Leserbrief #1

8

IMG_6825

Lieber Martin,

entschuldigen Sie bitte, dass ich diese Abiturienten-Anrede verwende: Vorname und gleichzeitig Siezen. Verstehen Sie das bitte nicht falsch. Denn zum Einen sind sie mir seit Jahren so vertraut, dass der Vorname mir ganz selbstverständlich über die Lippen kommt. Gleichzeitig bin ich so voller Respekt – vor Ihrem Lebenswerk, ihrem Können und natürlich auch Ihrem Alter, dass das Siezen mir als die einzig angemessene Form der Anrede erscheint.

Nun ja, aber warum schreibe ich Ihnen? Beinahe hätte ich gesagt, dass ich Ihnen schon immer mal schreiben wollte, dass wir uns grundsätzlich alle viel zu wenig schreiben. Doch das stimmt gar nicht. Weder das eine, noch das andere. Eigentlich hatte ich noch nie das Bedürfnis, Ihnen zu schreiben. Ich bin keiner dieser Leserbriefschreiber, muss nicht immer alles kommentieren, allen meine Meinung aufdrängen. Auch wenn ich anderer Ansicht bin, kann ich Dinge einfach mal so stehen lassen. Ich spreche darüber mit meiner Frau, wir diskutieren ein wenig und dann ist es erledigt. Und seien wir mal ehrlich – schreiben tun wir ja alle heutzutage mehr als genug. Statt zu telefonieren, statt miteinander zu sprechen, posten und chatten wir uns um Kopf und Kragen.

Nein, ich kam auf die Idee, Ihnen zu schreiben, weil in Ihrem neuen Roman auch so viel geschrieben wird. Ich meine jetzt nicht Sie, Martin, natürlich nicht. Das ist ja klar, dass Sie das alles schreiben mussten. Sonst gäbe es für mich ja nichts zu lesen. Nein, ich meine natürlich Ihre Protagonisten, den Theo und die Sina, wie sie sich schreibend hochschaukeln, erst auf Papier, mit richtigen Briefen – Briefmarke drauf und ab in die Post. Danach, als sie langsam in Fahrt gekommen sind, nur noch per E-Mail und SMS, weil es schneller geht, weil die Erregung nach sofortiger Befriedigung verlangt.

Da dachte ich mir, schreib dem Martin mal einen Brief. Schreib ihm doch mal, wie sehr es dich langweilt, seit Jahren immer wieder den gleichen Roman von ihm zu lesen. Sprachlich gewohnt top, aber mit diesen alten Egos, die nicht zur Ruhe kommen und auch im hohen Alter ihren Hosenfrieden noch immer nicht gefunden haben. Uuups, ja so deutlich muss man es jetzt mal sagen. Richard Kämmerlings umschreibt es in der WELT ja ganz charmant und nennt Sie einen Erotomanen. Man könnte so jemanden aber auch weniger charmant als Lustgreis bezeichnen.

Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, lieber Martin, und es geht mich eigentlich ja auch gar nichts an. Aber ist es wirklich so? Hat man im hohen Alter nicht ein paar andere Themen, die einen beschäftigen? Hört das mit den Hormonen denn nie auf? Oder warum müssen in jedem ihrer letzten Romane immer wieder greise Protagonisten im Liebeswahn attraktiven Mitfünfzigerinnen hinterherhecheln? Ja, ich weiß, es ist eines Ihrer zentralen Themen: die Unmöglichkeit der Liebe. Ich habe dazu schon sehr viel von Ihnen gelesen und mittlerweile verstanden, dass lebenslange Liebe zwischen Mann und Frau nicht möglich ist, diese Unmöglichkeit aber wiederum vieles möglich macht. So verquer denken Sie, so schreiben Sie, so mag ich es ja eigentlich auch. Aber bitte nicht immer wieder jedes Jahr aufs Neue.

Als ich mir Ihr Buch gekauft habe, postete ich davon ein Foto auf Facebook. Darunter kommentierte ein Blogger, dass Sie vor zwanzig Jahren besser aufgehört hätten, Romane zu schreiben. Das hat mich natürlich sehr empört, ganz besonders, weil es dann mein Lieblingsbuch von Ihnen „Der Lebenslauf der Liebe“ nicht gegeben hätte. Aber nach der Lektüre Ihres aktuellen Werks, das ich wie auch die letzten drei Romane nach dem zweiten Drittel einfach nicht mehr weiterlesen wollte, muss ich zähneknirschend zugeben, dieser Facebook-Kommentator hat gar nicht mal unrecht.

Lieber Martin, eines noch: Der Titel ihres neuen Romans hat mich erschreckt. Auch, dass sich Ihr Protagonist in Suizidforen herumtreibt, erfüllt mich mit großer Sorge. Sie werden sich doch wohl nicht den alten Fritz J. zum Vorbild nehmen? Dabei fällt mir ein: mochten Sie sich eigentlich? Standen Sie sich nahe? Oder wurde auch da das Tischtusch schon vor Jahren zerschnitten?

Wenn ich mir eines noch von Ihnen wünschen dürfte, dann wäre es ein letzter, großer, bedeutender Abschiedsroman. Ein Roman, der die durchschnittlichen Machwerke der letzten Jahre einfach vergessen lässt. Mit einem jungen Protagonisten, der einen drei- oder wenigstens zweisilbigen Nachnamen hat und das Unmögliche möglich macht. Sie wieder dahin zu führen, wo sie eigentlich hingehören: in die Ruhmeshalle der deutschen Literatur.

Herzlichst grüßt Sie Ihr ergebenster

Leser aus dem Buchrevier  

Im Sanatorium der schönen Sätze

1518318_866788046688624_3673780010047216453_o

Marion Poschmann – Die Sonnenposition. 

Es ist schon komisch mit diesem Buch. Direkt nach dem Auslesen hätte ich es noch als gut, wertvoll und lesenswert bezeichnet. Ein paar Wochen danach, konnte ich mich kaum noch an die Handlung erinnern. Und nicht, weil ich ein schlechtes Gedächtnis habe oder es nur überflogen habe. Nein, weil die Handlung bei diesem Roman wohl eher nebensächlich ist.

Was diesen Roman vielmehr auszeichnet ist die Sprache. Hier bewegt sich die Autorin auf einem beeindruckend hohen Niveau. Marion Poschmann kann mit Ihren Sätzen wunderbare Stimmungen erzeugen. Ich habe mir manche Passagen mehrmals hintereinander laut vorgelesen, weil sie einfach so wunderschön waren.

Inhaltlich allerdings wirkt alles irgendwie konstruiert, unausgegoren, an den Haaren herbeigezogen. Die Protagonisten bleiben für mich merkwürdig konturlos, die Liebesbeziehung zwischen der Schwester und dem Freund Odilo ist in meinen Augen unglaubwürdig. Das Hobby der Hauptfigur Altfried, die Jagd nach Erlkönigen, ist nicht nur albern, sondern passt auch nicht zur Figur. Ich ahne natürlich den tieferen Sinn, sehe auch was allegorisch hinter Odilos Profession und Altfrieds Hobby stehen könnte: das Gewöhnliche, das von Innen leuchtet und das Außergewöhnliche, was sich der Umgebung anpasst und tarnt. Toll! Und was soll ich damit jetzt anfangen?

Im Klappentext steht, dass Marion Poschmann eigentlich Lyrikerin ist. Das erklärt so einiges. Eine Lyrikerin hat einen Roman geschrieben. Das Ergebnis ist ein lyrischer Roman. Was sollte auch sonst dabei herauskommen?

Mein Fazit: Nicht geeignet für den schnellen Konsum. Eher etwas für Genießer, die Spaß an gefühlvollen Sätzen und am Auffinden versteckter Tiefgründigkeiten haben. Sicher auch ein Buch, das beim zweiten Lesen noch gewinnt.

Gelesen: Februar 2014
Titelfoto: Gabriele Luger

Die Belletristik ist im Arsch

4

10391367_887088214658607_6999834584057679403_n

Howard Jacobson – Im Zoo.

Früher, als junger, über vieles noch staunender Leser habe ich mir oft Sätze in Büchern unterstrichen. Dann viele Jahre nicht mehr. Bei Howard Jacobson habe ich wieder mit dem Unterstreichen angefangen. Zum Beispiel Sätze wie diesen hier: „Wie alle anderen in der Welt auch, wollte Vanessa eine Schriftstellerin sein, deren Bücher veröffentlicht wurden. Sie war das, was die Zukunft uns verhieß: keine Leser mehr, aber alle sind Schriftsteller.“

Der aktuelle Roman des – wie die Medien schreiben – witzigsten britischen Autors ist voll mit solch ernüchternden Feststellungen über den Zustand des Buchmarktes. Und wer in letzter Zeit mal einen Blick in die Verkaufsräume einer der großen Buchhandelsketten geworfen hat, kann Jacobson nur zustimmen. Was noch läuft sind Kochbücher für Bulimiker, Fantasy- und Vampir-Geschichten, Regional-Krimis und dicke History-Epen mit den Tudors. Bücher müssen entweder einen praktischen Nutzwert bieten oder eine bemerkenswerte, bisher nie dagewesene Geschichte erzählen. Dafür gibt es laut Jacobson noch immer Leser. Für alles andere nicht mehr – „die Belletristik jedenfalls war am Arsch“ so sein vernichtendes Urteil.

Natürlich ist das eine sehr zynische und übertriebene Sichtweise. Man weiß nicht ob man lachen oder weinen soll angesichts des schwarzen, britischen Humors, mit dem Jacobson den Niedergang der Buchbranche skizziert. Dargestellt in der Figur des Schriftstellers Guy Abelmann, der verzweifelt versucht, sich im Geschäft zu halten. Mit einem letzten Tabubruch als Story für seinen nächsten Roman: Sex mit der Schwiegermutter! Und zwar seiner eigenen Schwiegermutter. Und so versucht der Ich-Erzähler im Verlauf der Geschichte, sich an die immer noch sehr attraktive Mutter seiner Frau heranzumachen.

Das alles hat mich sehr gut unterhalten. Jacobson ist wirklich witzig, ein sympathischer Zyniker und Macho, der nicht nur den Niedergang der Buchbranche, sondern auch den ewigen Kampf der Geschlechter trefflich auf den Punkt bringt. Zum Beispiel mit dieser Aussage über die Anziehungskraft von Schriftstellern auf Frauen: „Man schenke einem Mann ein, zwei Worte mehr als normal ist, und er wird immer eine Frau finden, die ihn verehrt.“

Und während ich das hier schreibe, fällt mir auf, dass ich Jacobson auf den Leim gegangen bin und als ein Leser vorgeführt werde, der keinen Deut besser ist, als das degenerierte Publikum in seinem Roman. Denn letztlich wollte auch ich nur wissen, ob der Protagonist es denn tatsächlich schafft, seine Schwiegermutter ins Bett zu kriegen. Als Nicht-Leser findet man die Antwort darauf bestimmt in irgendeiner Rezension bei Google. Die letzten verbleibenden Leser dagegen finden sie „Im Zoo“.

10896975_1534296296852662_389689376058764117_n

Titelfoto: Gabriele Luger

Ein Buch, um sich zu finden

9

10866023_884939081540187_2942033763275087166_o

Nino Haratischwili – Juja. 

Das Buch ist pink und der Titel „Juja“ klingt etwas kindisch. Das und der Einband ohne Schutzumschlag lassen eher auf einen Jugend-Roman schließen. Juja, das könnte die Geschichte eines rebellischen Teenagers sein, der von Zuhause wegläuft. Oder ein Pferd, das von der Wettmafia aus dem Stall geklaut wird. Aber weit gefehlt. Der Name „Juja“ steht für einen Menschen, den zu lieben es sich lohnt und von dem geliebt zu werden, sich noch mehr lohnt. Dass solche Menschen nicht einfach zu finden sind, viele daran scheitern, ihr Leben mit dem Falschen verbringen, das alles weiß man oftmals erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Also kein Teenager-Roman, sondern Pathos- Literatur par Excellence für Erwachsene.

Gerade habe ich das Buch tief bewegt aus den Händen gelegt. Wieder mal ein beeindruckendes Werk von einer Frau geschrieben, wieder ein Meisterwerk von Nino Haratischwili. Für mich das dritte Buch, das ich von ihr gelesen habe, doch eigentlich ihr Debüt. Mit Juja hat sie es 2010 bereits auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Von mir damals gar nicht wahrgenommen. Erst 2014 habe ich diese wundervolle Autorin entdeckt. Und was soll ich sagen? Auch dieser Roman ist einfach wunderbar und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Doch muss ich zugeben, dass ich ein wenig Startschwierigkeiten hatte. Die ersten hundert Seiten tat ich mich schwer. Verschiedene Erzählfiguren, Handlungsstränge, Zeiten und Orte mussten erst einmal identifiziert, sortiert und zugeordnet werden. Die Autorin lässt den Leser damit bewusst alleine. Wenn man wie ich gar nicht wusste, worum es bei diesem Roman geht, gestaltet sich die Lektüre ein wenig anstrengend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne Kenntnis ihrer beiden weiteren Romane nicht vorzeitig abgebrochen hätte.

Aber so blätterte ich ab und zu mal zurück, ordnete für mich die einzelnen Frauenfiguren den Erzählsträngen zu und war nach 100 Seiten voll und ganz drin in der Geschichte. Der Plot ist ganz interessant könnte aber auch von Carlos Ruiz Zafon stammen. Ein kleines Buch, angeblich von der 17-Jährigen Selbstmörderin Jeanne Saré geschrieben, treibt jede Menge weitere Frauen in den Tod. Als Leser verfolgen wir verschiedene Charaktere, die zwischen 1953 bis 2005 auf unterschiedlichste Weise mit Saré und ihrem Buch in Verbindung stehen. Wie gesagt, am Anfang etwas verwirrend, aber wenn man alle Figuren geordnet hat, kommt Fahrt auf und es liest sich recht spannend.

Und obwohl ich nicht vorhabe, mich demnächst umzubringen, stellte ich beim Lesen fest, was da erzählt wird, ist auch ein Stück weit meine Geschichte. Denn auch ich bin ein Leser, der prinzipiell immer nach Antworten sucht. Antworten auf Fragen, die ich mir noch gar nicht gestellt habe. Eine der Protagonistinnen, Francesca, bringt es auf den Punkt: „Die Geschichte (des Buches von Saré) selbst erzählt nichts, aber sie gibt Dir die Möglichkeit dich darin wieder zu finden“.

Ich glaube genau das unterscheidet gute von weniger guter Literatur. Nicht dem Leser Antworten geben, sondern die Möglichkeit, die richtigen Fragen zu stellen. Pathos nicht aus jeder Buchseite tropfen lassen, sondern eher beiläufig im Kopf des Publikums zu erzeugen. So dass man am Ende das Werk innerlich aufgewühlt aus der Hand legt und sich fragt, was mit einem passiert ist. Dann, ja dann hat man wohl ein richtig gutes Buch gelesen.

Gelesen: Dezember 2014
Foto: Gabriele Luger

Alle Sorgen plötzlich nichtig und klein

2

1780228_839597646074331_6897382490816986682_o

Robert Seethaler – Ein ganzes Leben.

Manchmal muss man einfach mal die Sichtweise wechseln, um zu sehen, wie gut es einem geht. Und nicht nur das. Um zu begreifen, wie unbedeutend das eigene Leben eigentlich ist. Wie wenig von einem bleibt. Wie schnell alles verfliegt. So wie von Andreas Egger, dem traurigen Helden in Robert Seethalers aktuellem Roman.

Er kam zur Welt, hat früh seine Mutter verloren, ist ungeliebt herangewachsen, hat hart gearbeitet, dann endlich die Liebe gefunden und sie sofort wieder verloren. Er hat gehungert, gefroren, in Stein gebohrt und ist gestorben. Das alles erfährt man in drei bis vier Stunden anregender Lektüre – mehr braucht man für die 150 Seiten von „Ein ganzes Leben“ nicht. Aber diese Lesezeit ist Gold wert. Wie geläutert legt man das Buch aus der Hand und blickt sich um. Alle Alltagsprobleme, der ganze Stress, die großen und kleinen Sorgen – wie beim Flug über den Wolken erscheint einem plötzlich alles „nichtig und klein“.

Was will man mehr? Das ist doch wirklich das Schönste, was man von einem Buch erwarten kann. Lesen, um Gelassenheit zu erlangen, seinen Frieden zu finden. Ich weiß nicht, ob Seethaler das wirklich beabsichtigt hat. Ich glaube nicht. Vielleicht wollte er einfach nur eine einfache Lebensgeschichte erzählen. Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Moral von der Geschicht`. Und wie das immer so ist, wo die Moral fehlt, denkt sich der Leser eine dazu. Und die lautet diesmal: Lesen macht glücklich.

Hier Robert Seethalers Roman bei ocelot, just another bookstore versandkostenfrei bestellen. 

Gelesen: Dezember 2014
Foto: Gabriele Luger

Ein nahezu perfekter Roman

1

10479348_810185225682240_4732775371131095344_n

James Frey – Strahlend schöner Morgen

Los Angeles ist eine große Stadt. In Los Angeles leben viele Menschen. Menschen wie Du und ich. Und Menschen, die es nur in Los Angeles gibt. So wie Amberton Parker und Esmeralda Hernandez. So wie Maddie und Dylan und Old Man Joe. Das sind die Stars dieses Romans. Ein Roman der kurzen Sätze. So kurz wie diese Sätze hier. Kurz steht für Daten und Fakten. Wir Leser werden damit gefüttert. Mit Zahlen über diese große, weite, prosperierende Metropole. Über Stadtviertel, Bundesstraßen und Highways. Über die Straßengangs. Über die Filmindustrie und auch über die Pornofilmindustrie. Über die Kunstszene. Und über noch viel mehr.

Diese ganzen Details und Aufzählungen wären auf die Dauer unerträglich langweilig, hätte Frey sie nicht in die Handlungsstränge der vier anfangs erwähnten Protagonisten eingebettet. Und so trocken wie Frey die Faktenlage der städtischen Entwicklung schildert, so empathisch, anschaulich und liebevoll baut der Autor seine Romanfiguren auf. Und in diesen Handlungssträngen gibt es auf einmal Nebensätze und gefällige Verschachtelungen.

Der selbstverliebte Amberton Parker, ein Schauspieler von der Bedeutung eines Brat Pit, den seine vor der Öffentlichkeit verborgene Homosexualität in reichlich Schwierigkeiten bringt. Das junge Ausreißer-Paar Maddie und Dylan, die in LA ein neues Leben anfangen wollen, irgendwann Geld klauen und dadurch in reichlich Schwierigkeiten kommen. Esmeralda, die ihre dicken Oberschenkel nicht akzeptieren kann und dadurch Schwierigkeiten hat, einen Mann zu finden. Und Old Man Joe, der jeden Tag aufs Neue mit mehreren Flaschen Chablis vor seinen Schwierigkeiten flüchtet und dabei wieder in Neue hinein gerät.

Frey scheint gerne mit literarischen Stilformen zu experimentieren, immer auf der Suche nach dem perfekten Roman. Aus diesem Grund ist er mir aufgefallen. Sein aktuelles Projekt Endgame sorgt derzeit wieder für viel Diskussion. Genau wie seine vermeintliche Autobiografie „Tausend kleine Scherben“, die er so authentisch verfasst hat, dass ganz Amerika darauf hereingefallen ist. Das wird ihm heute noch übel genommen. Auch „Strahlend Schöner Morgen“ ist ein nahezu perfekter Metropolenroman.

Mir hat die Lektüre viel Spaß gemacht. Und ich denke für James Frey ist es durchaus ok, wenn man die langatmigen Aufzählungen der ganzen Daten und Fakten zu Highways, Straßengangs und sonstigen Kuriositäten einfach auslässt. Denn ein perfekter Roman ist erst perfekt, wenn er nicht ganz perfekt ist.

Hier klicken: Ein Bericht in der literarischen WELT über das neue Projekt von James Frey Endgame.

Gelesen: Dezember 2014
Titelfoto: Gabriele Luger

Kafkaesk in der Ukraine

10468034_872968139403948_1144120956765711395_o

Olaf Kühl – Der wahre Sohn 

Es ist schon fast ein Jahr her, am ersten Geschäftstag nach Weihnachten. Das Belletristik-Regal meiner Buchhandlung war ziemlich ausgedünnt und daher schön übersichtlich. Die Titel, die mich interessierten, waren alle nicht da. Also mal schauen. Da fiel mir der niveauvoll gestaltete Einband von „Der wahre Sohn“ in die Hände. Olaf Kühl? Nie gehört. Auf dem Umschlagklapper keine Pressestimmen, sondern eine Leseprobe. Nicht schlecht. Dazu noch Longlist-Titel 2013 – gekauft.

Zuhause dann, nach den ersten hundert Seiten – Enttäuschung, Ärger, Wut! Was ist das denn? Eine Kriminalstory auf Jerry Cotton-Niveau! Nein, noch nicht mal. Da will mir doch der Autor einreden, dass der Vorstand eines großen Konzerns seinen Job riskiert, in dem er seinen Firmenwagen klauen lässt, nur damit er sechs Monate früher das neue Modell bekommt. Für wie blöd…? Dazu präsentiert sich der Protagonist als der unprofessionellste Ermittler der Welt. Stolpert in der Nachwende-Ukraine von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Ungnädiges Augenrollen beim Leser. Aufhören? Weiterlesen? Mal schauen – fünfzig Seiten wollte ich dem Roman noch geben. Und dann auf einmal hatte er mich. Plötzlich war klar, dass es hier nicht um den Diebstahl eines Autos geht.

Das ist kein drittklassiger Kriminalroman, sondern ein erstklassiger Familienroman! Mit skurrilen Charakteren wie Svetlana, die auch mit 86 Jahren noch mit ihren weiblichen Reizen kokettiert. Oder dem falschen Sohn Arkadij, der seit Jahren in der Psychiatrie vor sich hindämmert. Mit Olha, dem verschwundenen Kindermädchen und mit Konrad, dem fast schon tollpatschigen Ermittler, mittendrin. Das alles hatte etwas schräges, morbides, je fast schon kafkaeskes.

Also nicht aufhören. Weiterlesen – es lohnt sich. Und positiv erwähnt werden sollte auch, dass der Titel des Buches tatsächlich Sinn macht. Das scheint in letzter Zeit ein wenig unmodern geworden zu sein. Nein, in Olaf Kühls Roman taucht tatsächlich „der wahre Sohn“ noch auf. Und verhilft der Story zu einem fulminanten Showdown. Fast schon wie einem echten Kriminalroman – aber einen, den Kafka hätte schreiben können.

Gelesen: Januar 2014

Foto: Gabriele Luger

__________________________

Hier klicken, um den Roman versandkostenfrei bei ocelot, not just another bookstore bestellen. 

Rückzug in Bodos Welt

1234436_853694397997989_8326984336748470632_n

Bodo Kirchhoff – Verlangen und Melancholie.

Draußen in der Welt geht es drunter und drüber: IS, Boko-Haram, Ukraine, Gaza und Ebola. Wie schön ist es da, sich mit einem Glas Wein und dem neuen Kirchhoff aufs Sofa zu setzen und für ein paar Stunden das ganze Elend auszublenden. Ein wohltuender Rückzug ins Innere. In der Literaturbeilage meiner Tageszeitung war jüngst ein kleiner Test zu finden: Welcher Romantyp bin ich? Sieben einfache Fragen galt es zu beantworten und danach stand fest, dass ich ein Identifikationsleser bin. „Sie wollen sich wiedererkennen in Protagonisten, in Abgründen, in Gefühlslabyrinthen und Denkkaskaden.“

Ja, in der Tat: das will ich. Deshalb lese ich überwiegend Bücher von Autoren, die mir prinzipiell sympathisch sind. Ich schaue mir zum Beispiel die Autorenfotos an und entscheide dann, ob ich mich in Figuren dieser Person wiedererkennen möchte. Will ich dem Autor in seine Gefühlslabyrinthe folgen, interessieren mich seine Denkkaskaden?

Bodo Kirchhoff ist mir nicht nur sympathisch, ich bin mittlerweile ein richtiger Fan. Ich liebe seine Wortkaskaden, seine Beziehungsbeschreibungen, den ewigen Kampf der Geschlechter um Liebe, Anerkennung, Lust und Sehnsucht. Und freue mich in jedem seiner Romane wieder aufs Neue mit ihm von Frankfurt über die Alpen nach Italien, vorzugsweise an den Gardasee zu reisen – sein und mein Lebenslieblingsort. Ich habe jetzt vier Bücher von ihm gelesen und obwohl immer wieder die gleichen Muster auftauchen, bin ich immer wieder begeistert. Das ist halt sein Stil, sein Erkennungszeichen. Als Werber würde ich sagen: sein Markenkern.

Wenn man so will, ist „Verlangen und Melancholie“ wieder ein typischer Roman dieses Autors. Da ist alles drin, was die Marke Kirchhoff auszeichnet. Mann und Frau, Liebe und Entfremdung, Verzweiflung, Hoffnung und natürlich auch wieder Frankfurt und Italien. Und so war für mich alles gut. Ich konnte mich herrlich identifizieren, in Gefühlslabyrinthen verirren und Kirchhoffs wunderbare sprachliche Virtuosität genießen. Ein wunderbares Buch für lange Winterabende und um für ein paar Stunden, der harten Wirklichkeit zu entfliehen.

Gelesen: Oktober 2014
Foto: Gabriele Luger

________________________________________________________

Hier klicken und den Roman von Bodo Kirchhoff versandkostenfrei bei ocelot bestellen.

Man muss sich durchboxen

1

Stephanie Bart – Deutscher Meister

Mein erster Gedanke nach ein paar Seiten Lektüre: da hat aber jemand gut recherchiert! Fakten über Fakten aus einer fremden Welt, einer harten Zeit, einem zerstörten Leben. Auch wenn ich schon viele Geschichten aus der Zeit des dritten Reiches gelesen habe, vom Boxer Trollmann hatte ich noch nichts gehört. Das hat mein Interesse geweckt. Bei Youtube findet sich dazu auch ein Dokumentarfilm-Trailer mit dem befremdlichen Titel Gibsy (sic!). Pluspunkt für Stephanie Bart, dass Sie für ihr Debüt einen anderen Titel gewählt hat.

Trotzdem, das kurze Video hätte ich mir nicht anschauen sollen. Denn die Geschichte von Trollmann ist schnell erzählt. Das Ende wie das von so vielen Naziopfern. Der Weg dahin vergleichbar entwürdigend und aus heutiger Sicht vorhersehbar. Es tut mir leid, aber mein Interesse an dem Buch schwand noch bevor ich mit der Lektüre begann. Ich kenne diesen Effekt bei mir, schaue deswegen auch keine Filme wie zum Beispiel Titanic. Wenn ich weiß, was passieren wird, dann muss die Darreichungsform schon künstlerisch sehr bemerkenswert sein, damit ich mich darauf einlasse.

Leider hat Frau Bart nur einfach ihre Recherergebnisse narrativ zusammengefasst. Eine besondere sprachliche Brillanz, wie andere lobend erwähnen, konnte ich nicht entdecken. Sauber geschrieben, ja, aber zu detailliert, zu klein-klein, mit Fakten überladen, zu wenig Empathie, bestimmt historisch super korrekt, aber mehr leider nicht. Stellenweise habe ich ein wenig Fallada-Stil gespürt, bzw. gehofft ihn zu spüren. Gleiche Zeit, gleiche Kulisse, es hätte gepasst und durchs Buch geholfen.

Aber jetzt will ich mal nicht zu negativ sein. Deutscher Meister ist prinzipiell ein gutes Buch. Nur nicht für mich, denn ich mag den Boxsport überhaupt nicht. Stephanie Bart hat diese schweißige, brutale Welt so eindrucksvoll, plastisch auferstehen lassen, dass mir regelrecht übel wurde. Boxen und Nazis – das ist zweimal zu viel von allem, was ich so überhaupt nicht mag.

Titelfoto: vicolocannery.it

_________________________________________________________

buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier klicken und den Roman von Stephanie Bart versandkostenfrei bestellen.

Hier liest Stephanie Bart zehn Seiten aus Deutscher Meister.

Bildschirmfoto 2014-12-10 um 16.20.01

Anstrengend aber kurz

4

Jens Eisel – Hafenlichter.

Kurzgeschichten laufen ja im Buchhandel bekanntlich nicht so gut wie ein dicker, fetter Roman. Ich weiß jetzt auch warum.

Hafenlichter ist ein 140 Seiten umfassendes Buch mit 17 Kurzgeschichten. Es klingt paradox – aber diese dünne Sammlung am Stück zu lesen, ist wesentlich anstrengender als das Lesen eines langen Romans. Es erfordert mehr Konzentration und Motivation. Denn man fängt mit jeder Geschichte immer wieder neu an, sich in einen Plot hineinzudenken, sich den Protagonisten vorzustellen, sich ein Bild von der Umgebung zu machen, in die Geschichte einzusteigen. Das erfordert vom Leser die höchste Aufmerksamkeit. Wenn man einmal durch davonschweifende Gedanken etwas nicht mitbekommen hat, kann man gleich wieder von vorne anfangen. Die Chance, dass man sich das fehlende Puzzle-Stück irgendwann im Verlauf der Handlung wieder erschließen kann, ist bei zehn Seiten pro Story eher gering.

Und dann ist da noch die Motivation. Die muss hoch sein, um bei jeder neuen Geschichte wieder neu einzusteigen, wieder eine erste Seite zu überstehen, sich auf eine neue Stimmung, einen neuen Ort und neue Akteure einzulassen.

Mir hat die Lektüre der Hafenlichter am Anfang gut gefallen. Eisel baut interessante, stimmungsvolle Szenarien auf, führt die handelnden Personen liebevoll ein. Und wenn dann alles vor dem inneren Auge des Lesers steht, man eigentlich richtig loslegen könnte mit der Geschichte, dann ist sie auch schon wieder vorbei. Bei den ersten zwei, drei Stories fand ich diesen Effekt noch ganz witzig. „Ahhh ja…interessant“, dachte ich, er lässt einiges einfach im Raum stehen, wir Leser sollen uns unseren Teil denken. Die Geschichte in Gedanken weiterspinnen, ausschmücken, nachverfolgen. Hab ich auch gemacht – ist auch anstrengend aber gut.

Doch dann wurde mir das zu nervig. Immer wieder diese bedeutungsschwangeren Abbrüche. Keine echten Cliffhanger, sondern nur so ein banales Ausplätschern der Geschichte. Wir verfolgen zum Beispiel einen Automechaniker, wie er von seiner Werkstatt in eine Kneipe geht, dort zu Abend isst, dann nach Hause geht, tiefsinnig und vielsagend aus dem Fenster schaut, das Fenster wieder schließt und ins Schlafzimmer geht. Fertig, aus – das war’s. Nächste Geschichte.

Es gibt bestimmt viele Leser und Lesesituationen, für die Hafenlichter exakt die richtige Lektüre ist. Für mich ist das nichts. Ich warte lieber bis Jens Eisel mal einen richtig dicken, fetten Roman geschrieben hat. Denn ich glaube, der Open-Mike-Preisträger hat das Zeug dazu.

Gelesen: Dezember 2014
Foto: Gabriele Luger

_________________________________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier klicken und Hafenlichter von Jens Eisel versandkostenfrei bestellen:

Übrigens: Der Piper-Verlag rührt für das Buch mächtig die Werbetrommel. Nicht nur, dass das Buch bei Amazon ins Vine-Programm aufgenommen wurde und dadurch viele Rezensionen bekommen hat, auch dieser sehr stimmungsvolle Film zeugt davon:

Karen Köhler – Wir haben Raketen geangelt

2

Was ist dran an dem Hype um dieses Buch mit dem albernen Titel? Kollektive Begeisterung auf Seiten des Feuilletons, die Literaturblogs kriegen sich nicht mehr ein. Und bei Amazon gibt es eine fünf Sterne Bewertung nach der nächsten. Dabei es geht wohlgemerkt nicht um einen Roman, sondern um einen Erzählband. Und nicht um Judith Herrmann, sondern um eine gewisse Karen Köhler.

Um dem Hype auf den Grund zu gehen, hab ich zwanzig Euro investiert, den neuen Bodo Kirchhoff erst einmal liegen lassen und kritisch in die erste Geschichte hineingelesen. Und es ist wirklich wahr – man legt das Buch nicht mehr aus der Hand. Die Geschichten von Karen Köhler bringen etwas ganz tief im Innersten zum klingen. Ich weiß nicht was es ist, vielleicht sind es die Themen: Freundschaft, Liebe, Krankheit, Sterben, Verlust und Tod. Darum geht es im Leben. Das passiert uns, daran scheitern wir. Wir alle. Irgendwann.

Ich bin still geworden beim Lesen. Hatte stellenweise Gänsehaut, Tränen in den Augen und fühlte mich reich beschenkt. Dieses Buch ist einfach wunderbar. Trotz der tiefen Traurigkeit, die allen Geschichten innewohnt, ist die Sprache voller Leichtigkeit und Frische. Da werden keine düsteren Klischees bedient, keine schwermütigen und bedeutungsschwangeren Phrasen gedroschen.

Knapp zwanzig Euro für ein Buch, das man innerhalb weniger Stunden ausgelesen hat. Und doch war es die beste Investition seit langer Zeit. Der Hype ist völlig berechtigt. Und ich hype jetzt mal kräftig mit. Für mich das Debüt des Jahres.

Gelesen: September 2014

Foto: Gabriele Luger

Karen Köhler liest zehn Seiten: Bildschirmfoto 2014-11-29 um 23.17.36

_____________________________________ buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin. Hier das Buch von Karen Köhler versandkostenfrei bestellen: Bildschirmfoto 2014-11-29 um 23.06.34

Therapieroman

Simone Lappert – Wurfschatten.

Wie kommt man eigentlich dazu, ein bestimmtes Buch zu lesen? Meistens sind es bei mir Empfehlungen aus dem Netz und der Zeitung. Mich interessiert dann entweder die Story, die zu erwartende Lesestimmung, der/die Autor/in oder im besten Fall alles zusammen. In den seltensten Fällen komme ich wie in diesem Fall vom Verlag auf ein Buch.

Nie hätte ich das Buch von Simone Lappert gelesen, wenn es nicht beim Metrolit-Verlag erschienen wäre. Dieser Verlag ist irgendwie cool und hat in der Regel gute, außergewöhnliche Titel und Autoren im Angebot. Ich folge Metrolit auf Facebook und bekomme regelmäßig den E-Mail-Newsletter. So kam ich zu Simone Lappert und ihren Wurfschatten.

Und was soll ich sagen? Die Lektüre des großzügig formatierten 200-Seiten-Buches nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Es hat mich nicht richtig begeistert, aber auch nicht gerade gelangweilt. Es war ok, man kann es lesen, mehr fällt mir dazu schon gar nicht mehr ein.

Es gibt bestimmt Menschen, die mit dem Thema Angststörungen mehr anfangen können als ich. Es gibt aber auch Romane, die mir das Thema wesentlich eindrucksvoller vermittelt haben. Ich denke da zum Beispiel an Sarah Kuttners Mängelexemplar. Generell scheinen mir die psychischen Probleme junger, attraktiver Frauen gerade ein ganz hippes Thema zu sein. Wer will denn schon von Menschen lesen, die alles auf die Reihe bekommen? Eine Protagonistin ist doch erst richtig interessant, wenn sie etwas überspannt und durchgeknallt ist. Simone Lapperts Hauptfigur Ada entspricht diesem angesagten Typus.

Ada hat in Ihrer Wohnung eine Therapie-Tapete mit Abbildungen all ihrer Ängste. Sich das anzuschauen, wovor man Angst hat, kann sicherlich helfen. Gleiches gilt bestimmt auch für das Schreiben. Einfach mal alle Ängste aufschreiben, könnte der Rat eines Therapeuten lauten. Und fertig ist der Therapieroman.

_____________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier den Roman von Simone Lappert versandkostenfrei bestellen:

Bildschirmfoto 2014-11-26 um 12.08.41

Ein Roman! Ein Roman!

Judith Hermann – Aller Liebe Anfang. 

Ich gebe zu – ich war ein wenig kritisch. Nicht, weil Frau Hermann jetzt endlich einen Roman geschrieben hat, sondern immer noch wegen Alice. Der letzte Erzählband hat mir nämlich, im Gegensatz zu den beiden davor, so gar nicht gefallen. Entsprechend abwartend bin ich in das aktuelle Werk eingestiegen. Und schon beim Aufschlagen fiel meinem nach Schwachstellen ausschauenden Kritikerauge das dicke Papier auf, die großzügige Formatierung und Typo. Hat da vielleicht der Verlag etwas nachgeholfen und aus einer etwas längeren Erzählung mit ein paar verlegerischen Tricks einen Roman gemacht?

Kann schon sein, aber letztlich geht es ja nicht um Quantität, sondern um literarische Qualität. Und hier hat mich Judith Hermann bereits nach wenigen Seiten wieder überzeugt. Die Alice-Pleite ist vergessen und ich bin wieder voll dabei. Lass mich von den fein konstruierten Sätzen entführen. In eine Vorortsiedlung, die ihre besten Tage hinter sich hat. In ein Zuhause, das bedroht wird. In Wohnungen für die letzten Tage im Leben. In Alltags-Rituale von gesunden und kranken Menschen.

Hermann gelingt es, den Leser mitzunehmen. Durch feine Beschreibungen – nicht zu viel und nicht zu wenig. Durch Einblicke ins Seelenleben, kurze Rückblenden und Imaginationen. Es geht um Stalking und man spürt von Seite zu Seite das Ansteigen der Bedrohung. Für die kurze Zeit der Lektüre ist man an allen Orten des Romans mit dabei. Schaut aus dem Fenster und sieht den Stalker an der Gartenpforte stehen. Und freut sich, wenn er endlich die gerechte Strafe bekommt.

Mir hat es Spaß gemacht. Ich hab die Lektüre genossen. Und auch wenn es nur ein kleiner Roman ist – die Autorin hat mir wieder mal bewiesen, dass sie eine ganz Große ist.

Gelesen: September 2014
Foto: Gabriele Luger

_____________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier den Roman von Judith Hermann versandkostenfrei bestellen:

Bildschirmfoto 2014-11-24 um 21.26.53

Am Ende bleiben viele Fragen

Fabian Hischmann – Am Ende schmeißen wir mit Gold.

Deutschland erinnert sich. An die eigene Jugend, an all das, was man erlebt, erlitten hat. Was einen zu dem gemacht hat, was man ist. Weswegen man nicht das geworden ist, was man hätte werden können, hätte werden wollen. Wie viele Bücher habe ich eigentlich in letzter Zeit mit dieser Thematik gelesen? Weiß nicht genau, aber jetzt ist es jedenfalls eines mehr. Denn auch Fabian Hirschmann erinnert sich und lässt uns teilhaben. So weit, so populär.

Und natürlich ist das Grundthema ja auch interessant. Natürlich ist es auch immer wieder anders. Denn jeder Mensch hat eine andere Geschichte zu erzählen, andere Gründe fürs Scheitern, für die Angst, die Resignation. Auch der Held dieses kleinen Romans hat seine Gründe: für ein halbfertiges Leben, für seine Perspektivlosigkeit, Antriebsarmut, Beziehungsunfähigkeit.

In dieses halbfertige Leben dürfen wir Leser ein wenig hineinschauen, vielleicht sollte ich auch sagen: hineinschnuppern. Leider nicht viel mehr. Denn der Autor fasst sich kurz, verfällt nicht in Geschwätzigkeit. Die komplexe Persönlichkeitsstruktur des Romanhelden Max wird angerissen, aus einem oder zwei Blickwinkel beleuchtet und dann war es das. Mit den Fragen, die sich beim Lesen ergeben, bleibt man über weite Strecken allein und wird am Ende auch nicht erlöst. Ich hätte gerne noch erfahren, ob Max sich noch entscheidet, zwischen schwul, bisexuell und hetero. Und was es mit dem PENG auf sich hat, wer schmeißt da eigentlich mit Gold und warum? Aber auf einmal ist das Buch zu Ende.

Zum Schluss bekommt man auf zwei Seiten noch ein eilig zusammengeschriebenes Happy-End präsentiert, das ein paar Antworten gibt aber einen nicht wirklich zufrieden stellt. Das ist nicht nur schade, sondern auch etwas ärgerlich. Denn die Geschichte hätte mehr Potenzial gehabt und hundert zusätzliche Seiten, hätten dem Buch sicherlich gut getan. Auf mich wirkt dieser Roman nach Marketingkonzept konstruiert, auf ein ganz bestimmtes Publikum zugeschrieben. Ein populärer Titel, ein netter Einband, nicht zu dick und leicht bekömmlich für die Fans von Büchern wie Tschik und Nilowski.

Gelesen: April 2014
Foto: Gabriele Luger

_____________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier den Roman von Fabian Hischmann versandkostenfrei bestellen:

Bildschirmfoto 2014-11-24 um 13.09.33

Link: Fabian Hischmann liest zehn Seiten aus seinem Buch: 

Bildschirmfoto 2014-11-24 um 13.18.34

Gefühlskalte Liebe

1

Jonathan Franzen – Schweres Beben

Nicht immer ist Lesen das wahre Vergnügen. Manchmal ist es fast wie Arbeit. Dann nämlich, wenn man sich vorgenommen hat, vom Autor eines der besten Romane der letzten zehn Jahre auch die beiden Vorgängerwerke zu lesen. „Schweres Beben“ ist genauso umfangreich wie Korrekturen, es wird wieder eine Familiengeschichte erzählt, es ist auch von Jonathan Franzen – aber das waren dann auch schon die Gemeinsamkeiten. Der zweite Roman von Franzen ist lediglich Durchschnittsware. Ein Plot auf Michael Crichton-Niveau etwas literarisch aufgewertet. Und gerade das stört. Immer wieder unterbricht Franzen den Erzählstrang durch langatmige Beschreibungen von Stadtvierteln, wirren Gedankenspielen seiner Protagonisten und in die Länge gezogenen Dialogen. Mein Gefühl: hier übt einer für den ganzen großen literarischen Wurf. Dies soll ihm aber erst in seinem nächsten Roman gelingen.

Trotz der knapp siebenhundert Seiten kann ich mich mit keiner der Figuren der Romanfamilie Holland anfreunden. Weder mit der lieblosen Mutter, der oberflächlichen Tochter, den Alt-68er-Vater und auch nicht mit der Hauptfigur Louis. Franzen scheint sie alle selbst nicht zu mögen. Und obwohl Louis detailliert beschrieben und erzählerisch minutiös begleitet wird, bleibt diese Figur seltsam farblos.

Auf dem Buchrücken steht: …eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit“. Vielleicht bin ich ja gefühlskalt, aber von Liebe habe ich in diesem Buch überhaupt nichts gelesen. Wenn die in vieler Hinsicht merkwürdige Beziehung zwischen Louis Holland und der Wissenschaftlerin Renee wirklich eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit sein soll, dann müssen wir uns ernsthaft Sorgen um unsere Zeit machen. Er ist mit ihr zusammen, weil keine andere sich für ihn interessiert, verlässt sie sofort, als die junge hübsche Lauren wieder auftaucht und kommt schließlich wieder zu ihr zurück, weil die biestige Lauren ihn nicht ran lässt. Sie nimmt ihn, weil er nicht locker lässt, sich penetrant bei ihr festsetzt und ihr scheinbar sowieso alles egal ist. Am Ende entscheiden sich beide für den Spatz in der Hand, weil die Tauben auf dem Dach für beide unerreichbar sind.

Was gut rüberkommt und das Buch trotz allem doch lesbar macht, ist die Beschreibung der Lieblosigkeit der Mutter, die Entfremdung und Kälte zwischen den Geschwistern und die durchaus spannende Geschichte über ein sich unethisch verhaltenes Chemieunternehmen. Das wars dann aber auch.

Gelesen: Januar 2008
Foto: Gabriele Luger

Einschläfernder Naturalismus

Karl Ove Knausgård – Spielen. 

Es gibt Bücher, da wünsche ich mir noch einmal hundert oder zweihundert Seiten dazu. Um Akteure besser kennen zu lernen, Zusammenhänge zu verstehen oder einfach um die Lesestimmung noch eine Weile zu halten. Bei diesem Roman ist es anders. Hier wünschte ich mir eher zweihundert Seiten weniger.

Denn so schön Knausgard seine Kindheitserinnerungen auch aufgeschrieben hat, nach ca. 400 Seiten kommt einfach nichts Neues mehr dazu. Die Detailverliebtheit, die ich auf den ersten Seiten noch positiv und stimmungsfördernd empfunden habe, ging mir am Ende auf den Geist. Doch ich wollte die Lektüre nicht einfach so abbrechen, also habe ich die letzten zweihundert Seiten nur noch quer gelesen. Grundsätzlich ist „Spielen“ eine schöne Hommage an die Kindheit in den siebziger Jahren. Als man noch einfach beim Nachbarjungen klingelte und fragte: „kommst Du raus – spielen?“ Ohne Verabredung, ohne Mami, die einen mit dem Auto hinbringt und wieder abholt.

Ich bin auch ein Kind dieser Zeit und habe mich beim Lesen wohlig erinnert. An so manches Lagerfeuer, die Bude im Wald, eine zufällig im Altpapier gefundene Neue Revue. Natürlich auch an die ganzen Unzulänglichkeiten, Enttäuschungen und Ängste, die auch der kleine Karl Ove beim Erwachsenwerden durchlebt. Das alles hat Knausgard in diesem Roman wunderbar exakt und authentisch beschrieben. Als Zeitgenosse kann ich das beurteilen und wertschätzen.

Aber wie geht es Lesern aus einer anderen Zeit? Ist der Roman ohne den persönlichen Erfahrungshintergrund noch genauso interessant? Ich wage das zu bezweifeln. Denn Knausgard macht nichts anderes, als Erinnerungen sauber aufzuschreiben. Der Gesamteindruck ist literarisch durchaus ok. Aber richtiger Lesegenuss kommt nicht auf. Keine echte sprachliche Brillanz, keine Dramatik, keine erzählerischen Überraschungen. Es plätschert so dahin, wie das ganz normale Leben eines ganz normalen Jungen in den Siebzigern.

Gelesen Juni 2014.

Foto: Gabriele Luger

_____________________________________

buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin. Hier den Roman von Karl Ove Knausgard versandkostenfrei bestellen: Bildschirmfoto 2014-11-22 um 22.12.38

Sasa Stanisic – Vor dem Fest

1

Ich weiß nicht, warum ich dieses Buch so mag. Es ist keine leichte Kost. Es ist nicht spannend, nicht dramatisch, besonders emotional oder witzig geschrieben. Die Geschichte wechselt ständig von Jetzt auf Gestern. Dann wieder zu Vorgestern und zurück. Die Charaktere werden nur kurz vorgestellt, einige begleiten einen durchs Buch, andere haben nur einen Auftritt. Verschiedene Handlungsstränge und Rückblicke im zeitgenössischen Sprachstil – alles was normalerweise gar nicht geht, wenn man mehr als nur eine Handvoll Leser erreichen will.

Doch bei diesem Roman funktioniert es. „Vor dem Fest“ ist kein anstrengender Avantgarderoman, sondern ganz hervorragende Unterhaltung, neue deutsche Literatur mal anders. Kein Literaturexperiment und wenn doch, dann ein geglücktes. Da hat ein Autor nicht sich selbst wiedergegeben, sondern sich hineinversetzt. In ein Dorf, eine für die meisten Leser unbekannte Region, unspannend, unspektakulär und doch liebens- und lebenswert. Der Protagonist ist die Uckermark, das Dorf Fürstenfelde. Das klingt langweilig, nach trockener Geschichtsschreibung und man fragt sich, wer will das lesen?

Scheinbar viele – dem Erfolg dieses Romans nach zu urteilen. Ich verstehe auch warum. Denn man schwebt beim Lesen nur so durch die Seiten. Alles ist perfekt konstruiert, fügt sich harmonisch zu einem Bild zusammen. Und auch Passagen, die einen vielleicht nichts sagen, nerven oder auch langweilen, sind nie sehr lang und werden schnell von amüsanten, kurzweiligen Episoden abgelöst. So ist man schnell durch mit diesem Buch, stellt es zufrieden ins Regal und sagt sich: „Das war mal was anderes“.

Gelesen: April 2014
Foto: Gabriele Luger

_____________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier den Roman von Sasa Stanisic versandkostenfrei bestellen: 

Bildschirmfoto 2014-11-19 um 20.57.43

Der letzte Schrei

Edgar Rai – Die Gottespartitur.

Seien wir mal ehrlich: was erwartet man eigentlich von einem guten Buch? Doch nicht viel mehr, als dass es Spaß macht, es zu lesen. Im besten Fall von der ersten bis zur letzten Seite – check. Ein glaubwürdiger Plot, authentische Charaktere und eine gute Schreibe gehören dazu – check. Ein Protagonist in der Nach-Midlife-Krise? – klingt nicht schlecht! Und wie wär’s mit noch ein wenig Liebesleid, Nahtod-Erfahrung und religiöser Geheimbündlerei? Her damit! Und als Zuckerstückli ein paar Insides aus dem deutschen Literaturbetrieb? Okay, gekauft, will ich lesen!

So ungefähr lautet das Erfolgsrezept von Edgar Rais neuem Roman „Die Gottespartitur“. Und obwohl dieser Roman alle Zutaten für einen Weltbestseller à la Dan Brown hätte, erliegt der Autor nicht der Versuchung, genau das abzuliefern. Das ist vielleicht nicht gut für seinen Kontostand, aber es ist gut für das Buch und alle, die Freude an neuer deutscher, anspruchsvoller aber nicht sperriger Literatur haben.

Ich habe meinen Spaß damit gehabt. Ganz besonders hat mir der etwas bissige Blick auf den deutschen Literaturbetrieb gefallen. Das eine oder andere ist sicherlich etwas überspitzt dargestellt, aber er hat recht: „Die durchschnittliche Halbwertzeit eines heute verkauften Manuskriptes liegt bei drei Monaten. Ein Jahr später wird es verramscht, nach 18 Monaten verebben die letzten Wellen, die es erzeugt hat.“

Letztlich unterscheidet sich die Literaturszene kaum von der Modebranche. Im Frühjahr und Herbst kommen die neuen Kollektionen heraus. Die Stars werden eine Saison gehypt, hin und her gereicht und dann wieder vergessen. So ist das nun einmal. Also – ob Berlin, London oder Paris: wer etwas auf sich hält, liest diese Saison die Gottespartitur. Denn Edgar Rai ist einfach der letzte Schrei.

Gelesen: Mai 2014

Foto: Gabriele Luger

_____________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier den Roman von Edgar Rai versandkostenfrei bestellen:

Bildschirmfoto 2014-11-19 um 21.09.19

Beinahe Nasenbluten

1

Hanns-Josef Ortheil – Die Erfindung des Lebens.

Gibt es eine bessere Zeit dieses Buch zu lesen, als zwischen Weihnachten und Neujahr? Zwischen den Jahren passiert nicht viel. Man hat Zeit, sich einzulassen. Auf eine Geschichte, die so still und nichtssagend daherkommend wie der Autobiograph und seine Mutter in der ersten Hälfte dieses Romans. Es ist ein stilles Buch für die stillen Tage des Jahres.

Knapp 600 Seiten auf denen nicht viel passiert. Ein autistisch veranlagter Junge wird in einer vom zweiten Weltkrieg traumatisierten Familie erwachsen. Er liebt seine Eltern und er liebt die Musik. Er lernt spät sprechen, spielt von Tag zu Tag immer besser Klavier bis eine Sehnenscheidenentzündung eine vielversprechende Pianistenkarriere beendet. Stattdessen wird er nun Schriftsteller und schreibt ein Buch über einen autistisch veranlagten Jungen, der in einer vom zweiten Weltkrieg traumatisierten Familie erwachsen wird. Er liebt seine Eltern und so weiter und so fort.

Hab ich irgendetwas vergessen? Ich glaube nicht. Jeder kann jetzt selbst entscheiden, ob das eine lesenswerte Story ist. Spannungsbögen? Fehlanzeige. Stilistische Besonderheiten? Nein. Oder vielleicht doch. Alle zwanzig Seiten streut der Autor ein bis zwei bedeutungsschwangere Andeutungen ein. So nach dem Motto: Bleiben sie dran, es passiert noch etwas. Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, wie ich im Musikinternat beinahe Nasenbluten bekam. Aber davon später mehr…

Eigentlich ein fürchterliches Stilelement. Und trotzdem – ich bin bis zum Schluss dran geblieben. Ich wollte wissen, warum der Autor am Ende kein Pianist sondern Autor geworden ist. Dass es letztlich nur eine profane Sehnenscheidenentzündung war, mag vielleicht autobiografisch authentisch sein – ein anderer literarischer Showdown wäre mir aber wesentlich lieber gewesen.

Aber so ist das Leben in den allermeisten Fällen nun einmal. Unspektakulär, ohne Spannungsbögen und still. So wie mein Leben in den beschaulichen Tagen zwischen den Jahren mit diesem Buch.

Gelesen: Dezember 2010
Foto: Gabriele Luger

_____________________________________
buchrevier unterstützt ocelot, not just another bookstore in Berlin.
Hier den Roman von Hanns-Josef Ortheil versandkostenfrei bestellen:

Bildschirmfoto 2014-11-19 um 21.25.04

Indie-Pop Roman

Martell Beigang – Zu Gast im eigenen Leben. 

Ich stelle mein Fazit mal an den Anfang: Toller Titel, mäßiger Inhalt, schlechte Verpackung. Zusammen macht das dann drei Sterne. Aber jetzt der Reihe nach.

Der Titel dieses Romans ist grandios. Nur deswegen habe ich mir das Buch gekauft. Denn wer kennt nicht das Gefühl, zu Gast im eigenen Leben zu sein? Die Headline verspricht viel. Surreales, Epochales, eine Reise zum und ums Ich, vorbei an Über-Ich und Es. Was weiß ich – jedenfalls ist das ein Buchtitel, mit dem man Literaturgeschichte schreiben kann. Wenn denn auch der Inhalt die hohen Erwartungen erfüllt. Tut er aber leider nicht. Denn was auf den knappen 150 Seiten an Story folgt, ist leider nicht mehr als Durchschnittsware. Angesagte Pop-Literatur für den musikinteressierten Mitdreißiger. Das kennt man von Hornby, Regener oder Goosen.

Die Story ist schnell erzählt. Ein mehr oder weniger gescheiterter Musiker sucht seine Ex mittels eines Internetclips. Aus dem Clip wird im Laufe der Zeit eine erfolgreiche und beliebte Fernsehshow. Die Ex kehrt zurück, Happy End! Mehr oder weniger ist das die Story des Vodafone-Clips mit dem Song „We are the people“.

Aber warum auch nicht? So geht Popliteratur eben. Und damit die angepeilte Zielgruppe auch weiß, dass das ein Buch nur für sie ist, darf die obligatorische Gitarre auf dem Cover nicht fehlen. Fertig ist der Indie-Pop-Roman. Darüber hinaus ist die Aufmachung eher die eines Sachbuches. Format, Hochglanz-Einband und Bindung – das alles lässt einen ganz anderen Buchtitel und Inhalt erwarten. „Filmen fürs Internet. Vom Clip zur eigenen Sendung,“ oder so ähnlich.

Fazit? Siehe oben.

Gelesen: Juli 2011