Leibsch, my Love

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Düsseldorf Flughafen, es ist kurz vor sieben Uhr in der Früh. An der Sicherheitskontrolle lange Schlangen. Eine Armee von geschäftig dreinschauenden Businesstypen auf dem Weg zum ersten Tomatensaft des Tages. An meinem Gate dann ein etwas anderes Bild. Da sitzen deutlich mehr Frauen als Männer und ich weiß sofort: Hier bin ich richtig für den Flieger zur Leipziger Buchmesse.

Ich fange Blicke auf. Was guckt die Frau mich so an? Kennt die mich? Kenne ich sie? Soll ich sie einfach mal fragen? Denn es ist schon auffällig, wie die guckt. Dann plötzlich erkenne ich sie. Eine Debütautorin aus dem letzten Jahr. Sie war damals Teil des Shitstorms zum Thema Autorenfotos. Jetzt ist alles klar. Sie mag mich nicht, deswegen guckt die so.

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In Leipzig angekommen, noch am Flughafen, schon wieder Blicke. Wieder ein Autor, aber dieser hier mag mich und winkt mir freundlich zu. Ich mag ihn auch und winke fröhlich zurück. Wir fahren gemeinsam zu Messe, checken ein und sofort ist da wieder dieses Wohnzimmergefühl – die große sonnendurchflutete Glashalle, die Treppe mit dem Logo, die Mangas. Zum vierten Mal bin ich jetzt hier – ich kenne mich aus, fühle mich wohl, habe viel vor. Und hepp!

Diesmal habe ich den Büchermenschen hier auch etwas zu erzählen. Auf meinem iPad ist die Präsentation für ein ambitioniertes Blog-Projekt. Noch kann ich über Projekt X nicht viel verraten – nur so viel sei gesagt: Es kam bei den Verlagen und Bloggern super gut an. Das hat mich froh und beschwingt durch die Hallen schreiten lassen. Meine iPhone-App hat am ersten Tag 17.000 Schritte gezählt, am zweiten 16.000 und am dritten Tag waren es noch 13.000. Ja, ich war drei volle Tage da. Für meinen Geschmack ist das genau richtig. Nicht zu kurz und nicht zu lang.IMG_7226

 

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Drei Tage voller Begegnungen mit wirklich tollen Menschen. Da war zum Beispiel diese kleine, zerbrechlich wirkende Autorin, die den Debütroman des Jahres geschrieben hat und sympathisch lächelnd zuerst einem ZDF-Kamerateam und dann mir Rede und Antwort stand. Oder Mr.Charming schlechthin, auflagenstarker Megastar des Diogenes-Verlages, den ich aus Prinzip nicht mögen wollte, der mich aber nach zwei Minuten zum Fan gecharmed hat. Und dann war da noch mein Lieblings-Buchmesse-Mensch. Auch Blogger, auch mit einer nagelneuen Carhartt-Jeans, die alles blau färbt, wo auch immer man sich niederlässt, aber fast zwei Köpfe größer als ich und mit einer wesentlich schöneren Singstimme. Wir haben uns eine Wohnung geteilt, die eigentlich Stanley,  einem gutaussehenden Musiker mit einer noch schöneren Singstimme gehörte. Zum Frühstück gab es ein Snickers und einen Müsliriegel – brüderlich geteilt. Abends dann den super Leipzig-Döner mit frittiertem Käse.

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IMG_7301Die ganzen drei Messetage war ich in Sachen Projekt X unterwegs. Vom aktuellen Frühjahrsprogramm und dem Ausblick auf den Herbst habe ich nur am Rande etwas erfahren. Im Messerucksack waren dann am Ende auch nur zwei Bücher. Eines davon habe ich bereits als Lektüre zur Messe mitgebracht, das andere habe ich unserem Vermieter geschenkt. Die Verlage haben aber versprochen, mir ein paar Titel zuzuschicken – sie wissen ja mittlerweile, was ich mag.

Nachts ging es dann auf die Verlagspartys. Im Gegensatz zu Frankfurt musste man nicht auf einer Gästeliste stehen, kam überall locker rein, musste dafür aber sein Bier selbst bezahlen. Neben den Taxikosten war das der größte Kostenfaktor. Auf diesen Partys kann man so einiges erfahren. Ich weiß jetzt, mit wem Ronja von Rönne Händchen hält, dass Benedict Wells beim Schreiben wie ich auch Interpol hört und dass Leander Wattig keinen Schlaf braucht.

Und zwischen all diesen Stationen ist da diese Stadt. Mit ihren schönen Gebäuden, mit den großen Kreuzungen, den vollgestopften Straßenbahnen und Taxifahrern mit diesem derben Akzent. Ich bin verliebt in diese Stadt um diese Zeit. Und nächstes Jahr bin ich wieder da. Versprochen.

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8 thoughts on “Leibsch, my Love

  1. Nun bin ich aber ziemlich neugierig, was es denn mit dem Projekt X auf sich hat. Du kannst doch nicht andauernd davon erzählen, uns aber nicht aufklären, was es denn genau ist. Verdammt: ich bin neugierig :-)!
    Viele Grüße, Claudia

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