Warum ich Blinkist nutze und mich nicht dafür schäme

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Ich mache es nicht häufig, aber hin und wieder lese ich auch Sachbücher. Zuletzt Maja Göpels ‚Die Welt neu denken‘. Ich habe es gekauft, weil ich wie viele andere Menschen auf der Suche nach Antworten bin. Wie es mit unserer Welt weitergehen kann, wie wir Problemen wie dem  Klimawandel, Überbevölkerung und Umweltzerstörung begegnen können. Und was jeder einzelne und ganz konkret ich tun kann, damit die Welt auch im Jahr 2050 noch ein lebenswerter Ort ist.

Ich habe diesen Sachbuch-Bestseller gerne gelesen, viele meiner Annahmen bestätigt bekommen, einige neue Aspekte erkannt und als Fazit mitgenommen, dass Shareholder Value und permanentes Wirtschaftswachstum entweder gestoppt oder besser kontrolliert werden müssen. Das ist alles, was ich nach vier Wochen noch von der Lektüre des Buches in Erinnerung habe. Und auch zu den anderen jüngst gelesenen Sachbüchern, wie Sasha Lobos ‚Realitätsschockund Richard David Prechts ‚Jäger, Hirten, Kritiker‘ könnte ich jetzt gerade mal noch ein paar magere Aussagen zusammenfassen.

Und jetzt stellt sich für mich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, so viel Lesezeit für so wenig Output zu investieren. Während das Lesen von Belletristik im besten Falle gute Unterhaltung, sprachlichen Genuss und geistige Erbauung verspricht, ist das Lesen von Sachbüchern für mich ein eher freudloses Unterfangen, dient lediglich der Information, ist im Prinzip wie Zeitung lesen, nur länger. Trotzdem habe ich den Anspruch, nicht gänzlich ins Private abzutauchen und in fikitiven Romanwelten zu verharren, sondern mich mit dem Zeitgeschehen auseinanderzusetzen. Und da sah ich eines Tages bei Facebook eine Anzeige, die behauptete, dass erfolgreiche Top-Manager über 50 Sachbücher im Monat lesen und wenn ich wollte, könnte ich das auch. Und zwar mit Blinkist, der „Lieblings-App aller Akademiker“.

Nun ja, normalerweise bin ich für solch profane Werbebotschaften nicht empfänglich. Aber nachdem ich einmal den Fehler gemacht habe, auf die Anzeige zu klicken, und sie mir daraufhin mehrmals täglich eingeblendet wurde, habe ich schließlich kapituliert und mir Blinkist doch mal aus dem AppStore geladen und eine Woche umsonst ausprobiert.

Blinkist ist schnell erklärt. Die kostenpflichtige App bietet Zusammenfassungen von derzeit über 3.000 Fachbüchern aus 27 verschiedenen Kategorien, wie z.B. Beruf & Karriere, Psychologie, Politik und Gesellschaft. Innerhalb von nur 15 Minuten werden einem die 5-10 Kernaussagen (Blinks) eines Fachbuches vermittelt. Also genau das, was man nach der Lektüre jedes Fachbuches nach drei bis vier Wochen im besten Falle noch im Kopf behält. Und ich kann auch noch auswählen, ob ich es lesen oder hören will.

Da mir das Lesen von Sachbüchern ohnehin nicht so viel Freude macht, sondern eher Arbeit ist, freue ich mich, wenn ich das auslagern kann. Ich muss mich nicht mehr durch die mitunter dicken und sprachlich oftmals eher bescheidenen Bücher quälen, um die relevanten Informationen und Aussagen aus den Seiten zu destillieren. Das hat Blinkist schon für mich erledigt. Dabei weiß ich jetzt nicht, ob da tatsächlich ein Mensch oder ein Algorithmus am Werke ist und ob das auch wirklich die Kernaussagen der Bücher sind. Man muss also schon etwas Vertrauen haben. Aber ein kleiner Cross-Check mit den Fachbüchern, die ich in Gänze gelesen habe, ergab, dass die Blinkist-Extrakte ziemlich exakt mit meiner Wahrnehmung der Kernaussagen übereinstimmen. Also Zeitersparnis pur.

In meiner kostenlosen Probewoche habe ich so jeden Tag ein bis zwei Fachbücher in extrahierter Form gelesen oder gehört, wie zum Beispiel Stokowskis  ‚Unten rum frei‘, Lewinas ‚Sie hat Bock‘, Stephen Hawkins ‚Kurze Antworten auf große Fragen‘ und allerlei Fachbücher zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Mittlerweile habe ich ein Jahresabo abgeschlossen und die täglichen 15 Minuten Fachbuchlektüre in meinen Tagesablauf integriert.

Jetzt kam man natürlich zu Recht sagen, dass das eine sehr oberflächliche Auseinandersetzung mit einem Fachthema ist. Ja, das stimmt. In den sozialen Medien wird ja viel über diese Art von Science-Snack oder Wissen light gelästert. Aber angesichts der jährlichen Flut an neuen Sachbuchtiteln und der immer noch großen Anzahl an Zeitungen und Fachzeitschriften, ist es eine Frage des Zeitmanagements, wenn man sich als vielseitig interessierter Mensch einen Überblick über die relevanten zeitgeschichtlichen Themen verschaffen will. Und da ist die App des Berliner StartUps eine wirklich nützliche Erfindung und verschafft mir im Alltag wesentlich mehr Zeit. Für Bücher, die vielleicht nicht wichtiger sind, deren Lektüre mir aber deutlich mehr Freude bereitet.

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Foto: Gabriele Luger

2 Antworten auf „Warum ich Blinkist nutze und mich nicht dafür schäme

  1. Das klingt nach einer feinen Sache, wenn man sich nicht mit dem ganzen Buch befassen möchte. Auch ich finde, dass sich manche Sachbücher ausnehmend schwer lesen lassen, und dann wird ein solches doch schnell mal zur Qual. Nichts desto trotz lese ich gerne auch mal ein Sachbuch (wie Margarete Stokowskis „Untenrum frei“ oder Katja Lewinas „Sie hat Bock“ ;o)), nur mit diesem Programm kann man dann entscheiden, welcher Lektüre man sich denn dann wirklich komplett hingeben will. Finde ich eigentlich ganz gut.

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  2. Ich stimme dir voll und ganz zu. So wenig Zeit, so viele Bücher. Da möchte ich meine Lesezeit für Bücher nutzen, die ich von Herzen gerne lese. Und die Quintessenz von Sachbüchern lässt sich wirklich komprimiert zusammenfassen. Für die Autoren ist es etwas schade, die viel Arbeit in ihr Buch gesteckt haben. Trotzdem erreicht ihre Botschaft durch Blinkist vielleicht mehr Menschen als sie es ohne die App täte. Ich habe schon mehrfach drüber nachgedacht mir die App runter zu laden und deinen Blogpost nehme ich zum Anlass, das nun endlich mal zu tun. 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Nadine

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