Warum ich nicht länger mit Verlagen über Reichweite spreche.

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Um es gleich vorweg zu nehmen: es fällt mir schwer. Das Lesen, das Bloggen – momentan eigentlich alles. Die alte Leichtigkeit, der gelegentliche Übermut, die Lust am Teilnehmen, Sticheln und Streiten, das alles ist mir in den letzten Monaten irgendwie abhanden gekommen. Meine Frau hat gesagt: Du brauchst mal eine Pause, das wird schon wieder.

Also habe ich eine Pause gemacht, bin viel Fahrrad gefahren, habe den Sommer und unseren Garten genossen und mich vorwiegend mit beruflichen Themen beschäftigt. Aber so schön und erfüllt jeder einzelne Tag auch gewesen sein mag, wenn ich abends ins Bett ging, spürte ich überdeutlich, dass etwas ganz Entscheidendes fehlte. Ich ohne das Buchrevier, das fühlte sich nicht richtig an.

Das ist schon mal gut zu wissen. Trotzdem macht es mir immer noch große Mühe, mich zu motivieren. Die Pause war gut und richtig, aber so wie früher wird es wohl nicht mehr werden. Denn nicht nur ich habe mich verändert, auch die Bloglandschaft hat sich gewandelt, und die Rollen sind neu verteilt. Instagram ist mittlerweile Leitmedium und hat die Weblogs in den Hintergrund gedrängt. Es gibt zwar immer mehr Menschen, die Buchcover fotografieren und im Netz hochladen, aber immer weniger, die das tatsächlich noch interessiert. Überall die gleichen Bücher, die gleichen Arrangements und meistens auch die gleiche Meinung – manchmal auch gar keine. Kein Wunder, dass das Interesse stagniert, denn das ist alles nicht nur nicht spannend, sondern auch nicht kreativ und folglich nicht besonders relevant.

Mittlerweile hat auch der Buchhandel Social Media entdeckt und flutet mit professionellem Eifer alle Kanäle mit ‚buchigem‘ Content. Ob Inhaber oder Azubi, alle engagieren sich für die gute Sache, halten tapfer Bücher in die Kamera und sagen dazu ein Verkaufssprüchlein auf. Kann man machen. Wenn es aber alle machen, gehen die wenigen Guten einfach unter. Gefühlt sind heute weit über die Hälfte der Buchblogger auf irgendeine Weise Teil des Literaturbetriebes. Und das verändert natürlich die Rahmenbedingungen. Wenn die Motivation für das Bloggen auch beruflicher Natur ist – sozusagen Teil der Jobbeschreibung – dann bleibt bei aller glaubhaft präsentierten Liebe zur Literatur ein Geschmäckle.

Und wo wir schon mal bei den harten Wahrheiten sind. Wer liest eigentlich all die Blogrezensionen und Bücherposts auf Insta und Facebook? In der überwiegenden Mehrzahl sind es Personen, die selber einen Buchblog betreiben oder Bookstagrammer sind; hin und wieder auch der Buchhandel, Verlagsmitarbeiter und manchmal auch Autoren. Ganz selten mal verirrt sich ein echter Leser in die Literaturblogosphäre, einer der mit dem ganzen Betrieb nichts am Hut hat und nur eine Lektüreempfehlung sucht. Es ist leider so: Blogger schreiben für andere Blogger und bewegen sich fast ausschließlich in ihrer Bücherblase. Mit Ausnahme von vielleicht einer Handvoll wirklicher Influencer, wie Florian Valerius oder Karla Paul, werden Buchblogger außerhalb des Literaturbetriebes überhaupt nicht wahrgenommen.

Von der anfänglichen Hoffnung, über Blogs und Social Media wieder mehr Menschen für das Lesen zu begeistern, ist nicht viel geblieben. Jetzt lautet die Devise, die verbliebenen Leser nicht auch noch zu verlieren. Dass man mit Literatur nicht die Reichweiten von Mode- und Lifestylebloggern erzielen kann, war allen von Anfang an klar. Das man aber noch nicht mal annähernd vergleichbare Zahlen erzielen kann und bei vielen Kanälen statt Reichweiten-Wachstum sogar Stagnation zu verzeichnen ist, ist schon eine herbe Enttäuschung.

Gestorben ist auch die Hoffnung, mit dem Bücherbloggen Geld zu verdienen oder sogar davon zu leben, wie andere Influencer es tun. Einige wenige schaffen es, nicht noch draufzuzahlen oder sich über den Blog für andere Tätigkeiten zu empfehlen. Die meisten aber freuen sich, wenn sie wenigstens die Bücher, die sie besprechen, nicht auch noch bezahlen müssen.

Beeindruckend finde ich, dass diese unattraktiven Rahmenbedingnen aber scheinbar niemanden wirklich abschrecken und ein wenig Applaus der Community schon ausreicht, um mit dem Bücherbloggen weiterzumachen. Und das findet sogar auf einem stellenweise sehr hohen Niveau statt, wie ambitionierte und kreative Projekte wie Tell, 54Books, Das Debüt oder Literaturpalast eindrucksvoll belegen.

Und in diesem bunten Gemengelage wurschtelt auch das Buchrevier mit – mittlerweile schon seit sechs Jahren. Die Aufmerksamkeit der Anfangszeit hat stark nachgelassen, womit ich anfänglich haderte, was aber der natürliche Verlauf der Dinge ist. Ich hatte meine Zeit, habe alles mitgenommen und jetzt stehen halt andere Personen im Fokus. Der positive Nebeneffekt ist: Ich kann jetzt machen, was ich will. Keine Verlagspromos, kein Rezensionsdruck – nichts, was ich unbedingt noch erledigen, lesen oder bewerten soll. Ich kann auch mal ein paar Wochen gar nichts machen und keinem fällt das auf.

Und dann ist da natürlich noch der Blogbuster-Preis, mit einer in diesem Jahr wieder ganz besonders starken Staffel. Auch wenn ich nicht mehr in der Jury bin, wirke ich im Hintergrund  immer noch kräftig mit, was mir nach wie vor große Freude bereitet. Am 24. September ist die Preisverleihung, und bin sicher, daß der Gewinnerin – in diesem Jahr stehen nur Frauen auf der Shortlist – noch eine große Zukunft als Autorin bevorsteht.

Wenn ich so nachdenke, was mir in meiner Zeit als Buchblogger am meisten Freude bereitet hat, dann ist es genau das, was mir im Moment am meisten fehlt: die persönlichen Begegnungen. Die gemeinsamen Messetage mit meinen Lieblings-Bloggern – mit Ilja, Tilman, Frank und Uwe, mit Vera, Mareike und Julia. Der Trubel in den Hallen, die Gespräche mit den Verlagen, das Kennenlernen von Autorinnen und Autoren, und nicht zuletzt: die Messepartys. Ich bin immer mit einem großen Glücksgefühl aus Frankfurt und Leipzig zurückgekommen, die Akkus prall gefüllt mit Energie und Motivation für die nächsten sechs Monate. Das alles fehlt in diesem Jahr. Der  Akku ist leer. Und Corona immer noch da.

Ich weiß nicht, wie häufig ich in den letzten sechs Monaten lesen musste, dass besondere Zeiten, besondere Maßnahmen erfordern. Das besondere an diesen Maßnahmen ist immer gleich und immer gleich enttäuschend: sie sind online. Viele sagen ja, dass durch und nach Corona digitale Kanäle an Relevanz gewinnen werden. Vielleicht passiert aber auch das genaue Gegenteil. Wenn der ganze Spuk erstmal vorbei sein wird, werden viele das Digitale genauso satt haben, wie den ungeliebten Mund-Nase-Schutz – und beides mit Wollust in die Tonne hauen. Wundern täte mich in dieser Zeit gar nichts mehr.

Dann will ich mal langsam zum Ende kommen. Vielleicht eines noch: Es gibt immer wieder Blogger, die mit ähnlichen Texten wie diesem hier ihren Abschied zelebrieren, dann aber doch nicht gehen oder kurze Zeit später wieder auftauchen. Keine Sorge, das wird hier nicht passieren. Wenn ich irgendwann mit dem Bloggen aufhören will, dann mache ich das einfach. Keine Ankündigungen und emotionalen Abschiede. Ich werde dann einfach nichts mehr schreiben und das war es dann. Aus, Ende, Feierabend. Irgendwann wird das so passieren, aber noch ist es nicht soweit.

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Foto: Gabriele Luger

26 Antworten auf „Warum ich nicht länger mit Verlagen über Reichweite spreche.

  1. So so…..ja, ja, alles hört irgendwann auf und anderes beginnt. Ich habe, wie du weißt, schon vor Jahren Social Media in die Tonne gekloppt und hoffe, der Mund-Nasenschutz folgt alsbald.
    Bei Instagram blicke ich nicht wirklich durch und bin da nur wegen meinem Poesiepreis…..aber auch das hat sich schon fast wieder erledigt.
    Buchladen läuft, auch dank unserer wunderbaren Indiebook Verlagsvertreterin.
    Ich kann dich so gut verstehen und bin auch etwas traurig, dass alles so eine beliebige und oberflächliche Entwicklung nimmt.
    Gerade eben, nach dem abhaken der remittenden Bücher, wurde mir wieder einmal bewusst, was alles nicht gelesen, bzw. verkauft wird.
    Alles ist zu viel momentan. Pause ist gut. Deine Beiträge lese ich supergern, vor allem die persönlichen und kritischen.
    Echte Begegnungen sind nachhaltiger und berühren anders als ein LIKEN oder chatten.
    Ich wünsche mir jedenfalls nicht so eine kalte Welt, wie Tobias Haberl sie in seinem durchaus lesenswerten Buch „Die große Entzauberung“ , beschreibt.
    Danke für deinen Beitrag.
    Stefanie

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  2. Einfach gehen, ohne ein Wort zu sagen oder zu schreiben, das nennt man übrigens neudeutsch: Ghosting. Das mal am Rande.
    Gut, dass Du Dir Deine Pause erlaubt hast. Corona ist immer noch, ja, leider. Und ich empfinde schon jetzt die meisten Online-Angebote als nicht sonderlich interessant. Als es das Literaturfestival angeboten hat, habe ich mir nicht eine einzige Veranstaltung online angesehen bzw. angehört, es hat mich einfach nicht interessiert. Hätte es tatsächlich stattgefunden (ja, ich weiß, es hat ja online stattgefunden), wäre ich aber hingegangen. So ist das. Bei mir zumindest.
    Ich verstehe Deinen, wenn ich es so nennen darf, Umut, sehr gut. Das, was fehlt durch und wegen Corona ist spürbar, ja, schmerzlich spürbar. Und das „live-„Erlebnis ist eben live und in Farbe und nicht vergleichbar mit einem Videoclip.
    Dennoch: Irgendwie die Ohren steif halten, wie man so schön sagt. Und weiter bloggen. Und über Bücher schreiben. Damit es Leute lesen können. Ich zum Beispiel. Ich lese sehr gern hier bei Dir.
    Ich sag auch Danke für Deinen Beitrag und eine Bitte: Solltest Du irgendwann aufhören, also ganz sicher, zu 100 %, bitte wenigstens einen Satz dazu zum Abschied schreiben. Vielen Dank.

    Entspannten Leseabend Dir.
    Liebe Grüße aus Berlin.

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  3. Hallo ☺️, ich habe deinen Artikel gelesen (war in der Story vom literarischen Nerd verlinkt) und finde ihn sehr interessant. Vielleicht bin ich da eine der wenigen Ausnahmen, aber auch die muss es ja geben…deshalb möchte ich mich gern dazu äußern. Besonders lange bin ich noch nicht bei Instagram und viele follower oder feedback hab ich auch nicht-und jetzt kommt das große ABER-nur wegen der Bücher hab ich mich in das Netzwerk gestürzt und es hat mir sehr viel gegeben in dieser Zeit mit Corona. Die vielen Kanäle auf denen Bücher besprochen werden und eine schier unbezwingbare Liste an Büchern die ich wegen der Empfehlungen gern lesen will, und noch nicht kannte, habe ich hier gefunden und bin dankbar für dieses neue, für mich noch so unerforschte Land. Natürlich wiederholen sich Empfehlungen, gerade bei den Rezensionsexemplaren und neuen Büchern, aber das empfinde ich nicht als störend (zumindest noch nicht) und suche mir raus, was mich interessiert! Was meine eigenen Rezensionen angeht habe ich einfach Spaß daran zu teilen, was ich lese und was das mit mir macht und freue mich darüber, wenn es den ein oder anderen (und mehr sind das wohl auch nicht) inspiriert oder auch einfach eben nur gefällt.
    Ich hoffe du gewinnst deine Freude am Bloggen zurück und bekommst wieder neue Inspiration, denn es gibt immer noch Menschen da draußen die angesteckt werden können von der Liebe zum Lesen und zum Buch!
    Liebe Grüße

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    • Liebe Katha,
      es wäre ja auch gelacht, wenn es die ganze Fülle an Insta-Buchcontent gäbe und keiner würde das wertschätzen. Frag tausend Menschen, was sie inspiriert und prägt und du bekommt tausend unterschiedliche Meinungen. LG Tobias

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  4. Lieber Tobias, auch wenn ich mich mit dem letzten Absatz auch ein wenig angesprochen fühlen muss (wobei es bei mir ja kein Abschied war, vielmehr eine Pause), so kann ich deinen Text nur unterschreiben. Für mich gab es zwar die ganzen realen Begegnungen nie, aber ich verstehe, dass kein Onlineangebot diese ersetzen kann.
    Bei mir persönlich lief es eher umgekehrt. Die Auszeit vor Corona hat mir erst wieder gezeigt, wie wichtig das Bloggen für mich ist, nur mit dem Gedanken verknüpft, dass ich mich damit übernehme auf vielen Hochzeiten mitzutanzen. Auch nicht jede Diskussion muss unbedingt geführt werden, auch das ermüdet mit der Zeit. Für mich selbst habe ich festgestellt, dass es ausreicht gute Literatur zu lesen und als Pluspunkt darüber zu diskutieren. Mehr braucht es nicht.

    Weil du den Blogbuster erwähnst: Hier gebührt dir großer Respekt gezollt, denn mit diesem Preis hast du etwas schönes auf die Beine gestellt und mir neben vielen anderen dadurch Bücher und AutorInnen geschenkt, die so sonst wohl nicht zur Veröffentlichung ihrer Manuskripte gekommen wären. Wenn dort der Spaß nicht verloren geht, hat sich das Bloggen doch schon gelohnt.

    Liebe Grüße
    Marc

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    • Lieber Marc,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich habe beim letzten Absatz nicht speziell an Dich gedacht. Aber jetzt, wo du es sagst…. 😉
      Nein, tatsächlich habe ich schon viele gute Bloggerinnen und Blogger wieder verschwinden sehen, auch unter den Blogbuster-Bloggern sind leider nicht mehr alle dabei. Aber ich freue mich, dass Du so viel Freude hast an den Blogbuster-Entdeckungen der letzten Jahre. Diese Staffel dürfte dich ganz besonders begeistern. Die Shortlist ist bärenstark!
      LG Tobias

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  5. Hallo Tobias,

    oh, du sprichst mir so aus der Seele… Gestern Abend habe ich mich noch mit meinem Mann über genau diese Themen unterhalten.

    Ich habe mich mal kurz mit Buchthemen auf Instagram versucht, aber schnell festgestellt, dass sich das für mich nicht stimmig anfühlte, aus genau den Gründen, die du hier ansprichst. Ich bin mit meiner Kunst sehr aktiv auf Instagram, aber das passt für mich auch viel besser zusammen, weil Kunst nun mal etwas Visuelles ist – im Gegensatz zu Literatur. Über Bücher schreibe ich dort gar nicht mehr.

    Ich verlinke meine Blogbeiträge mit einem kurzen Fazit auf Facebook, stelle aber immer wieder fest, dass die Leute dann auch nur das Fazit lesen und sich nicht die Mühe machen, auf meinen Blog zu kommen und den ganzen Beitrag zu lesen. Wenn die Verlage nicht erwarten würden, dass ich meine Rezensionen auch auf Facebook verteile, hätte ich mich dort möglicherweise schon komplett ausgeklinkt…

    Der Austausch auf meinem Blog ist weggebrochen, es gibt kaum noch Kommentare – obwohl ich in den Analytics sehe, dass viele stille Geister mitlesen. Und dieser Austausch fehlt mir so verdammt sehr.

    Ich bin immer wieder überrascht, wenn Verlage über 2.000 Follower erwarten, und das möglichst auf mehreren Kanälen.Wie viele Buchblogger können das tatsächlich bieten, und wie viele dieser Follower erreicht man dann *wirklich* mit seinen Beiträgen?

    LG,
    Mikka

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    • Hallo Mikka,

      ich kann verstehen, dass nicht mehr auf den Blogs kommentiert wird, sondern bei Facebook oder Insta. Die Leute wechseln nicht mehr so gerne hin und her und haben keine Lust, sich extra bei WordPress einzuloggen, um einen Kommentar zu schreiben. Und dann haben wir auch schnell den Effekt „Blogger kommentieren Blogger“, denn wer einen WordPress-Account hat, hat in der Regel auch eine Blog.

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  6. Ich kann dich gut verstehen. Das Qualitätslevel hochzuhalten (bei all diesem Banalkram auf Insta u.ä.) macht auch mürbe. Hör lieber nicht auf, du hast noch genügend Glut, um die Flamme wieder richtig zum brennen zu bringen. Keep on bloggin‘

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  7. Das sind die Abnutzungseffekte einer übersättigten Gesellschaft. So ist das leider. Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Genausowenig wie der Fortschritt. Alles wird zur Massenindustrie. Fotografie wird durch moderne Kameras, die es zulassen, dass mir die Kamera die Feinheiten abnimmt; die Brillanz zunimmt; ich beliebig häufig auf den Auslöser drücken kann, bis die Szene sitzt. Blogger und Influencer werden zum Massenphänomen. Bücher aus privater Feder überfluten den Markt; genauso wie Fernsehfreaks die vor Juries treten, bar jeder Begabung. Ich war immer ein Vertreter der Aussage, dass der Markt sich irgendwann selbst bereinigt, was Spreu und Weizen angeht. Im Buchsektor handhabe ich es schon lange so, dass ich den Empfehlungen folge, die mich auch in der Vergangenheit schon auf lesenswerte Kleinode hingewiesen haben. Es dauert halt ein wenig länger, bis man diesen für mich passenden Taktgeber gefunden hat. Neuerdings mache ich auch eine Kosten/Nutzen-Analyse, was Beiträge angeht. Mal ehrlich. Die meisten Beiträge werden überflogen; maximal geliked. Die wahre Welt findet Offline statt und das ist vielleicht auch gut so. Ich gehe in die Buchläden meiner Stadt; lese hinein; unterhalte mich mit der Buchhändlerin; lasse mich inspirieren.

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    • Hallo Frank,
      ich stimme Dur voll und ganz zu. Was gerade in unserer Blase passiert, findet parallel in vielen gesellschaftlichen Bereichen statt. Niedrige Zutrittsschwellen führen zu einem Überangebot und einer Abwertung vieler Leistungen. Andererseits passt sich der Mensch ja solchen Veränderungen sehr schnell an und entwickelt Fertigkeiten, die paar relevanten Perlen zu finden. Nur die Motivation derer, die diese Perlen produzieren, sinkt von Tag zu Tag. Bei den Blogs ist das ja zu noch zu verschmerzen, aber es geht den Buchautor*innen ja ähnlich, die viel Arbeit in ihre Projekte stecken und stellenweise überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden.

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  8. Hallo und guten Tag, wäre schade ist aber verständlich. Bitte bis dahin weiter machen- ich freue mich immer über Rezensionen aber auch persönliche Posts. Steht der neue Meyerhoff auf ihrer Liste? Wahrscheinlich wurde er Ihnen längst zugeschickt!? Ist sicher kein Klassiker aber beste Unterhaltung- Herzliche Grüße aus der Pfalz Britta

    >

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  9. Ja, es sind andere, recht merkwürdige Zeiten. Bei mir blinkt langsam der Akku-Melder, obwohl ich auch noch immer Lust verspüre zu lesen und zu bloggen. Es geht mal hinauf, mal wieder abwärts. Bisher kann ich auch noch auf eine gewisse Selbstdisziplin vertrauen, die ich dank meines Berufs entwickelt habe. Und mir fehlen auch die Begegnungen und Gespräche. Ich kann viele Deiner Aussagen unterschreiben.

    Ich muss da Frank recht geben. Immer schneller, weiter, höher und vor allem schöner und hipper, so ist unsere Gesellschaft ausgerichtet und so auch ein großer Teil der Literatur- und Buchbranche. Wir können daran nichts ändern, was wir können, das ist, für uns selbst einen eigenen Weg und Gleichgesinnte finden, die ähnlich ticken. Ich habe zwar noch immer die Hoffnung nicht aufgeben, dass nicht alle Verlage sich vor allem auf Influencer fokussieren, aber die Entwicklung geht sicherlich dahin. Obwohl ich mich dabei frage, inwieweit dies nicht auch ein ziemlich herber Kontrast ist: kurze Texte voller Adjektive und Emojis, schicke Bildchen zu anspruchsvollen, auch umfangreichen Büchern? Oder liegt es auch langsam am Alter…? Solange ich das Bloggen als Ausgleich und als kreatives Schaffen (mit sprachlicher Entwicklungstendenz und Resonanz) ansehe, bleibe ich dabei. Doch auch ich würde einen stillen Abschied bevorzugen. Viele Grüße

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    • Liebe Constanze, den eigenen Weg finden, sich mit Gleichgesinnten austauschen, gegenseitig motivieren und durch Selbstdisziplin den inneren Schweinehund besiegen – genauso mach ich das auch in anderen Lebensbereichen. Und ich glaube tatsächlich an eine Renaissance des Weblogs, wenn Instagram irgendwann das gleiche Schicksal widerfährt wie Myspace, Tumblr und Studi-VZ.

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  10. Für mich ist das mit dem Bloggen ähnlich wie mit dem in-Berlin-leben: Es ist zyklisch. Meinen Blog gibt es ja nun schon seit 12 Jahren und immer wieder saß ich davor und dachte: Wofür mache ich mir eigentlich die ganze Arbeit? Wer liest das und erreiche ich überhaupt irgendjemanden damit? Dann war ich kurz davor, die Seite zu schließen, auch ein bisschen Zynismus trat hervor. Aber ich bin dabei geblieben. Weil die Rückmeldungen nicht ausblieben, es an vielen Stellen deutlich wurde (und wird), dass ich (und auch dein Blog) eben DOCH außerhalb der Bubble gelesen werden. Ich sah mich noch nie in der Rolle der schnöden Buch-Empfehlerin, für mich waren meine Rezensionen schon immer ein kritisches Einordnen der Texte in den Kanon der Literatur – die Lobhudelei überlasse ich denen, die die Bücher verkaufen müssen. Und das wird geschätzt, wie ich immer wieder zu hören bekomme. Also, lieber Tobias, nicht die Ohren hängen lassen… :o) (Und ein Herz auch für dich, du Lieblingsblogger!)

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    • Liebe Julia,
      mit 12 Jahren Erfahrung blickt man wahrscheinlich etwas gelassener auf die Veränderungen. Und als gebürtige Kölnerin ist der Leitsatz „Et hätt noch immer jot jejange“ bestimmt so was wie ein Lebensmotto, oder?

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  11. Hallo Tobias, deinen Buchblog habe ich zufällig über eine Amazon Rezension über das Achte Leben entdeckt. Und seitdem bin ich wöchentlich auf deiner Seite. Ich like oder followe niemanden, weil mir das zu viel wäre. Aber dein Blog, aber auch die deiner Lieblingsblogger inspirieren mich sehr. Und gerade weil du nicht in der Buchbranche tätig bist, bedeutet mir deine Meinung über gewisse Hypes um so mehr.
    Despentes, Ferrante hätte ich vielleicht ohne dich ignoriert.
    David Vann oder Kirchhoff niemals in Betracht gezogen. Und es war ein Lesevergnügen!! Also mein Lesepensum hast du in den letzten vier Jahren vielleicht sogar ums dreifache gesteigert, um nicht von den Buchkäufen zu sprechen.

    Also hier ein Gruß von einem anonymen Bookoholiker.
    Bitte mach weiter. Dein Blog ist wichtig. Und bin mir sicher es gibt noch viele Leser und Buchblogfans der passiven social media Seite.

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  12. Lieber Tobias,

    wie an anderer Stelle angekündigt, möchte ich dir hier einen Kommentar schreiben, ganz wie früher, als Instagram noch in den Kinderschuhen steckte.

    Instagram – ja, das ist ein Thema für sich allein. Dorthin hat sich im Laufe der vergangenen Monate und Jahre viel verlagert. Einerseits ist es schön, andererseits aber auch nicht. Was mir dort gefällt ist der schnelle Austausch. Zudem sammele ich viel Inspiration ein. Auch für Buchhandlungen ist diese Plattform ein unersetzbares Tool geworden. Da muss ich dir an oberer Stelle widersprechen. Ich finde es enorm wichtig, dass Buchhandlungen auf Instagram und bei Facebook aktiv sind. Wie wären sie beispielsweise durch den Lockdown gekommen? Wo hätten sie all ihre kreativen Aktionen platzieren sollen? Um nur ein Beispiel zu nennen.

    Weniger gut sind die Insta-Folgen für die Blogs. Hier passiert deutlich weniger als früher. Weniger Austausch und Bewegung. Mir geht es nicht anders. Eine Buchbesprechung für Insta ist schnell getippt, für den Blog bedarf es schon ein bisschen mehr Zeit.

    Zu den Blog-Zweifel-Gedanken. Bei den Betreibern ändern sich natürlich die Lebensumstände. Einige werden Eltern, andere bauen sich ein Haus. Wieder andere fangen einen neuen Job an. Manch Freiberufler*in muss vielleicht sehen, wie sie/er durch die Corona-Krise kommt, und hat dadurch weniger Zeit fürs Bloggen und auch keinen kreativen Input. Andere möchten weniger online sein, weil das Offline so viel Wunderbares hergibt. (Bei uns ist es beispielsweise die neue Heimat und damit verbunden, die kraftgebende und fantastische Welt rund um das Wattenmeer.)

    Aber trotz zahlreicher Gedanken und Zweifel plädieren wir fürs Weitermachen. Zwischendurch mal loslassen und schauen, was passiert und dann wieder anfangen. Das ist ja das Wunderbare am Bloggen: WIR SIND UNABHÄNGIG. Und wir haben keinen Zeitdruck.

    Sinnkrisen gehören dazu. Immerhin ist der Blog eine kulturelle Einrichtung. Man kann einfach nicht pausenlos lesen und rezensieren. Der Geist braucht mal Erholung. Manchmal fühlen sich alle Worte tausendmal geschrieben und benutzt an. Dann ist es höchste Zeit zu schweigen und den Blick schweifen zu lassen.

    So wünsche ich dir, dass die Muse der Inspiration sich bald wieder neben deinen Lesesessel setzt und dir den Anfang eines Rezension ins Ohr flüstert.

    Hoffnungsvoll winkt

    Klappentexterin, die sich jetzt nach langer Zeit wieder an eine Rezension setzt

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    • Liebe Simone, das hast du sehr treffend auf den Punkt gebracht. Ich verstehe den Standpunkt des Buchhandels ja, letztlich führt aber das Überangebot buchigen Contents leider auch zur Übersättigung. Egal, alle Argumente wurden hier schon ausgetauscht. Was bleibt, sind Deine lieben Zeilen. Wann immer ich mal wieder Zweifel haben sollte, werde ich mir diesen Kommentar durchlesen. Liebe Grüße an die Küste! Tobias

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  13. Hi Tobias,
    vielen Dank für diesen spannenden Artikel. In einigen Punkten hatte ich bereits ähnliche Gedanken und bin froh, dass es auch andere Blogger*innen gibt, die diese Gedanken teilen. Ich blogge seit 2014, bin aber nie so richtig in „der Community“ integriert und war mir daher nicht sicher, inwiefern ich manche Sachen einfach nicht beurteilen kann, weil ich nicht mittendrin stecke.

    Zu der Follower*innensache: Ich hatte schon häufig die Vermutung, dass die Buchblogger*innencommunity vor allem aus Blogger*innen besteht, die sich gegenseitig folgen. Ich habe auch Nicht-Bloggerinnen, aber Bücherwürmer im Freundeskreis, die zwar gerne lesen und sich auch gerne über Bücher austauschen, aber nicht das Interesse haben auf Buchblogs (oder Social Media Kanälen) zu stöbern.
    Es stellt sich also die Frage, wie man Bücherwürmer außerhalb der Buchblogger*innenszene erreicht bzw. ob Blogger*innen ihren Content mit dem Anspruch produzieren, diese Zielgruppe erreichen zu wollen.
    Und was das betrifft, habe ich keine Erfahrung bzw. fehlen mir auch die Ideen.
    Außerdem hat das Lesen oder auch Kommentieren eines Artikels auch immer mit Zeit zu tun, die dann investiert werden „muss“. Ich mache es gerne, weil mich interessiert was andere Buchblogger*innen denken. Ich höre aber auch immer wieder von Blogger*innen, dass sie Artikel überfliegen, oder sich vor allem au Social Media herumtreiben, aber eben keine Beiträge mehr kommentieren.

    Natürlich ist es schön, wenn aus dem Hobby ein (Traum)beruf wird. Aber mir wäre der Druck hier zu groß. Man muss dann ja nicht nur regelmäßigen Content produzieren, sondern auch schauen, dass man seine Follower*innenzahlen behält und „in der vordersten“ Reihe bleibt, um keine Kooperationspartner*innen zu verlieren. Mir ist aber ehrlich gesagt nicht klar, wie sich diese Blogger*innen finanzieren, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass Verlage Rezensionen bezahlen, wenn es so viele Blogger*innen mit einer ähnlichen Reichweite „kostenlos“ machen würden.

    Das klingt vielleicht etwas flapsig formuliert, aber ich glaube, dass Instagram „nur“ eine Phase ist. Irgendwann ist der Hype um das Netzwerk auch wieder vorbei. Die Frage ist nur wann. Ich habe mich auch eine Zeit lang bei Instagram versucht, aber nicht den Eindruck gehabt, dass sich irgendwer austauschen will, oder meine Beiträge liest. Und an so einer Art von Kontakt bzw. eher nicht-Kontakt bin ich auch nicht interessiert.

    Obwohl ich viel mit Verlagen zusammenarbeite, habe ich dennoch den Eindruck, auch das schreiben zu können, was ich möchte. Allerdings hat das wahrscheinlich hauptsächlich damit zu tun, dass ich im Hörbuch eben in einem Nischenbereich der Literaturbranche unterwegs bin.

    viele Grüße

    Emma

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