Juan S. Guse – Lärm und Wälder

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Meine neuen Laufschuhe? Ganz ok. Spaghetti Bolognese? Kann man essen. Der neue James Bond? Geht so. Jeder kennt das. Die meisten Dinge im Leben sind so ‚lala’. Hauen einen nicht vom Hocker, sind nicht richtig gut, aber auch nicht richtig schlecht. Mittelmaß halt. Selbst der Großteil der Bücher, die ich im meinem Leben so gelesen habe, fällt in diese Kategorie. Auch der Debütroman von Juan S. Guse macht da keine Ausnahme. ‚Lärm und Wälder’ ist nicht so schlecht, dass man die Lektüre irgendwann genervt oder gelangweilt abbricht, aber auch nicht so gut, dass es einen richtig packt und begeistert. Eben so lala.

Das beginnt schon beim Thema. Das geschmackvoll bedruckte Hardcover aus dem Fischerverlag ist – wie sollte es anders sein – mal wieder ein Endzeitroman. Derzeit scheinbar ein beliebtes Topic. Kein Wunder, denn die Gegenwartsliteratur greift ja meistens das auf, was vielen gerade so durch den Kopf geht. Und wer die Zeitung aufschlägt, kommt nicht umhin, sorgenvoll in die Zukunft zu schauen. Je jünger man ist, desto berechtigter die Sorge. Kein Wunder also, dass der blutjunge Juan S. Guse, geboren 1989, sich Sorgen macht und das literarisch verarbeitet.

Und wie er das macht, verdient durchaus Respekt. Sein Setting ist nicht ganz einfach, aber gekonnt inszeniert. Die Welt ist noch nicht ganz am Ende, aber es spitzt sich langsam zu. Richtig safe und unbehelligt lebt es sich nur noch in einer dieser sogenannten Gated Communities, mit Schutzzaun, privatem Sicherheitsdienst und peniblen Eingangskontrollen. Das kennt man aus den USA, Südafrika und vielen anderen Ländern, wo die Schere zwischen arm und reich besonders stark auseinander klafft.

Guse lässt seine Handlung in Südamerika spielen, am Fuße der Anden befindet sich Nordelta, eine dieser streng bewachten Siedlungen, wo die Privilegierten vor dem tobenden Mob noch halbwegs in Sicherheit sind. Wir begleiten eine vierköpfige Familie durch ihren Alltag in der Nordelta-Community. Da wird viel erklärt und muss nach Guses Ansicht wohl auch viel beschrieben werden, damit man sich das als Leser auch richtig vorstellen kann. Haushalt, Schule, Arbeit, Nachbarn, Glaubensgemeinschaft, Freizeit – das alles wird sehr ausführlich beschrieben. Das ermüdet etwas und lässt einen fast übersehen, dass der Jungautor sich mit einem Setting nicht zufrieden gibt und noch einen zweiten Handlungsstrang aufbaut.

So ganz trennscharf ist der Übergang nicht. Irgendwann habe ich aber doch mitbekommen, dass sich die Erzählperspektive geändert hat und wir uns in einer anderen Zeit an einem anderen Ort befanden. Pelusa und Hektor, die beiden Protagonisten, in ihrer Zeit vor dem Umzug nach Nordelta. Oder danach? So ganz klar wird das nicht.

Ist auch egal. Der zweite Handlungsstrang rettet auf alle Fälle die trotz aller Endzeitproblematik etwas dröge Rahmenhandlung. Und überhaupt – während der Roman ca. 200 Seiten lang eher durchschnittliche Unterhaltung bietet – sprachlich durchaus solide, nicht bemerkenswert, aber ganz ok – dreht Guse auf den letzten 100 Seiten noch einmal richtig auf. Da freut man sich dann, dass man doch dran geblieben ist, den Roman nicht vorschnell in die Ecke gelegt hat und das Ende der Geschichte doch noch mitbekommt.

Mein Fazit? Kann man lesen, muss man aber nicht.

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Titelfoto: Gabriele Luger

Verlag: Fischer
320 Seiten, 19,99 €
Hier im lokalen Buchhandel bestellen.

 

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