Der Autor ist interessanter als sein Buch

Michel Houellebecq: Karte und Gebiet

Kann man Michel Houellebecq vorurteilsfrei begegnen? Sicherlich nicht, nach all dem, was in den vergangenen zehn Jahren von ihm und über ihn zu lesen war. Dieser Autor polarisiert. Und genau das macht seinen Erfolg aus. Auch das neueste Werk ist in erster Linie der neue Roman des Autors von „Elementarteilchen“ und dann erst eine Geschichte über den französischen Kulturbetrieb mit kriminalistischem Showdown. Hätte irgendein anderer Autorenname auf dem Buchdeckel gestanden, ich hätte das Machwerk nach ca. 100 Seiten weggelegt. Was soll der Quatsch?

Aber weil es Houellebecq ist, kann das nicht das naive Geschreibsel eines kulturinteressierten Krimiautoren sein. Wer den Autor von „Plattform“ kennt, ahnt dass „Karte und Gebiet“ nur eine bissige Satire auf den Kunstmarkt und die Kunstschaffenden sein kann. Aber das macht die Geschichte auch nicht gerade besser. Auch der zweite Teil, in dem der Tod des Autors himself und die verzweifelte Suche nach dem Mörder für etwas mehr Unterhaltung sorgt, kann nicht wirklich überzeugen. Das ist alles lahm, Stieg Larsson oder Simon Beckett hätten das besser hinbekommen. Interessant ist auch hier lediglich wieder die Figur des Autors hinter der Figur des Autors. Warum schreibt er das? Warum stellt er sich sein Ende so vor und lässt uns daran teilhaben? Ist das der letzte verzweifelte Versuch, noch ein Tabu zu brechen. Das letzte Tabu, das da vielleicht heißt: Du sollst dich nicht selbst öffentlich abmetzeln?

Trotz des frischen grünen Einbandes strahlt dieses Buch eine unglaubliche Müdigkeit aus. Selten bin ich auch beim Lesen so häufig eingenickt. So desillusioniert wie Houellebecq scheinbar durchs Leben geht, so matt und antriebslos schlürfen auch seine Protagonisten durch die Geschichte. Alle Tabus sind gebrochen. Der Zorn ist verflogen. Liebe kommt und geht. Hoffnung wird vertagt.

Am Ende stellt man sich als Leser die Frage: Was bleibt?
Houellebecq würde sagen: Nichts!

Gelesen: April 2011

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