und keine Kopie.

3. Gebot: Du sollst nicht unprofessionell sein

„Was sagt man“, fragt die Mutter im strengen Ton, wenn das Kind beim Metzger eine Scheibe Schinkenwurst über den Tresen gereicht bekommt? Wir alle haben gelernt, uns in solchen Fällen artig zu bedanken. Das ist auch richtig so. Doch jeder weiß, der Metzger macht das nicht, weil er so freundlich ist. Er hat Hintergedanken, er ist ein Profi. Genauso wie Verlage. Ihre Scheibe Wurst ist das Rezensionsexemplar. All die Jahre waren sie verschlossen, haben Blogger nicht beachtet. Jetzt sind sie auf einmal nett, schleimen rum und bieten einem ihre schmierigen Schwarten an. Doch auch sie machen das nicht, weil sie so freundlich sind. Sie haben Hintergedanken, sie sind Profis. Sei auch du ein Profi und nicht in falscher Dankbarkeit gefangen. Spei ihnen die Wurst vor die Füße, wenn sie dir nicht schmeckt.

4. Gebot: Du sollst nicht klüger scheinen wollen als du bist

Mit Büchern kann man gut was hermachen. Brille, Buch und ein konzentrierter Blick. Ein paar Dinge hinterfragen, zur richtigen Zeit ein paar Namen fallen lassen – Derrida, Bourdieu, Habermas – fertig ist der Salon-Intellektuelle. Und so eine prall gefüllte Bücherwand tut ihr Übriges dazu. Doch hinter einem aufgeklappten Buch steckt nicht zwangsläufig immer auch ein kluger Kopf. Und nichts ist peinlicher, als mit Wissen zu prahlen, dem man nicht gewachsen ist. Das Fatale daran ist, du merkst es selber nicht. Aber alle anderen merken es.

5. Gebot: Du sollst keinen anderen Blog neben diesem haben

Buddhisten machen es, große Konzerne auch, und der gemeine Blogger wäre gut beraten, es ebenfalls zu tun. Was genau? Ganz einfach. Sich fokussieren, aufs Kerngeschäft konzentrieren, ein Ziel ins Auge fassen und darauf hinarbeiten. Nicht zwei Ziele und zwei Wege. Ein Ziel und ein Weg! Die Kräfte nicht aufteilen, sondern bündeln. Für sich ganz klar sein, alles geben. Keine Staus. Keine Termine. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse. Kein anderer Blog.

 6. Gebot: Du sollst stets das schreiben, was du selbst gern lesen würdest

Lies nochmal durch, was du gerade geschrieben hast. Gefällt es dir? Hat es was? Ist da ein Sound, eine zweite Ebene? Hat es was von dir? Kommt die Botschaft rüber? Versteht man es auch, wenn man nicht – so wie du jetzt gerade – besoffen ist? Und ganz wichtig: Kommt das Buch, über das du eigentlich schreiben wolltest am Ende auch nicht zu kurz? Sei nicht zufrieden, wenn du nicht mindestens fünfmal Ja und am Ende einmal Nein sagen kannst. Mach dir noch ein Bier auf, geh noch mal ran, mach es rund. Und dann lies nochmal durch, was du gerade geschrieben hast. Gefällt es dir? Hat es was? Ist da ein Sound, eine zweite Ebene?

7. Gebot: Du sollst stets das lesen, worüber du gern schreiben würdest

Jeder, der schon mal Tischtennis, Tennis oder meinetwegen auch Badminton gespielt hat, kennt diesen Effekt. Man kann ein noch so guter Spieler sein; hat man einen schlecht spielenden Gegner, spielt man automatisch auch schlecht. Genauso kann es einem beim Schreiben über ein schlechtes Buch ergehen. Oftmals ist die Rezension genauso bescheiden wie das Buch. Wie soll es auch anders sein? Auf einen laschen Aufschlag folgt ein ebensolcher Return. Ganz anders bei stärkeren oder ebenbürtigen Gegnern. Sprachmächtige Romane lassen auch den Rezensenten seine Worte mit Bedacht wählen, inspirierte Texte inspirieren, und ein kluger Plot ist die halbe Miete für einen ebensolchen Blogbeitrag.

8. Gebot: Du sollst dich nicht von der Blogstatistik leiten lassen

Natürlich weißt du mit der Zeit Bescheid, kennst die Mechanismen von Stimulus und Response. It’s just a jump to the left and then a step to the right. Und tatsächlich ist die Versuchung groß, was gut läuft, immer wieder genauso zu machen. Warum soll das nicht noch einmal funktionieren? Und siehe da, es funktioniert. Wieder der gleiche Effekt. Und noch einmal, nur ein wenig anders. Dann immer wieder – ein paar kennen es ja noch nicht ­ und es funktioniert tatsächlich jedes mal aufs Neue. Langsam verlierst du den Respekt vor deinem Publikum. Und noch schlimmer, es fängt an, dich zu langweilen. Höchste Zeit, mal wieder was Neues auszuprobieren. Try to put your hands on you hips, but don’t do the Time Warp again.

9. Gebot: Du sollst nicht den Spaß am Bloggen verlieren

Wir haben es gerade gelesen. Man kann beim Bloggen so viel falsch machen. Entweder langweilt man seine Leser mit uninspirierten Texten zu Tode oder macht sich als Pseudo-Intellektueller zum totalen Depp und merkt es noch nicht einmal. Und trotzdem – jeden verdammten neuen Tag stehen wieder knapp tausend Buchblogger auf, putzen sich die Zähne und stellen einen neuen Beitrag ins Netz. Und keiner davon ist so schlecht, dass er nicht von irgendwoher wenigstens ein paar Likes bekommt. Das ist das Schöne an der ganzen Geschichte: Das Netz ist groß und geduldig, da können wir alle sein, uns ausprobieren und jeder auf seine Art seinen Spaß haben.

10. Gebot: Du sollst dich nicht von den Geboten anderer leiten lassen

Wer bist du denn, dass du dir von anderen sagen lässt, was du zu tun oder zu lassen hast? Erst recht bei deinem liebsten Hobby, dem Bloggen. Also, wenn du willst, vergiss das alles hier. Brich die Gebote und stelle deine eigenen Regeln auf. Sei ein Original und keine Kopie.

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Foto: Gabriele Luger

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