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„Nanu Nanu“ auf Planet Randt

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Leif Randt – Planet Magnon. 

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr Zweitausendundirgendwas. Dies sind die Phantasien des literarischen Hoffnungsträgers Leif Randt, der uns mit seinem 300 Seiten starken Buch Planet Magnon in ein fremdes Sonnensystem entführt. Dort lernen wir neue kollektive Lebensformen und Drogen kennen, die nie zuvor ein Mensch probiert hat.

In Leif Randts SciFi-Roman fliegt der Mensch im Space-Shuttle von Planet zu Planet, ernährt sich bewusst, achtet auf sein Äußeres und sucht immer noch nach dem Sinn des Lebens. Die Mehrzahl der Planetenbürger ist in Kollektiven organisiert, einer Mischung aus Partei und Religion mit Scientology-Parallelen. Das Dolfin-Kollektiv braucht dringend neue Mitglieder, um die interstellaren Fördergelder nicht zu verlieren. Eine Werbekampagne mit den Top-Dolfins wird initiiert. Emma und der Ich-Erzähler Marten sind als Spitzenfellows auf Wahlkampfreise, fliegen von Planet zu Planet, halten Vorträge und tauschen sich mit anderen Kollektiven aus.

Das ist in etwa der Plot. Wer mehr Science und mehr Fiction erwartet, wird von diesem Roman enttäuscht sein. Keine Laserschwerter und keine Jedi-Ritter, dafür aber Sauropoden und Reinigungsroboter. Und ganz viel von den Problemen und Fragestellungen, die uns auch in der heutigen Zeit beschäftigen. Selbstverwirklichung und Sinnsuche auf der einen Seite, Leistungsdruck, Überforderung und Burnout auf der anderen. Unsere aktuellen Themen in der Welt von morgen zu sehen, ist schon etwas frustrierend und desillusionierend. Zeigt es doch, dass wir in der Zukunft zwar von Planet zu Planet fliegen können, aber in der eigentlichen Menschheitsfrage nicht einen Schritt weiter gekommen sind. So viele Kollektive, so viele Antworten gibt es. Alles keine Frage des Wissens, sondern immer noch des Glaubens. Und wer es nicht glauben mag, baut sich eine Tüte oder spült sich den Mund mit Magnon aus, der kupfernen Modedroge des Dolfin-Kollektivs.

Das Sci-Fi Szenario wird vom Autor sehr liebevoll beschrieben. Am Ende bekommt man in einem Glossar die wichtigsten Gegenstände und Begriffe noch einmal ausführlich erläutert. Auch die Aufmachung im kleinen, schwarzen Leinen, mit Kupferscheibe und Grafik des Sonnensystems ist sehenswert und hat Kultcharakter.

Doch so trost- und ereignislos das Leben in Leif Randts Sonnensystem dahinplätschert, so leer und einfallslos hat es mich am Ende zurückgelassen. Ich brauchte ein wenig, bis ich die ganzen Fragezeichen aus dem Kopf bekommen habe. Was soll ich da bloß drüber schreiben? Ich kann mir vorstellen, dass Jugendliche Spaß an diesem Buch haben werden. Es ist leicht zu lesen und irgendwie unverbindlich. Die chillige Botschaft könnte lauten: Warum soll ich mich anstrengen, wenn auch in der Zukunft alles Scheiße ist?

Ja, warum eigentlich? Das frage ich mich gerade auch.
Ich werde die Fragezeichen nicht los.

Foto: Gabriele Luger

2 Kommentare zu “„Nanu Nanu“ auf Planet Randt

  1. Unsere Leseeindrücke decken sich weitgehend, auch ich blieb am Ende etwas ratlos zurück, irgendwo zwischen fasziniert und perplex. Ich finde wahnsinnig spannend, was Leif Randt macht, hier und auch schon in Coby County, es ist so anders als das allermeiste, was die junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur sonst zu bieten hat. Aber recht begeistern kann es mich dennoch nicht, seine Literatur ist eher wie ein merkwürdiges Tier, das ich mit Neugier betrachte, ohne dass ich schlau daraus werde. Einer der Gründe übrigens (abgesehen vom üblichen Zeitproblem), weshalb es mit der Rezension bei mir etwas länger dauert …

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  2. Pingback: Leif Randt: Planet Magnon | SchöneSeiten

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